Verkehr in Berlin

Berlkönig steht auf der Kippe

Das Land Berlin soll den BVG-Mobilitätsdienst Berlkönig künftig finanzieren. Dort ist man von dem Service aber nicht überzeugt.

Ein Van des BVG-Fahrservices Berlkönig.

Ein Van des BVG-Fahrservices Berlkönig.

Foto: dpa

Berlin. Fährt er weiter oder nicht? Die Zukunft des Mobilitätsdienstes Berlkönig ist auch nach dem Treffen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit der Senatsverkehrsverwaltung und Vertretern der rot-rot-grünen Koalition unklar. „Wir haben nochmal alles dargelegt und hoffen, überzeugt zu haben“, sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken am Donnerstag im Anschluss an die Sitzung.

In einer zuvor öffentlich gewordenen Präsentation hatten die Verkehrsbetriebe für das Treffen auf eine „finale Entscheidung“ über die Zukunft des Berlkönigs gedrängt. Denn diese steht auf der Kippe. Seit September 2018 fahren die schwarzen Vans mit den bunten Sprenkeln im Auftrag der BVG durch die östliche Berliner Innenstadt. Betrieben wird das Angebot gemeinsam mit ViaVan, einem Unternehmen, an dem der Autobauer Daimler beteiligt ist, und das auch die Kosten des Projekts trägt. Bislang zumindest.

Nun jedoch endet der Vertrag. Damit es über April hinaus weitergeht, müsste das Land Berlin den Dienst dann finanzieren. Dort zeigt man bislang wenig Willen, die Kosten für den Berlkönig zu übernehmen. Die fallen beträchtlich aus, da der Dienst nicht eigenwirtschaftlich ist: Ein zuletzt diskutierter Einsatz innerhalb des S-Bahnrings würde laut Berechnungen der BVG für das Jahr 2024 mit elf Millionen Euro zu Buche schlagen. Für eine Ausweitung auf das gesamte Stadtgebiet müsste das Land jährlich 43 Millionen Euro zuschießen. Noch teurer wäre es mit 44 Millionen Euro pro Jahr, den Berlkönig nur außerhalb des S-Bahnrings fahren zu lassen.

Die BVG argumentiert, dass damit der Verkehr in der Stadt reduziert werden könne. Im Januar 2020 habe der Dienst erstmals mehr Autokilometer ersetzt, als selbst durch den Betrieb der Flotte erzeugt worden seien. Noch liegt dieses Plus laut BVG-Zahlen bei nur einem Prozent. Bis 2022 könnte der Vorteil auf das gesamte Stadtgebiet gerechnet jedoch 17 Prozent ausmachen, sagt die BVG.

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Berlkönig: Wagen sind schlechter ausgelastet als private Pkw

Verkehrsverwaltung und Koalitionsvertreter überzeugte das am Donnerstagnachmittag nicht auf Anhieb. Die Fraktionen von SPD, Linken und Grünen wollen die Lage nun zunächst weiter besprechen. Ein positiver Ausgang ist noch nicht absehbar. „Wir sind über die Kommunikation seitens der BVG enttäuscht“, sagte Tino Schopf, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, nach dem Treffen. Dass der Vertrag mit ViaVan ursprünglich schon zum Dezember 2019 ausgelaufen war, hätte man früher und transparenter kommunizieren müssen. „Es wäre sinnvoll gewesen, rechtzeitig vor den Haushaltsverhandlungen Kontakt zu uns aufzunehmen“, so Schopf. Der SPD-Politiker nannte die Kosten für den Betrieb immens. „Von 43 Millionen Euro kann man auch 40 bis 50 Elektrobusse kaufen und in den Außenbezirken fahren lassen.“

Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) machte schon am Donnerstagvormittag im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses ihre Bedenken deutlich. Dass viele Menschen es gut fänden, wie in einem Taxi herumgefahren zu werden, aber ein Drittel weniger zu bezahlen, sei nicht verwunderlich, sagte sie. Doch das reiche nicht, um den Dienst zu betreiben. „Wir müssen schauen, welche Kosten stehen dem Nutzen entgegen.“ Denn auch beim verkehrlichen Nutzen hat die Senatorin ihre Zweifel. Die Auslastung der Berlkönig-Fahrzeuge liegt laut Daten der Verkehrsverwaltung im Schnitt bei nur 1,2 Personen pro Tour. Noch weniger als im normalen Individualverkehr. Für den ergebe sich ein Wert von 1,3 Personen je Fahrt, so Günther. „Das ist nicht so prickelnd.“

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Günther stellte klar, dass es für die Außenbezirke ein zusätzliches Mobilitätsangebot brauche. Die Frage sei, wie die Menschen zielgenau vom S- und U-Bahnhof nach Hause kommen. Es gebe Modelle, die dafür zielführender seien, sagte Günther. Zwar wolle sie sich noch nicht auf ein System festlegen. Ihre Präferenz machte sie dennoch klar: „Meiner Meinung nach sind es aktuell Rufbusse.“

Die Opposition kritisierte das fehlende Bekenntnis Günthers zum Berlkönig. Es sei bedauerlich, wenn die Außenbezirke bei den Nahverkehrsangeboten „durch Rot-Rot-Grün weiter abgehängt bleiben“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Danny Freymark. „Der Berlkönig würde gerade da Sinn machen, wo weniger Busse und Bahnen fahren. Wenn die Senatorin hier heute erst langwierige Prüfungen ankündigt, beschert sie dem Rufbus ein trauriges bürokratisches Ende.“

Bei Einstellung des Berlkönigs werden andere Angebote gefordert

Henner Schmidt, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, monierte, dass ein Aus für den Berlkönig ob der aktuellen Nutzerdaten zu kurz gedacht sei. Das Modellprojekt habe „noch nicht die Chance bekommen, sich als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs zu etablieren“, sagte er. Dazu müsste das Angebot vor allem auf die Außenbezirke ausgeweitet werden, so Schmidt. „Die Hauptstadt hat mit dem Berlkönig die Chance, ihr ÖPNV-Angebot deutlich zu verbessern – gerade auch zu Zeiten, in denen wenige Busse fahren.“

So könnten in der ganzen Stadt endlich neue attraktive Mobilitätsangebote 24 Stunden am Tag entstehen, die gleichzeitig die Innenstadt vom Autoverkehr entlasteten. Sollte das Projekt am Ende wirklich eingestellt werden, sei die Verkehrssenatorin gefordert, „andere flexible Angebote des ÖPNV zu entwickeln, die in den Außenbezirken Verbindungen von Tür zu Tür ermöglichen“, sagte der FDP-Politiker.

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