Mobilitätsdienst

Berlkönig: Fahrer und Forscher kritisieren drohendes Aus

Der Berlkönig der BVG könnte Ende April eingestellt werden. Dagegen wehren sich 250 Fahrer und ein TU-Professor.

Der Berlkönig der BVG könnte seinen Dienst Ende April einstellen müssen.

Der Berlkönig der BVG könnte seinen Dienst Ende April einstellen müssen.

Foto: Daimler AG

Gegen das drohende Ende des Fahrdienstes Berlkönig der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wird weitere Kritik laut. In einem offenen Brief hat sich der Verkehrsforscher Kai Nagel an die Mitglieder des Verkehrsausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses gewandt und eine Fortsetzung des Projekts gefordert. Nagel, Professor an der Technischen Universität Berlin (TU) und dort Fachgebietsleiter für Verkehrssystemplanung und Verkehrstelematik, erklärte, dass eine Fortführung des Projekts aus „langfristigen Erwägungen zwingend notwendig“ sei.

Berlkönig: Dienst einzustellen, sei „grob fahrlässig“ kritisiert Verkehrsforscher

Es gebe viele Pfade, um Mobilitätsdienste wie den Berlkönig zu entwickeln. Sinnvoll sei jedoch, das System gemeinsam mit einem Anbieter des öffentlichen Nahverkehrs zu gestalten. „Dafür müssen wir in Berlin das Betreiberwissen akkumulieren, wie eine solche Integration erreicht werden kann“, so Nagel. Es gehe nun darum, die Kenntnisse „in Berlin zu haben und zu halten“. Die BVG sei dabei mit dem Berlkönig auf einem guten Weg.

Es sei „grob fahrlässig, dies zum jetzigen Zeitpunkt aufzugeben“ und neue Mobilitätsformen vollständig in die Hände externer Anbieter zu legen. Ohne eigene Erfahrung laufe Berlin Gefahr, „dass sich externe Anbieter die finanziell attraktiven Filetstücke in den urbanen Zentren herausschneiden und dort die Gewinne einstreichen“, sagte Nagel. Die Versorgung der städtischen Randgebiete müsse dann aus Steuermitteln erfolgen.

Betrieb des Berlkönig könnte Berlin 43 Millionen Euro kosten

Fahrten mit dem Mobilitätsdienst Berlkönig können Fahrgäste über eine App der BVG buchen und sich dabei das Auto mit fremden Mitfahrern teilen. Bisher bietet die BVG, die den Dienst gemeinsam mit der Daimler-Tochter ViaVan betreibt, in der östlichen Berliner Innenstadt an. Das Angebot ist besonders bei jungen Nutzern beliebt, weil die Kosten pro Fahrt niedriger sind als bei einem Taxi.

Doch die Zukunft des Dienstes ist ungewiss. Wie vergangene Woche bekannt wurde, läuft die Finanzierungsvereinbarung zwischen der BVG und ViaVan aus. Bisher trägt ViaVan die Kosten des Angebots. Künftig müsste dafür das Land Berlin einspringen. Laut einer internen Präsentation der Verkehrsbetriebe beliefen sich die Kosten für das gesamte Stadtgebiet im Jahr 2024 auf rund 43 Millionen Euro. An diesem Donnerstag will die BVG bei Koalitionsvertretern erneut für das Angebot werben. Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) und die rot-rot-grüne Koalition sehen den Dienst jedoch kritisch. Um für einen Weiterbetrieb zu werben, überreichten Berlkönig-Fahrer bereits am Mittwoch einen von 250 Fahrern unterschriebenen offenen Brief an Günther. Mit einem Aus für den Berlkönig gingen 400 Arbeitsplätze verloren, kritisieren sie.