Ungeklärte Finanzierung

BVG-Angebot Berlkönig droht das Aus

Die künftige Finanzierung des Ride-Pooling-Angebots der Berliner Verkehrsbetriebe ist umstritten.

Ein Van vom Fahrservice Berlkönig unterwegs in Kreuzberg

Ein Van vom Fahrservice Berlkönig unterwegs in Kreuzberg

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin. Ein paar Klicks in der App und kurze Zeit später steht rund um die Uhr der persönliche Chauffeur bereit – für weniger Geld als bei einem Taxi. Kein Wunder, dass der Berlkönig gerade bei jungen Nutzern beliebt ist. Doch nun gibt es aus der rot-rot-grünen Koalition Gegenwind. Das Ride-Pooling-Angebot der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) steht plötzlich vor dem Aus. Auch wenn noch nicht alle Gespräche geführt sind, deutet sich an: Wohl schon Ende April wird der Berlkönig nach Informationen der Berliner Morgenpost seinen Dienst einstellen.

Grund ist die ungeklärte Finanzierung. Seit September 2018 fahren die schwarzen Vans mit den bunten Sprenkeln im Auftrag der BVG und ihres Partners ViaVan, einer Tochter des Autobauers Daimler, durch die östliche Innenstadt. Die Kosten dafür trägt bislang ViaVan. Doch damit ist nun offenbar Schluss. Die Weiterführung bedürfe einer „Bestellung und Finanzierung durch das Land Berlin“, heißt es in einer Präsentation der BVG, die der Morgenpost vorliegt. Mit dieser wollen die Verkehrsbetriebe bei der Senatsverkehrsverwaltung und den Koalitionsfraktionen bei einem Treffen am 13. Februar für das Angebot werben und eine „finale Entscheidung hinsichtlich Fortführung oder Beendigung“ des Berlkönigs herbeiführen.

Betrieb innerhalb des S-Bahnrings müsste mit elf Millionen Euro bezuschusst werden

Ob die positiv ausfällt, das darf nach aktuellem Stand bezweifelt werden. In Koalitionskreisen gibt es enorme Vorbehalte. Auch bei Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) soll die Skepsis dem Vernehmen nach überwiegen. Die Verwaltung habe den Antrag der BVG damals genehmigt, „mit dem Verständnis, dass die Kosten für die gesamte Erprobungsphase von den Partnern ViaVan und BVG getragen werden“, teilt Sprecher Jan Thomsen mit.

Bei der Erprobung sei zentral, dass der Berlkönig „einen verkehrlichen Nutzen durch die deutliche Reduktion des privaten Autoverkehrs nachweisen kann und damit auch einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz leistet“. Nur so könnten Nutzen und Kosten sachgerecht abgewogen werden. Laut BVG habe das Angebot im Januar 2020 erstmals ein Prozent mehr private Einzelfahrten verhindert als durch den eigenen Betrieb erzeugt worden seien. Würde es auf die ganze Stadt ausgeweitet, könnten 17 Prozent der Autofahrten eingespart werden. Doch allein der Betrieb innerhalb des S-Bahnrings müsste jährlich mit elf Millionen Euro bezuschusst werden, so die BVG.

Berlkönig-Aus wäre eine vertane Chance

Ein von ihr favorisierter Ausbau auf das komplette Stadtgebiet würde das Land 43 Millionen Euro im Jahr kosten. „Mit Millionen Steuergeldern ein zusätzliches Verkehrsmittel für ganz Berlin anzubieten, sehe ich nicht ein“, sagt Tino Schopf, Verkehrsexperte der SPD-Fraktion. Dies sei eine „Kannibalisierung des Taxigewerbes“.

Mit dem möglichen Berlkönig-Aus werde „eine Chance vertan“, sagt FDP-Verkehrsexperte Henner Schmidt. In den Außenbezirken ließe sich so mit begrenztem Aufwand ein deutlich besseres Angebot schaffen. „Natürlich kostet das Geld, aber das ist eine sinnvolle ÖPNV-Ergänzung, wo er nicht so dicht ist.“

Deutlicher wird noch die CDU: "Es wäre fatal, ausgerechnet den BerlKönig als Erfolgsmodell zu beenden statt endlich in die Außenbezirke auszuweiten", sagte der verkehrspolitische Sprecher Oliver Friederici. Wer mehr Klimaschutz und bessere Luft haben wolle, dürfe den Nahverkehr nicht so stiefmütterlich behandeln. "Wir müssen den BerlKönig als Chance nutzen, die Berliner auch in Randgebieten zum Umsteigen zu bewegen."