Umbauarbeiten

Die Hohenzollerngruft im Berliner Dom wird saniert

Die Hohenzollerngruft ist eine der wichtigsten dynastischen Grabstätten Europas. Die Bauarbeiten sollen 2023 abgeschlossen sein.

Die Hohenzollerngruft bleibt wegen Umbauarbeiten bis 2023 geschlossen.

Die Hohenzollerngruft bleibt wegen Umbauarbeiten bis 2023 geschlossen.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Am Lustgarten steht in den kommenden Wochen ein ungewöhnlicher Umzug bevor: Die Sarkophage der 90 Personen aus dem Hause Hohenzollern, die vom Ende des 16. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in der Hohenzollerngruft im Untergeschoss des Berliner Doms ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, werden ordnungsgemäß verpackt und an einen Ort gebracht, der zum Schutz dieser Kulturgüter geheim bleiben wird.

Die Sarkophage müssen wegen der anstehenden Sanierung der Hohenzollerngruft vorübergehend ins Ausweichquartier. Die Bauarbeiten sollen, wie bei der Vorstellung der Umbaupläne am Donnerstag bekannt wurde, am 1. März beginnen und im Frühjahr 2023 abgeschlossen sein. Die wichtigste dynastische Grabanlage in Deutschland solle einen Platz in der Reihe bedeutender kaiserlicher Ruheorte Europas bekommen, sagte die Domarchitektin Sonja Tubbesing.

Hohenzollerngruft: Keine Barrieren und künftig mehr Informationen

Tatsächlich nennen Kunsthistoriker die Grabstätte in einem Atemzug mit der Kathedrale von Saint-Denis bei Paris und dem Kloster El Escorial bei Madrid. Nur entspricht der derzeitige Zustand der Gruft diesem Rang nicht. Die wertvollen Sarkophage haben seit vielen Jahren unter Feuchtigkeit, Schimmel und Temperaturschwankungen zu leiden, zudem entspricht die Beleuchtung der Grablege nicht mehr den international gängigen Standards. Für manche Besucher des Doms erweist sich darüber hinaus die fehlende Barrierefreiheit als Problem. Momentan ist für Menschen mit eingeschränkter Mobilität der Zugang zur Gruft wie auch zum gesamten Dom nur mit Hilfestellung des Sicherheitspersonals möglich: Sie gelangen, nachdem sie auf dem Bauhof beim Pförtner geklingelt haben, über einen Lastenfahrstuhl ins Haus. Das zum Dom gehörende Museum können Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte derzeit überhaupt nicht erreichen.

All diesen Missständen soll im Zuge der rund 18 Millionen Euro teuren Sanierung der Grabstätte abgeholfen werden. Ein selbst bedienbarer Fahrstuhl auf der Nordseite des Doms soll Menschen nach Abschluss der Bauarbeiten in die Domarkaden zum Besuchereingang bringen, während im Innern des Gebäudes parallel zum Treppenhaus ein Fahrstuhl in das Gruft- und Museumsgeschoss fährt. Dort soll eine neue Beleuchtung und erstmals eine Klimaanlage installiert werden, auch die sanitären Anlagen werden vergrößert und barrierefrei gemacht. Die Ausrichtung der Särge wird sich verändern, um bessere Zugangsmöglichkeiten für die Besucher zu schaffen. Ein Informationsraum wird die Geschichte des Hauses Hohenzollern unterrichten.

Finanziert wird der Umbau vom Bund, dem Land Berlin sowie der Cornelsen Kulturstiftung, zehn Prozent der Kosten trägt die Domgemeinde. An den Beratungen für den Umbau waren auch die Hohenzollern-Nachfahren beteiligt, wie der Vorsitzende des Domkirchenkollegiums, Stephan Harmening, sagte. Die letzte Entscheidung über die Gestaltung der Räumlichkeiten und vor allem auch über den Informationsraum liege allerdings beim Dom, betonte er. Auswirkungen auf das Eintrittsgeld, die sogenannte Domerhaltungsgebühr (derzeit sieben, ermäßigt fünf Euro) werde der Umbau nicht haben, sagte Harmening.

Auf Geheiß der DDR-Führung abgerissen

Vielsagend dagegen war eine andere Bemerkung des Vorsitzenden des Domkirchenkollegiums: „Wir haben keine Fakten geschaffen, die einen späteren Aufbau der Denkmalskirche unmöglich machen würden“, sagte Harmening. Die apsisförmige Denkmalskirche an der Nordseite des Doms machte ursprünglich ein Drittel des gesamten Gebäudes aus, sie barg Nischen für die Prunksärge der Hohenzollern und den eigentlichen Zugang zur Gruft.

Sie wurde im Zweiten Weltkrieg nur leicht beschädigt, aber 1975 auf Geheiß der DDR-Führung aus ideologischen Gründen dennoch abgerissen – zurück blieb nur eine unansehnliche Brache, während kunsthistorisch bedeutende Särge – etwa von Andreas Schlüter für König Friedrich I. und seine Frau Sophie Charlotte – ins verbleibende Gebäude umziehen mussten.

Der Dombauverein macht sich schon seit einigen Jahren für einen Rekonstruktion der Denkmalskirche stark, in der auch eine Küsterwohnung, ein Gemeinderaum oder ein Museum untergebracht werden könnte. Vonseiten der Domgemeinde war dabei stets betont worden, dass die Sanierung der Gruft zuvor abgeschlossen sein müsse.