Dönergrollen

Döner in der Krise: 11 Fakten zu Berlins beliebtem Fast-Food

Die EU will Phosphat verbieten, dem Döner droht deshalb das Aus. Was man über das Fast-Food wissen muss.

Berlin hat den größten Döner der Welt

Berlin bricht einen neuen Rekord und produziert den schwersten Döner der Welt. In den Fladen kamen 450 Kilo Fleisch, 60 Kilo Salat und 130 Liter Kräuter-Sauce. Seit 2004 hielt Australien den Rekord, wo der Mega-Döner 413 Kilo wog.

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Berlin. „Dem Döner droht das Aus“ – so hieß es plötzlich am Donnerstag. Groß ist die Sorge, dass es dem meistverzehrten Fastfood in der Stadt bald an den Spieß gehen könnte. Eigentlich wollte ein EU-Ausschuss nur eine Rechtslücke schließen, doch das rief die Sozialdemokraten und Grünen im EU-Parlament auf den Plan. Sie wollen die Zulassung von Phosphaten im Döner verbieten.

Seit Jahrzehnten werden Phosphate bei der Produktion tiefgefrorener Dönerspieße eingesetzt. Der Zusatz von Phosphaten in verarbeitetem Fleisch ist dem Europaparlament zufolge in der EU derzeit nicht grundsätzlich erlaubt – aber auch nicht verboten. Denn bestehende Regulierungslücken und Ausnahmen ermöglichen noch den Einsatz, um etwa das Austrocknen von Fleisch zu verhindern und den Geschmack länger zu erhalten.

Statt die Gesetzeslücke zu schließen, legten Grüne und Sozialdemokraten Einspruch ein. Laut einer Studie sei der Einsatz von Phosphat gesundheitsgefährdend. Die Berliner Morgenpost hat aus diesem Anlass elf Fakten zu den gegrillten Fleischspießen zusammengetragen:

1.

Das Grillfleisch am Drehspieß wird von Gastronomen in Istanbul seit den 40er-Jahren angeboten, wohl seit den 60er-Jahren auch in kleinen Imbissbuden auf der Straße, aber als Tellergericht. Der erste Döner im Brot wurde Anfang der 70er-Jahre in Berlin erfunden. 1972 hat der Döner-Erfinder Kadir Nurman den ersten Döner am Bahnhof Zoo verkauft. Fleisch mit Zwiebeln im Fladenbrot. Es folgten die Varianten mit Salat und Soße.

2.

Nach dem Deutschen Lebensmittelrecht darf der Döner Kebab nur Hammel, Lamm oder Rind enthalten, der Hackfleischanteil muss unter 60 Prozent liegen. Hähnchen-Döner darf sich also niemals Döner Kebab nennen.

3.

400.000 Döner werden in Berlin täglich in ungefähr 1500 Dönerbuden verkauft. Nach Angaben des Open-Street-Map-Projektes, bei dem jeder Nutzer Angaben zu seinem Wohnumfeld machen kann, gibt es in Berlin sogar mehr als 3000 Döner-Verkaufsstellen. Ergebnis: 1,1 Dönerbuden pro 1000 Einwohner.

4.

Der „größte Döner der Welt“ wurde im Oktober dieses Jahres im Einkaufszentrum „Mall of Berlin“ serviert. Ein Radiosender hatte sich vorgenommen, den Weltrekord von 2004 zu knacken. Australier hatten damals einen 413 Kilogramm schweren Döner produziert. Mit 423,5 Kilogramm schafften die Berliner es, den Rekord knapp zu knacken.

5.

Die längste Schlange Berlins findet sich jeden Tag ebenfalls vor einer Döner-Bude. Genauer: Vor Mustafas Gemüse Kebab in Kreuzberg. Bis zu drei Stunden stehen vor allem Touristen hier für das Fastfood an.

6.

16.000 Dönerbuden gibt es in Deutschland, Berlin ist mit mehr als 1500 Läden die Hauptstadt des Döners.

7.

Alle sieben Sekunden wird in Deutschland ein Döner konsumiert.

8.

600 Tonnen Dönerfleisch werden jeden Tag in Deutschland produziert. Die wenigsten Imbisse schichten ihren Fleischspieß selbst – das übernehmen 250 Spezialbetriebe, die auch 80 Prozent des gesamten EU-Marktes beliefern.

9.

Der größte Dönerspieß der Welt wurde 2007 in der westtürkischen Stadt Bursa zubereitet. 240 Lämmer mussten für den knapp 2,7 Tonnen schweren Fleischberg ihr Leben lassen. Der Spieß war 3,70 Meter lang. Dafür wurden auch 15.000 Menschen satt.

10.

Vor ungefähr zehn Jahren erschütterten mehrere Gammelfleischskandale die Branche. So wurde in mehreren Betrieben in abgelaufenes Fleisch entdeckt, das bei der Döner-Produktion verarbeitet wurde.

11.

10,5 Millionen Euro Umsatzeinbußen pro Tag drohen der Branche bei einem Verbot von Phosphatzusätzen. Ungefähr 110.000 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Das teilte Renate Sommer (CDU), Mitglied des Umweltausschusses bei der Europäischen Union auf Facebook mit. Nach ihren Angaben würden 80 Prozent der in der EU verkauften Dönerspieße aus Deutschland kommen und das größtenteils aus Nordrhein-Westfalen.

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