Berlin-Friedrichshain

Am Donnerstag feiert die East Side Mall Richtfest

An der Warschauer Brücke wächst Berlins 68. Einkaufszentrum. Erhofft wird, dass täglich Tausende das Einkaufszentrum besuchen.

Entwurf der East Side Mall. Eine 60 Meter lange Brücke wird das Einkaufszentrum mit der Warschauer Straße verbinden

Entwurf der East Side Mall. Eine 60 Meter lange Brücke wird das Einkaufszentrum mit der Warschauer Straße verbinden

Foto: FREO Financial & Real Estate Operations GmbH

Projektleiter Martin Sänger hat eine Vision. Wenn er über die Baustelle des künftigen Einkaufszentrums East Side Mall in Friedrichshain führt, vorbei an riesigen Wänden und Säulen aus Beton, vorbei an Gerüsttürmen, durch Staub und Maschinenlärm, dann breitet er vor seinen Zuhörern das Bild des fertigen Neubaus aus, wie er im Herbst 2018 aussehen soll. "Diesen tiefen Graben zwischen der Mall und der Warschauer Straße wird eine 60 Meter lange Brücke überspannen", erzählt er.

Der Bau dieser Brücke werde am 13. November beginnen. Erhofft wird, dass vom S- und U-Bahnhof Warschauer Straße täglich Tausende durch das Einkaufszentrum laufen: Touristen, die zur East Side Gallery wollen, Büroangestellte, die auf dem Osthafen-Gelände und auf dem Anschutz-Areal arbeiten, Besucher von Sportevents und Konzerten, die den Ausgang unmittelbar nahe der Mercedes-Benz Arena nehmen, und die Anwohner. Sie werden 120 Läden auf drei Ebenen vorfinden.

60 Prozent der Flächen seien bereits vermietet, sagt Martin Sänger. Das unterste Geschoss diene der Nahversorgung, sagt Projektleiter Sänger, und sei Marken wie Aldi, Rewe und dm-Drogeriemarkt vorbehalten. Im Stockwerk darüber ziehen Bekleidungsgeschäfte ein. H&M und Zara gehören zu den Mietern. Auf der dritten Etage kann man zum Friseur gehen oder unter den gastronomischen Angeboten wählen. Wer mit dem Auto kommt, kann im vierten Geschoss parken, in dem sich auch ein Fitnessstudio befinden wird, oder im fünften Geschoss. Platz für 760 Fahrzeuge wird geschaffen.

"Wir rechnen mit bis zu 28.000 Kunden täglich"

Knapp 300 Stellplätze für Fahrräder seien am Gebäude geplant, berichtet Projektleiter Sänger. Naheliegend sei deshalb, dass auch ein Fahrradladen ins Center zieht. Rund 20 Prozent der Geschäfte in der Mall sollen aus Friedrichshain und Kreuzberg kommen. "Unsere Mitarbeiterinnen sind in der vergangenen Woche durch den Kiez gelaufen und haben für die Mall geworben", sagt Sänger. Die Mall wird Berlins 68. Einkaufszentrum. "Wir rechnen mit bis zu 28.000 Kunden täglich."

Visionen zur Zukunft hat auch Michael Kötter von der Anschutz Entertainment Group (AEG). Der 43-Jährige ist Vice President Real Estate & Development AEG und Projektentwickler des großen Geländes. Am Dienstag, kurz vor Beginn des Richtfestes am Mercedes Platz, hat auch er über die Baustelle geführt, vorbei an Betonwänden und -säulen. Knapp 13.000 Quadratmeter groß sei die gesamte Freifläche, die sich zwischen den vier neuen Gebäuden und der Arena erstrecken wird, sagt Kötter. Der Teil nahe der Arena, der künftigen Music Hall, dem Kino und den Bowlingbahnen werde Las-Vegas-Charakter haben.

Acht Medientürme sollen dort errichtet werden, die jeweils zwei zehn Quadratmeter große Bildschirme tragen. Auf ihnen läuft Werbung, werden Lichtshows inszeniert oder Kinofilme angekündigt werden. Etwa 100 Fontänen sollen in diesem Bereich des Platzes sprudeln. Die Music Hall mit Foyers, Bühne und zwei Rängen hat Platz für 4500 Besucher. Sie wird nicht nur Konzerte bieten. Comedy und Sportveranstaltungen sind vorgesehen. Auch als Ballsaal und für Parteitage sei die Hall geeignet, so Michael Kötter. Im neuen Multiplex-Kino mit 14 Sälen ist Platz für insgesamt 2500 Zuschauer. Der Imax-Saal wird mehr als 500 Sitzplätze haben.

Eröffnung der Neubauten soll ebenfalls im Herbst 2018 sein

Der Teil des Mercedes Platzes, der nahe der Mühlenstraße liegt, sei eher an Berlin orientiert, sagt Kötter. Er werde mit Platanen bepflanzt. Zwei Hotels mit dunkler Klinkerfassade stehen dort und ein Bürogebäude. Der gesamte Platz werde mit Berliner Granitpflaster ausgestattet. Gemeinsame Eröffnung der Neubauten am Mercedes Platz soll ebenfalls im Herbst 2018 sein. "Wir sind bisher gut im Zeitplan", so Kötter.

Die Besucher am Mercedes Platz werden Biergarten, italienisches und asiatisches Restaurant, Sportsbar und Steakhouse vorfinden. In die Neubauten an der Arena werden Einstein Kaffee, Loretta und "auf die Hand" einziehen. Fast alle Flächen auf dem riesigen Anschutz-Gelände seien bereits veräußert, sagt Michael Kötter. "Es gibt für jedes Areal einen Projektentwickler." Die Anschutz Entertainment Group behält die große Arena, das Parkhaus und den Mercedes Platz. Andere Eigentümer planen weitere Neubauten. Ein Bürohochhaus soll nahe der Arena gebaut werden, ein weiteres Hochhaus mit 140 Meter Höhe wird nahe der Warschauer Brücke, neben der East Side Mall, errichtet. Langfristig sei vorgesehen, dass die Berliner Stadtreinigung ihr Gelände an der Mühlenstraße aufgibt und umzieht, sagt Kötter. Auf diesem Areal sollen Wohnungen gebaut werden.

Derzeit arbeiten knapp 3000 Menschen im neuen Quartier zwischen Postbahnhof und Warschauer Brücke. Wenn die neuen Büro- und Entertainmentbauten, die Hotels und Restaurants in Betrieb genommen sind, werden es etwa 20.000 Beschäftigte sein. Etwa 2500 Wohnungen und rund 4000 Bewohner wird es geben. Für das Unternehmen Anschutz ist der Mercedes Platz das zweite große Projekt in Berlin, nach dem Bau der Arena, die 2008 eröffnete. Gibt es schon ein drittes Projekt? "Es ist noch nichts spruchreif", sagt Michael Kötter auf diese Frage.

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