Berliner Mieterverein

„Es lohnt nicht, die Wohnung schlechter zu machen“

Isabell Jürgens

Die Deutsche Wohnen versucht, Mieterhöhungen oberhalb der „ortsüblichen Vergleichsmiete“ durchzusetzen. Das sagt der Mieterverein dazu.

Isabell Jürgens sprach darüber mit dem Chef des Berliner Mietervereins, Reiner Wild.

Senat arbeitet bereits am Mietspiegel 2017

Herr Wild, können sich Mieter noch auf den Mietspiegel berufen?

Reiner Wild: Nach unserer Einschätzung und auch der des Senats sowie eines Vermieterverbandes sind bislang alle Berliner Mietspiegel qualifiziert gewesen. Auch die Gerichte haben meiner Kenntnis nach mit Ausnahme von zwei Entscheidungen den Mietspiegel immer akzeptiert. Die meisten Richter benutzen ihn als zulässige Schätzgrundlage. Die Mieterhöhung kann weiterhin anhand des Mietspiegels geprüft werden.

Sollten Mieter sich gegen solche Mieterhöhungsverlangen wehren?

Auf jeden Fall. Kommt ein Mieterhöhungsverlangen, ermittelt man die ortsübliche Vergleichsmiete anhand des Mietspiegels, den man zum Beispiel unter www.berliner-mieterverein.de findet. Ein konkretes Online-Berechnungsportal findet sich auf der Webseite der Senatsverwaltung. Wem das zu kompliziert ist, der sollte eine Beratungsstelle aufsuchen. Übersteigt die geforderte Miete die ortsübliche Vergleichsmiete, braucht man nicht oder nur teilweise der Mieterhöhung zuzustimmen. Aber Vorsicht, es lohnt nicht, die Wohnung schlechter zu machen, als sie wirklich ist. Vor Gericht kann man dann verlieren.

Haben Sie den Eindruck, dass das Vorgehen der Deutschen Wohnen Strategie ist?

Der Eindruck lässt sich wirklich nicht vermeiden. Denn soweit mir bekannt, hat die Deutsche Wohnen bei Streitigkeiten um die Qualifiziertheit des Mietspiegels bislang immer verloren. Gleichwohl droht sie immer weiter mit der Zustimmungsklage und führt sie auch in vielen Fällen durch. Berlins größter Vermieter ist ein Renditejäger.

Streit um Mietspiegel - Deutsche Wohnen verklagt Mieter