Wedding

Kuriere stellen aus Angst vor Gewalt einige Pakete nicht zu

Im Wedding kommt es immer wieder zu Überfällen und Bedrohungen. Einige Kunden müssen sich ihre Sendungen deshalb selbst abholen.

Immer wieder werden Kuriere bedroht und angegriffen

Immer wieder werden Kuriere bedroht und angegriffen

Foto: A3250 Oliver Berg / dpa

Das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür. Millionen Pakete werden in den nächsten Wochen verschickt und empfangen. Und in Berlin gibt es kriminalitätsbelastete Gegenden, in denen Paketzusteller neuerdings auf Nummer sicher gehen und einzelne Kunden nicht mehr beliefern. In Wedding habe es vermehrt Betrugsversuche und auch Übergriffe auf Kurierfahrer gegeben, bestätigte die Post am Mittwoch, weshalb einzelne Kunden ihre Lieferungen ab sofort selbst abholen müssten.

Das sei aber nur in Einzelfällen so und werde auch jeweils einzeln entschieden, betonte Post-Sprecherin Anke Blenn gegenüber der Berliner Morgenpost. Betroffen von dieser drastischen Maßnahme seien nur die Express-Kuriersendungen der Tochtergesellschaft DHL Express, bei der es die Zustellgarantie innerhalb eines Tages und zu einer bestimmten Uhrzeit gebe, falls gewünscht.

Wedding sei nicht die einzige Gegend in Berlin, wo die Post in begründeten Einzelfällen so vorgehe und künftig „genau hingeschaut werden muss“. In welchen Kiezen es solche Probleme noch gebe, wollte die Sprecherin nicht sagen. Aus Sicherheitsgründen und weil sie nicht zu einer Verunsicherung beitragen wolle. Nur so viel: „Wir müssen sicherstellen, dass der richtige Empfänger die Sendung erhält“, so Postsprecherin Anke Blenn weiter. Im Klartext heißt das: Die DHL-Tochter hat beispielsweise damit zu kämpfen, dass teure Waren von Leuten bestellt werden, die unter falschem Namen handeln.

Bei Abholung im Depot ist Betrug schwieriger

In Fällen, bei denen es bereits zu mehreren Betrügereien kam, werde bei der Express-Lieferung jetzt nach Rücksprache mit dem Absender und dem Kurierfahrer die Sicherheitsvariante des Abholens, bei der sich der Empfänger ausweisen müsse, gewählt. Der Kunde muss dann zum DHL Express Depot an der Forckenbeckstraße in Wilmersdorf, von dem aus zentral die Logistik der Express-Auslieferung für Berlin erfolgt. Bei der Abholung im Depot ist ein Betrug schwieriger. Bei Hunderten von Express-Lieferungen am Tag liegt die Betrugsquote laut Post aber im Promillebereich.

Neben diesen Betrugsfällen gebe es auch die potenzielle Gefahr von Übergriffen auf Express-Kurierfahrer. In Wedding habe es sie in bestimmten Bereichen vermehrt gegeben. Bei konkreten Verdachtsfällen, entweder wegen Übergriffen oder Betrugsfällen, werde deshalb überlegt, nicht persönlich zuzustellen, sondern abholen zu lassen. „Das sind jedoch absolute Einzelfälle. Bei fast allen Kunden läuft die Zustellung wie gewohnt, auch im Express-Versand“, betonte die Sprecherin.

Wedding gehört zu den Kriminalitätsschwerpunkten

Wedding-Zentrum gehört unter den Berliner Kiezen seit Jahren zu den Kriminalitätsschwerpunkten. Laut Statistik der Polizei für 2015 wurden hier insgesamt 10.164 Straftaten erfasst. Damit liegt der Wedding, was die absoluten Straftaten betrifft, mit in der Spitzengruppe der Berliner Kieze. Im Jahr 2014 waren es mit 10.667 erfassten Fällen allerdings noch 500 Straftaten mehr. Auch der Soldiner Kiez in Gesundbrunnen gilt als absoluter Kriminalitätsschwerpunkt. Auf 100.000 Einwohner werden in Berlin insgesamt 16.000 Straftaten registriert. Dazu gehören aber nicht nur Gewalt, sondern auch Diebstahl und Betrug.

Statistisch werden Körperverletzungen, Beleidigungen oder Diebstähle zum Nachteil von Kurierfahrern allerdings nicht erfasst. Die Polizei verwies zugleich auf die DHL und die Darstellung, dass es sich um Einzelfälle handle, und wehrte sich gegen die Darstellung, dass es in Berlin Gewalt-Kieze und No-Go-Areas gebe.

Andere Express-Zusteller betonten zudem, dass sie keine Probleme in Berlin hätten. Das Liefer-Unternehmen TNT Express GmbH hat nach eigener Auskunft keine Erfahrungen mit derartigen Vorfällen wie DHL Express gemacht. Der Paketdienst Hermes ist in Berlin auch nicht betroffen. „Wir befahren unverändert alle Stadtteile“, sagte Hermes-Sprecher Martin Frommhold der Morgenpost. Kunden nicht mehr zu beliefern, sei die letzte Möglichkeit und nur das letzte Mittel, wenn man vorher alle Register gezogen habe, wenn etwa ein persönliches Gespräch mit dem Kunden nichts gebracht habe. Aus der Politik kamen am Mittwoch unterdessen kritische Stimmen. „Dieser unglaubliche Zustand ist auch das Resultat einer jahrelangen Politik des Wegschauens durch die Beteiligten, solche Problemgebiete entwickeln sich nicht von heute auf morgen“, sagte etwa Marcel Luthe, innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus.

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