Berlin-Lichtenberg

Geschummelt? Linke-Bürgermeisterkandidatin tritt zurück

Politikerin Evrim Sommer war in zwei Wahlgängen durchgefallen. Sie soll fälschlicherweise den Titel "Bachelor of Arts" geführt haben.

Evrim Sommer (Die Linke)

Evrim Sommer (Die Linke)

Foto: Jörg Carstensen / picture alliance / dpa

Evrim Sommer zieht ihre Bewerbung für das Amt der Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Lichtenberg zurück. Die junge Politikerin war bei zwei Wahlgängen in der Bezirksverordnetenversammlung durchgefallen, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, sie habe sich durch Angaben in ihrem Lebenslauf den akademischen Titel "Bachelor of Arts" angemaßt. Diesen habe sie zu dem Zeitpunkt aber noch gar nicht gehabt.

Recherchen des RBB zufolge soll Sommer in der dritten Auflage des Handbuches des Abgeordnetenhauses im Mai 2015 angegeben haben, einen Bachelor-Abschluss zu haben. Laut Auskunft der Humboldt-Universität hat sie ihren Bachelor-Abschluss aber erst am Mittwoch dieser Woche und damit einen Tag vor der Bürgermeisterwahl verliehen bekommen. Im Handbuch steht: „2005–2007 Studium der Sozialwissenschaften Bachelor of Arts (B.A.) und 2007–2015 Studium Geschichte und Geschlechterstudien (Gender Studies) Bachelor of Arts (B.A.).“

Sommer sieht "parteischädigendes Verhalten" - und beruft sich auf ein Missverständnis

Sommer beruft sich darauf, sie habe lediglich Studiengang und Studienziel abbilden wollen, es handele sich also um ein Missverständnis. Die Politikerin vermutet innerparteiliche Intrigen hinter dem Fall. „Bei meiner Bewerbung um das Amt der Bürgermeisterkandidatin der Linken in Lichtenberg habe ich unterschätzt, dass ein Teil der Partei nicht bereit ist, neue und unkonventionelle Wege im Interesse des Bezirks zu beschreiten“, sagte Sommer. „Das mir von Teilen meiner eigenen Fraktion entgegengebrachte Misstrauen, anonyme Nein-Stimmen aus meiner eigenen Fraktion und das im Übrigen parteischädigende Verhalten von Teilen der Fraktion gegenüber Berliner Medien zeigen mir, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit meiner Fraktion und Teilen meiner Partei nicht mehr möglich ist.“

Gleichzeitig wies sie die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück. „Die Angaben zu meinem Lebenslauf im Handbuch des Abgeordnetenhauses von Berlin waren nach meiner Auffassung zutreffend, wenn auch missverständlich.“ Sie bedauere, dass die Angaben offenbar missverständlich gewesen seien.