Verkehrskonzept

Die Linden sollen zu Berlins größter Fußgängerzone werden

Rot-Rot-Grün will Unter den Linden zur Fußgängerzone machen sowie Radwege und Tramnetz ausbauen. In Berlin soll sich einiges ändern.

Unter den Linden: Seit Jahren schränken Baustellen den Verkehr bereits ein.

Unter den Linden: Seit Jahren schränken Baustellen den Verkehr bereits ein.

Foto: Ricarda Spiegel

Unter den Linden soll zur Fußgängerzone werden. Das haben die künftigen Regierungspartner SPD, Linkspartei und Grüne im Rahmen der Koalitionsverhandlungen beschlossen. Mit der Eröffnung des Humboldt Forums und der Fertigstellung der U5 bis zum Brandenburger Tor erwartet der Senat einen weiteren Anstieg der Besucherzahlen in der historischen Mitte Berlins. Deswegen will die künftige Regierung Unter den Linden zwischen Brandenburger Tor und Humboldt Forum für den motorisierten Individualverkehr sperren.

Kommentar: Der Autoverkehr wird der Verlierer sein

Die Straße soll zur Flaniermeile werden. Durch die seit Jahren vorhandenen Baustellen für den U-Bahn-Neubau sei der Autoverkehr ohnehin schon stark zurückgedrängt worden, heißt es bei den künftigen Koalitionären von SPD, Linkspartei und Grünen. Radfahrer, Busse und Taxis sollen aber weiter Gelegenheit zur Durchfahrt erhalten. Auch die Querung der Straße Unter den Linden soll zum Beispiel an der Ecke Friedrichstraße weiter möglich sein.

Autoverkehr

Bis 2021 soll das Parken innerhalb des S-Bahn-Rings grundsätzlich kostenpflichtig sein. Die flächendeckenden Parkzonen könnten aber auch noch weiter ausgedehnt werden, heißt es. Wenn neue Tiefgaragen oder Parkhäuser gebaut werden, soll das mit einer Reduzierung der Parkfläche auf den Straßen einhergehen. Die Koalition will mit der Brandenburger Landesregierung und dem VBB darüber verhandeln, weniger Pendlerverkehr nach Berlin zu lenken.

Unter den Linden autofrei - So diskutieren die Leser

Die Koalition will in dieser Legislaturperiode den 17. Bauabschnitt der Autobahn 100 weder planen noch vorbereiten. Der 16. Bauabschnitt soll aber bis zum Treptower Park weitergeführt werden. Vor allem die Linken wollten die Arbeiten nur bis zur Sonnenallee erlauben. Die Verkehrslenkung Berlin soll reorganisiert werden, dazu wollen die Koalitionäre das Organisationsgutachten abwarten, das Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) bereits in Auftrag gegeben hat. Die Beschleunigung von Bussen und Straßenbahnen soll zügig vorangetrieben werden.

Straßenbahn

Die Koalition setzt auf den Ausbau des Straßenbahnnetzes. Möglichst in dieser Legislaturperiode sollen Strecken, die bereits geplant werden, auch in Betrieb genommen werden. Das betrifft die Verbindung Hauptbahnhof–U-Bahnhof Turmstraße (Moabit), S-Bahnhof Schöneweide–Wista-Gelände in Adlershof sowie den Ausbau zum S-Bahnhof Mahlsdorf und die Trassenverlegung am Ostkreuz. Rot-Rot-Grün hat aber noch weitere neue Tramlinien im Auge, auch im Westteil der Stadt. Dafür sollen die Planungen „sofort“ eingeleitet werden. Vorgesehen sind unter anderem Straßenbahnlinien vom Alexanderplatz über Kulturforum und Kleistpark bis zum Rathaus Steglitz sowie von der Turmstraße zum Mierendorffplatz in Charlottenburg und vom S-Bahnhof Warschauer Straße in Friedrichshain bis zum Hermannplatz in Neukölln. Weitere Linien sollen geplant werden, damit ein Baubeginn spätestens 2026 ist. 60 Millionen Euro pro Jahr will die Koalition von 2019 an für den Ausbau des Straßenbahnnetzes im Haushalt verankern.

Radverkehr

Für den Ausbau des Radverkehrs will der neue Senat künftig deutlich mehr Geld ausgeben. Im kommenden Doppelhaushalt sind 40 Millionen Euro (2018) und 51 Millionen Euro (2019) vorgesehen. Im kommenden Jahr sollen zusätzlich zehn Millionen Euro ausgegeben werden. Um einen zügigen Ausbau zu ermöglichen, sollen in der Verkehrsverwaltung mindestens zehn Vollzeitkräfte ausschließlich für den Radverkehr zuständig sein, außerdem sollen die Bezirke das nötige Geld für jeweils zwei Ingenieurstellen erhalten. Neue Radwege sollen in der Regel mindestens zwei Meter breit sein, damit das pro­blemlose Überholen auch für Radfahrer möglich ist.

Neu ist auch, dass die Fahrradstaffel der Polizei von derzeit 20 Polizisten auf 100 ausgebaut werden soll. Der aktuelle Senat hatte die Staffel vor zwei Jahren eingeführt. Bei Radwegen, die auf dem Bürgersteig angebracht sind, sollen Sichtbehinderungen an Kreuzungen abgebaut werden, damit Kraftfahrer beim Abbiegen freie Sicht auch auf die Radfahrer haben. Rechtsabbiegende Lastwagen sind eine Hauptursache für tödliche Radunfälle.

U- und S-Bahn

SPD, Grüne und Linke wollen das Großprojekt U5 „zügig fertigstellen“. Bislang ist die Eröffnung für Ende 2020 vorgesehen. Weitere U-Bahn-Bauprojekte hat sich Rot-Rot-Grün nicht vorgenommen, Geld und Personalkapazitäten für die Planung sollen in die Erweiterung des Straßenbahnnetzes fließen. Die Koalition will sich aber für Verbesserungen bei der S-Bahn einsetzen, fordert zum Beispiel tagsüber einen Fünf-Minuten-Takt auf dem Ring. Mittelfristig solle die S-Bahn durch Ausbau und neue Fahrzeuge schneller werden. Von der Bahn fordern die Koalitionäre, den zweiten Bauabschnitt der S21 zum Potsdamer Platz „zeitnah“ anzugehen. Bislang ist nur der Abschnitt vom nördlichen S-Bahn-Ring bis zum Hauptbahnhof im Bau.

Fußverkehr

Für Fußgänger soll vor allem das Überqueren von Straßen erleichtert werden. Dabei will die künftige Koalition einen Schwerpunkt auf die Barrierefreiheit legen. Die Ampeltakte sollen fußgängerfreundlicher geschaltet werden, damit Fußgänger auch breite Straßen mit Mittelstreifen in einem Zug überqueren können. Eine durchgehende LED-Beleuchtung der Bürgersteige soll die Sicherheit erhöhen, die Anzahl an Zebrastreifen, Mittelinseln und vorgezogenen Gehwegen an Kreuzungen erhöht werden.