Nach Festnahme

Terrorverdacht in Berlin - Was wir bisher wissen

Anti-Terror-Einsatz in Berlin-Schöneberg: Ein 27-jähriger Tunesier wurde festgenommen. Das wissen wir bisher über den Fall.

Gut drei Wochen nach der Verhaftung des Syrers Dschaber al-Bakr in Chemnitz haben Berliner Ermittler einen weiteren Terrorverdächtigen gefasst. Beamte des Landeskriminalamtes nahmen den Mann in einer Wohnung in Schöneberg fest. Laut Bundesanwaltschaft wird er verdächtigt, Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu sein. Er soll laut Bundesanwaltschaft zeitnah einen Anschlag in Deutschland geplant haben.

Was ist passiert?

Beamte des Landeskriminalamtes haben in Berlin einen Mann festgenommen, der unter Terrorverdacht steht. Der Tunesier hatte nach Erkenntnissen der Ermittler Kontakt zu einem für Anschläge im Ausland zuständigen Mitglied der Terrororganisation IS in Syrien. Von dort soll er die Erlaubnis erhalten haben, zeitnah einen Anschlag auf Menschen in Deutschland zu planen.

Was weiß man über den Festgenommenen?

Der Terrorverdächtige Ashraf al-T. soll nach Angaben der Behörden die tunesische Staatsangehörigkeit besitzen. Der 27-Jährige gab sich aber als syrischer Flüchtling aus und verwendete verschiedene Alias-Namen. Seine wahre Identität festzustellen, ist deshalb schwierig. Der Festgenommene gibt an, sich seit 2015 in Deutschland aufzuhalten. Er lebte zunächst in der Flüchtlingsunterkunft am Flughafen Tempelhof. Dort soll Ashraf al-T. in Gewalttätigkeiten verwickelt gewesen sein und war deshalb polizeibekannt. Später lebte er auch zeitweise in der Wohnung eines Flüchtlingshelfers.

Wann und wo erfolgte die Festnahme?

Am Mittwochabend, den 2. November, griff die Polizei in Berlin-Schöneberg zu. Der Verdächtige wurde in einer Wohnung in der ersten Etage in einem Hinterhaus an der Kolonnenstraße festgenommen. Beamte sicherten Beweismaterial, gegen 1.30 Uhr war der Einsatz beendet.

Was weiß man über die Wohnung, in der der Mann festgenommen wurde?

In der Wohnung an der Kolonnenstraße soll ein Flüchtlingshelfer wohnen, wie die Hauseigentümerin der Berliner Morgenpost sagte. Dieser habe sich besonders in der Flüchtlingsunterkunft auf dem Tempelhofer Feld ehrenamtlich engagiert. Der Mann habe immer wieder Flüchtlinge kurzzeitig bei sich aufgenommen. Er wurde ebenfalls vorübergehend festgenommen, dann aber wieder frei gelasen.

Ist der Terrorverdächtige ein Flüchtling?

Ashraf al-T. war dem Berliner Landesamt für Flüchtlinge bis zu seiner Festnahme nicht bekannt. „Der Mann ist bei uns nicht als Flüchtling registriert“, sagte der Sprecher des Landesamts, Sascha Langenbach, auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Der Festgenommene habe keine Leistungen als Asylbewerber bezogen.

Gibt es Komplizen?

Nach Angaben der Sicherheitsbehörden soll es sich um einen Einzeltäter handeln, der keine Verbindung zur Islamisten-Szene in Deutschland hat.

Was wurde in der Wohnung gefunden?

Die Polizei hat in der Wohnung Beweismaterial gesichert. Die Beamten nahmen elektrische Geräte mit. Was genau gefunden wurde, ist noch nicht bekannt. Sprengstoff soll nicht dabei gewesen sein.

Wie kam die Polizei dem Mann auf die Spur?

Der Hinweis zu dem Terrorverdächtigen soll vom US-Nachrichtendienst gekommen sein. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, dass der Verdächtige schon länger vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet worden sei. Erste, aber nicht konkrete Hinweise auf den Mann habe es bereits Mitte Oktober gegeben. Dann hätten sich die Informationen weiter verdichtet. Der Hinweis auf eine bevorstehende Umsetzung der Anschlagspläne habe dann den Polizeieinsatz ausgelöst.

Was plante Ashraf al-T.?

Angeblich plante der Terrorverdächtige einen Messerangriff. Die "Freigabe" für das Attenat vom IS in Syrien soll er bereits gehabt haben.

Was passiert jetzt?

Die Bundesstaatsanwaltschaft hat Haftbefehl gegen Ashraf al-T. beantragt. Sie wirft ihm vor, Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu sein. Der Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat dem aber nicht zugestimmt. Es wurde aber ein Haftbefehl wegen Urkundenfälschung erlassen - Al-T. hatte einen gefälschten Pass benutzt. Der 27-Jährige sitzt nach der Vorführung in Karlsruhe wieder in Berlin in Untersuchungshaft.

Wird al-T. besonders bewacht?

Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat der Terrorverdächtige versucht, in seiner Zelle Selbstmord zu begehen, in dem er mit dem Kopf heftig gegen die Wand schlug. Das konnte verhindert werden. Zu seinem eigen Schutz soll der Mann nun einen Helm und Fesseln tragen.

Steht die Festnahme im Zusammenhang mit dem Fall al-Bakr?

Bisher gehen die Sicherheistbehörden nicht davon aus, dass der Fall in Zusammenhang mit dem Terrorverdächtigen al-Bakr steht.

Um was ging es bei al-Bakr?

Dschaber al-Bakr hatte den Sicherheitsbehörden zufolge einen Anschlag auf den Flughafen Tegel vorbereitet und diesen auch bereits ausgespäht. Der Syrer hatte sich nach seiner Festnahme in Chemnitz in seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt Leipzig erhängt.

Welche Polizeieinsätze gab es bereits in Berlin?

Chronologie: Polizeieinsätze gegen Islamisten in Berlin

Terrorverdächtiger auf dem Weg nach Karlsruhe

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