Prozess

Terrorverdächtiger soll Ziele in Berlin ausgespäht haben

Ein 19-Jähriger steht in Berlin vor Gericht. Er soll für den IS aktiv gewesen sein und Terrorziele in Berlin ausgekundschaftet haben.


Kämpfer des Islamischen Staats

Kämpfer des Islamischen Staats

Foto: DW/BM

Die Bundesanwaltschaft hat beim Berliner Kammergericht Anklage gegen den 19-jährigen Shaas al-M. erhoben. Der Syrer soll in Berlin mehrfach mögliche Ziele für Anschläge ausgekundschaftet haben, sagte ein Sprecher der Karlsruher Behörde. Wie weiter mitgeteilt wurde, soll ein Imam den jungen Mann spätestens Mitte 2013 in dessen Heimatdorf in Syrien für den IS angeworben haben. Bei der Miliz sei er religiös und militärisch ausgebildet worden.

"Islamischer Staat" droht mit Anschlag in der Hauptstadt

Dann habe er bei der Belagerung eines Flughafens etwa ein halbes Jahr lang regelmäßig mit einer Kalaschnikow Wache gestanden. Auch an der Einkesselung der Großstadt Deir ez-Zor im Osten Syriens soll er über mehrere Monate beteiligt gewesen sein. Dort habe er auch das Camp der IS-Kämpfer als Fahrer mit Lebensmitteln versorgt. Im Sommer 2015 reiste al-M. nach Deutschland ein, hier setzte er seine Tätigkeit für den IS fort.

Nach monatelanger Observation wurde er festgenommen

Bei seinen häufigen Aufenthalten in Berlin soll er nicht nur potentielle Anschlagziele ausgekundschaftet, sondern auch Kämpfer für den IS angeworben haben. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft ist zumindest eine Person bekannt, die nach ihrer Rekrutierung durch den 19-Jährigen nach Syrien reiste.

Er stellte sich den Ermittlungen zufolge darüber hinaus selbst als Kontaktmann für Attentäter in Deutschland zur Verfügung und signalisierte gegenüber der IS-Führung in Syrien seine grundsätzliche Bereitschaft zur Begehung eines Anschlags in Deutschland. Der Angeschuldigte war nach monatelangen Observationen am 22. März 2016 festgenommen worden und befindet sich seither in Untersuchungshaft.

Terrorverdächtiger al-Bakr auf Tegel-Videos identifiziert

In jüngster Zeit hatte sich mehrfach gezeigt, dass die Islamisten des IS auch Deutschland im Visier haben. Zuletzt hatte der Fall des Syrers Dschaber al-Bakr für Aufsehen gesorgt, der sich schon Sprengstoff besorgt hatte, um den Ermittlern zufolge einen Berliner Flughafen anzugreifen. Al-Bakr erhängte sich kurz nach dem Zugriff in seiner Zelle. Im Juni flog eine mutmaßliche IS-Terrorzelle auf, die ein Blutbad in der Düsseldorfer Altstadt geplant haben soll. In Schleswig-Holstein gab es im September drei Festnahmen.

In Ansbach sprengte sich im Juli ein Syrer auf einem Platz vor einem Musikfestival in die Luft und verletzte 15 Menschen. Knapp eine Woche zuvor war ein 17-Jähriger aus Afghanistan bei Würzburg mit Axt und Messer in einer Regionalbahn auf Fahrgäste losgegangen. (mit dpa)