Einsatz in Schöneberg

Polizei verhindert Suizid von mutmaßlichem IS-Terroristen

Ashraf al-T. wohnte als Untermieter bei einem Flüchtlingshelfer in Schöneberg. Nach seiner Festnahme versuchte er, Suizid zu begehen.

Was wir bisher über den Terrorverdächtigen wissen

In Berlin ist ein Terrorverdächtiger festgenommen worden. Offenbar bestand eine konkrete Anschlagsgefahr.

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Der am Mittwochabend in Schöneberg unter Terrorverdacht festgenommene Ashraf al-T. war dem Berliner Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten bis zu seiner Festnahme unter diesem Namen nicht bekannt. Wie die Berliner Morgenpost aus Sicherheitskreisen erfuhr, hatte der 27-Jährige im Oktober 2015 unter einem falschen Namen Aysl als angeblicher syrischer Kriegsflüchtling beantragt.

Der Festgenommene habe dann in einer Flüchtlingsunterkunft auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof gelebt. Im März dieses Jahres soll er dort in eine Schlägerei verwickelt gewesen sein. Offenbar lernte er in der Unterkunft auch den Berliner kennen, in dessen Wohnung er bei seiner Festnahme wohnte. Der Hauptmieter der Wohnung wurde ebenfalls festgenommen, am Donnerstag aber wieder auf freien Fuß gesetzt.

Beamte des Landeskriminalamts (LKA) hatten den 27-jährigen Tunesier am Mittwoch gegen 20.30 Uhr nach längerer Observation in einer Wohnung im Hinterhaus an der Kolonnenstraße festgenommen. Die Einsatzkräfte sicherten bis 1.30 Uhr Beweismaterial. Wie aus Sicherheitskreisen bekannt wurde, sei allerdings kein Sprengstoff gefunden worden.

Verdächtiger führte mehrere Alias-Namen

Laut Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wird Ashraf al-T. verdächtigt, Mitglied der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zu sein. Sie beantragte gegen den 27-Jährigen einen Haftbefehl. Er habe Kontakt zu einem IS-Mitglied in Syrien gehabt, das für Operationen im Ausland zuständig sein soll. Von ihm habe er die Erlaubnis erhalten, zeitnah einen Anschlag auf Menschen in Deutschland zu planen. Nach Informationen von „Focus“ war ein Messerattentat in Berlin beabsichtigt - für kommenden Montag. Der US-Geheimdienst habe ein Gespräch des 27-Jährigen mit seinem IS-Kommandanten abgehört und das Bundesamt für Verfassungsschutz informiert.

Terrorverdächtiger festgenommen - Was wir bisher wissen

Wie der Berliner Morgenpost bestätigt wurde, versuchte Ashraf al-T. sich im Polizeigewahrsam selbst umzubringen, indem er seinen Kopf gegen die Wand schlug. Die Beamten konnten den Suizidversuch aber verhindern. Laut „Focus“ hätten ihm Beamte einen Schutzhelm aufgesetzt und gefesselt.

Bei den Sicherheitsbehörden heißt es, dass Ashraf al-T. mehrere Alias-Namen führte. Die Festnahme stehe nicht im Zusammenhang mit der vor wenigen Wochen erfolgten Festnahme des Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr in Leipzig. „Der Mann wurde schon länger vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Donnerstag am Rande eines Kongresses zur Arbeit der Geheimdienste in Berlin. „Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, diesen Verdächtigen festnehmen zu lassen.“ Die Behörden würden alles tun, „damit es in Deutschland nicht zu einem Anschlag kommt.“

Laut Berliner Verfassungsschutz handelt es sich offenbar um einen Einzeltäter. Der Zugriff am Mittwochabend sei nötig gewesen, da Gefahr im Verzug gewesen sei. Der ursprüngliche Hinweis sei von einem befreundeten Geheimdienst gekommen.

Neben dem Hauptverdächtigen wurde auch der deutsche Hauptmieter der Wohnung vorläufig festgenommen. Das sagte die Eigentümerin des Hauses an der Kolonnenstraße der Berliner Morgenpost am Donnerstagvormittag. Er sei ein ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer, der sich besonders in der Flüchtlingsunterkunft auf dem Tempelhofer Feld engagiert habe. Der Mann habe immer wieder Flüchtlinge kurzzeitig bei sich aufgenommen.

Chronologie: Polizeieinsätze gegen Islamisten in Berlin

Die Vermieterin zeigte sich von der Festnahme schockiert. „Da sieht man, wie schnell es einen treffen kann“, sagte sie. „Der hat sich mit Sicherheit nichts zuschulden kommen lassen.“ Die Polizisten hätten sich am Mittwochabend ganz leise im Innenhof des Hauses und auf der Straße aufgebaut, mindestens 20 Polizeibusse habe sie gesehen. Eine Anwohnerin, die an der Kolonnenstraße einen Friseurladen betreibt, sagte, dass bereits am Nachmittag Polizei vor Ort präsent war. „Auffälliges habe ich in den letzten Wochen oder Monaten aber nicht bemerkt.“