Bericht

Unbekannte sollen 37 Berliner Politiker betrogen haben

Mehrere Abgeordnete haben offenbar Inkasso-Mahnungen mit satten Rechnungen für Ware bekommen, die sie nie geordert haben.

Berliner Abgeordnete sollen Mahnschreiben von Inkasso-Unternehmen bekommen haben - für Ware, die sie nie bestellt haben. Darüber berichtet die "BZ". Offenbar sind 37 Berliner Politiker einem oder mehreren Internet-Betrügern zum Opfer gefallen.

Dem Bericht zufolge sollen die Abgeordneten - 19 von der SPD, zwölf von der CDU, fünf Grüne und einer von der Linken - Briefe mit hohen Rechnungen per Post erhalten haben. Das Inkasso-Unternehmen habe die Betroffenen angemahnt, die Kosten für die im Netz bestellte Ware zu bezahlen. Doch die Politiker sind sich sicher, die Sachen haben sie nie bestellt.

Verbraucher: Was mache ich mit den unbestellten Paketen?

Die Zeitung zitiert den ehemaligen Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke), er habe eine Rechnung in Höhe von 498 Euro inklusive Zinsen, Mahnkosten und Inkassovergütung bekommen. Ihm werde vorgeworfen, im Februar ein iPad bestellt zu haben. Geliefert worden sei die Ware an eine Adresse an der Stuttgarter Straße in Neukölln. Diese Adresse sei dem Ex-Senator nicht bekannt, er wohnt wo anders.

Eine Rechnung im Gesamtwert von 236,32 Euro forderte das Inkasso-Büro dem Bericht zufolge von Anja Schillhaneck (Grüne). Sie soll im Netz ein paar Schuhe bestellt haben. Im Interview mit dem Blatt gibt die Abgeordnete aber an, sie sei zuerst verunsichert gewesen. "Ist mir da was durchgerutscht?", fragte sich Schillhaneck. Dann aber fiel ihr auf, dass die Schuhe in Größe 43 bestellt worden waren. Es sei nicht ihre Schuhgröße. Sie meldete den Vorfall der Polizei.

"Es scheint sich um einen Fall von Datenklau zu handeln"

Gleich mehrere Verfahren liefen gegen den Abgeordneten Karlheinz Nolte. Drei Paar schwarze Schuhe, eine Winterjacke und eine Quarzuhr soll der SPD-Politiker bestellt haben. Abgeliefert wurde die Ware nach Angabe der Zeitung in einem sieben Kilometer von dem Wohnort des Abgeordneten entfernten unsanierten Mietshaus an der Sonnenallee, ebenfalls in Neukölln.

Inzwischen habe der Justiziar der SPD-Fraktion, Torsten Schneider, für die Betroffenen einen Musterbrief entwickelt. Dem Bericht zufolge sagt er, dass manche Abgeordneten mit bis zu zehn Verfahren belastet seien. "Es scheint sich um einen Fall von Datenklau zu handeln, damit Dritte bestellen können", sagt Dorothea Kesberger von der Berliner Verbraucherzentrale der Zeitung.

Forderung prüfen: Vorsicht Inkasso-Schreiben

Namen und Geburtsdaten der Abgeordneten stehen alle im Internet. Anders ist es bei Privatadressen: Seit einem Jahr besteht keine Pflicht mehr, diese vor der Wahl im Amtsblatt anzugeben.

Wo die Ware tatsächlich abgeblieben ist, ist offenbar ein Rätsel. Weiterhin heißt es, die Staatsanwaltschaft habe Ermittlungen wegen des Verdachts von Warenkreditbetrugs übernommen.