Treptow-Köpenick

Gedenktafel für Mauertote in Treptow enthüllt

Auf dem Friedhof Baumschulenweg wurde am Freitag eine Gedenktafel für heimlich eingeäscherte Opfer der Stasi eingeweiht.

Die Gedenktafel auf dem Friedhof Baumschulenweg.

Die Gedenktafel auf dem Friedhof Baumschulenweg.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Baumschulenweg. Berlin hat ein neues Zeichen der Erinnerung an die Mauertoten. Auf dem Friedhof Baumschulenweg wurde am Freitag eine Gedenktafel für heimlich eingeäscherte Opfer der Öffentlichkeit übergeben. Auch der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, war gekommen. Die Todesfälle wurden laut Jahn von der DDR-Staatssicherheit zumeist vertuscht. Angehörige seien belogen, Totenscheine und Sterbeurkunden gefälscht worden. Die DDR-Führung habe jegliches Aufsehen zum tödlichen Grenzregime vermeiden wollen.

Im alten Krematorium des Friedhofs wurden Leichen der Opfer verbrannt. Oft wurde ihre Asche ohne Grabstein oder Namensplakette auf dem Friedhof anonym beigesetzt. Dieser Ort konnte nun zum 55. Jahrestag des Mauerbaus aus dem Vergessen geholt werden. Die Initiative geht auf den Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel (SPD), zurück.

Nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen starben an der Berliner Mauer 138 Menschen durch das DDR-Grenzregime. Indes steht die Zahl der Opfer an der innerdeutschen Grenze noch nicht fest. Die Recherchen an verschiedenen Orten seien aufwendiger als zunächst gedacht, sagte Jochen Staadt vom Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin der Deutschen Presse-Agentur.

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Bislang seien 1492 Verdachtsfälle an der einstigen, knapp 1400 Kilometer langen innerdeutschen Grenze überprüft worden, so der Wissenschaftler. Die Forschungen seien verlängert worden. Im Frühjahr 2017 soll ein Totenbuch veröffentlicht werden. Das Projekt wird von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und sowie Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hessen finanziert.

Vor 25 Jahren wurde aus zwei Deutschland eines

Vor 55 Jahren hatte die SED-Führung unter Walter Ulbricht am 13. August 1961 mit dem Bau des Bollwerks begonnen. Die rund 155 Kilometer lange Mauer zerschnitt Berlin mehr als 28 Jahre lang. Die Teilung endete erst mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989. Bundesratspräsident Stanislaw Tillich (CDU) mahnte, die Erinnerung wachzuhalten und neuen Formen von Ausgrenzung und Trennung im Kleinen wie im Großen entschlossen entgegenzutreten. Die Mauer habe für Teilung, Leid und Abschottung gestanden, hieß es in einer Mitteilung.

Die Botschaft von dem historischen Datum heiße: „Demokratie ist stärker als das Unrecht, aber sie muss auch stets aufs Neue verteidigt werden“, erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) anlässlich des Gedenktages. CDU-Landeschef Frank Henkel betonte, es bleibt „unser aller Aufgabe, Verherrlichung, Geschichtsklitterung und Verhöhnung der Opfer entschieden entgegenzutreten.“

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Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft sowie die Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen wollten am Samstag mit einer Kundgebung am Brandenburger Tor ihrer Forderung Nachdruck verleihen, dass über die SED-Diktatur in Schulen ausführlich gesprochen werden sollte. „Die Verharmlosung der DDR muss ein Ende haben“, hieß es in einer Mitteilung am Freitag.

Gedenkstätten-Direktor Hubertus Knabe verurteilte eine geplante Aktion von DDR-Befürwortern am Jahrestag des Mauerbaus am Brandenburger Tor. Es sei zynisch, dort die tödliche DDR-Grenze zu rechtfertigen, erklärte der Historiker. Das Brandenburger Tor sei viele Jahre das Symbol der deutschen Teilung gewesen.