Industriekultur

Wie Berlin Industriebauten zu Kulturstätten machen will

Der Senat lässt die Industriestätten der Stadt systematisch erfassen. Diese sollen Ziele für die Touristen aus aller Welt werden.

Auch das Berghain ist Teil der Industriekultur

Auch das Berghain ist Teil der Industriekultur

Foto: imago stock&people / imago/Schöning

Die Hochphase des Industriezeitalters Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts hat in Berlin eindrucksvolle Bauwerke hinterlassen. Ob stählerne Hochbahnviadukte oder Gasometer, Glühlampenfabriken, Brauereien oder Heizkraftwerke – die Vielfalt des industriellen Erbes der Stadt ist beeindruckend. Um so verwunderlicher ist es, dass ein touristisches Informationssystem, das Besucher gezielt auf dieses einmalige Erbe hinweist und Möglichkeiten der Besichtigung eröffnet, bislang fehlt. Um diese Lücke zu schließen, hat der Senat auf seiner Sitzung am Dienstag die "Stärkung der Potenziale der Industriekultur in Berlin" beschlossen.

Das Berliner Zentrum Industriekultur (BZI), eine wissenschaftliche Einrichtung der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin, wird dazu künftig mit 140.000 Euro im Jahr gefördert. Dafür soll das BZI Standorte in allen Bezirken – egal ob aktuell leer stehend oder in Betrieb – systematisch erfassen und mit den Nutzern oder Eigentümern Kontakt aufnehmen. Dabei sollen die Perspektiven einer kulturellen oder touristischen Nutzung aufgezeigt werden.

Erhalt der Denkmale durch neue Nutzungen

"Andere Städte haben Kathedralen. Wir haben herausragende Beispiele der industriellen Entwicklung", sagte Baustaatssekretär Engelbert Lütke Daldrup (SPD) in Vertretung des Stadtentwicklungssenators Andreas Geisel (SPD), auf dessen Vorlage der Senat das Konzept beschlossen hat. Um für den Erhalt der Industriedenkmale im Stadtbild zu sorgen, müssten alle Akteure der Stadt eng zusammenarbeiten. Zwar gäbe es bereits nahezu weltweit bekannte industrielle Ikonen, die in keinem Berlin-Reiseführer fehlten. Als Beispiele nannte der Staatssekretär etwa den Techno-Klub Berghain, der in einem ehemaligen Heizkraftwerk in Friedrichshain beheimatet ist. Oder auch die für Kulturveranstaltungen genutzten Uferhallen in Wedding, die die ehemalige Zentralwerkstatt der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zu neuem Leben erweckt haben. Doch nicht jeder Berliner oder Tourist kenne sich in der Klub- und Kreativszene der Stadt aus, so Lütke Daldrup. Zudem gebe es auch zahlreiche Standorte, die bislang noch gar nicht im Fokus potenzieller Nachnutzer seien.

Nachholbedarf in Sachen Indus-triekultur hat Berlin auch auf europäischer Ebene. Beim Internetauftritt der "European Route of Industrial Heritage" (ERIH), der europäischen Route der Industriekultur, klafft ausgerechnet bei Berlin noch eine empfindliche Lücke. Zwar ist Berlin dort mit acht einzelnen Industriedenkmälern vertreten. Auf den 19 dort versammelten "regionalen Routen" findet sich für Berlin jedoch noch der Eintrag: "Die Route der Industriekultur Berlin befindet sich im Aufbau. Sie verbindet Orte, die exemplarisch für die Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Stadt stehen."

"Mit den jetzt bewilligten Mitteln werden wir diese Lücke schnell schließen", verspricht Dagmar Tille, Leiterin der Obersten Denkmalschutzbehörde Berlin und BZI-Netzwerkerin.

Erste Informationen zu dem Projekt gibt es im Internet zu sehen.

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