Direkt vom Smartphone

Ordnungsamt-App lässt Zahl der Hinweise steigen

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Sabine Flatau
Typische Meldungen betreffen zum Beispiel Falschparker

Typische Meldungen betreffen zum Beispiel Falschparker

Foto: dpa Picture-Alliance / Robert Schlesinger / picture alliance / Robert Schles

Seit Einführung der Ordnungsamt-App bekommen viele Bezirke mehr Hinweise auf Müll, Lärmbelästigungen und falsch geparkte Autos.

Seit dem 1. Juli ist die App „Ordnungsamt-Online“ in Betrieb. Wer sich über einen Müllhaufen vor dem Haus, über Lärm vom Nachbarn oder eine kaputte Straßenlaterne ärgert, kann das vom Smartphone aus dem Amt mitteilen. Mit Foto. Und offenbar mit Erfolg. Einige Bezirke haben festgestellt, dass durch den neuen Service mehr Internethinweise beim Ordnungsamt eingegangen sind. „Die App ist eine mobile Version der Internetplattform, an der sich Pankow seit Februar 2016 beteiligt“, sagt Pankows Stadtrat Torsten Kühne (CDU). Seither habe der Bezirk knapp 6000 Meldungen über dieses System bekommen. „Mit der neuen App hat es jetzt noch mehr Meldungen gegeben.“ Sonst seien es 30 bis 40 pro Tag gewesen, seit dem 1. Juli etwa 40 bis 60.

In Charlottenburg hat sich die Zahl der Hinweise verdoppelt

Welche der Onlinemeldungen, die das Ordnungsamt erhält, vom häuslichen PC und wie viele mit der App vom Smartphone geschickt werden, „das können wir nicht unterscheiden“, so Kühne. Die Hinweise laufen im gleichen Kanal ein. „Aber wir sehen, dass sich die Zahl der Meldungen erhöht hat.“ In Charlottenburg-Wilmersdorf habe sich die Menge der eingehenden Hinweise seit dem 1. Juli verdoppelt, teilte Stadtrat Marc Schulte (SPD) mit. Es seien rund 80 zusätzliche Meldungen durch die neue App gekommen. „Müll ist ein Schwerpunkt“, so der Stadtrat.

Auch in Reinickendorf ist ein Anstieg zu verzeichnen. In der ersten Juliwoche seien 238 neue Onlinemeldungen beim Ordnungsamt eingegangen, sagte Stadtrat Martin Lambert (CDU). „Das ist ein Anstieg von 60 Prozent gegenüber den ersten Wochen der vergangenen Monate.“ Die App sei eine komfortable Möglichkeit für Bürger, dem Amt Hinweise zu senden. Jedoch könne hin und wieder die Beseitigung der Mängel auch etwas länger dauern.

„Wahrscheinlich wollten viele die App erstmal ausprobieren“, meint der Pankower Stadtrat Kühne. „Man muss sehen, ob es auf diesem Niveau bleibt.“ Mit der App sei die Kommunikation mit dem Ordnungsamt einfacher. „Man muss sich nicht zu Hause hinsetzen, um die Daten am Computer einzugeben, sondern kann von unterwegs, mit einem Foto, Hinweise über Störungen auf öffentlichen Straßen und Plätzen geben.“ Dennoch bekommt das Pankower Ordnungsamt auch noch viele Meldungen über klassische Kanäle wie Telefon oder E-Mail. „Das hat sich durch die neue App bislang nicht in Größenordnungen verändert“, so Kühne.

Auch für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes sei die Arbeit durch die Onlineplattform und die neue App leichter. „Wenn früher Meldungen telefonisch gemacht wurden, mussten die Kollegen das Gehörte in die Beschwerdedatenbank eingeben. Etwa eine illegale Müllablagerung“, so der Stadtrat. „Dann mussten die Meldungen ausgedruckt und per Fax an die BSR geschickt werden. Das war alles andere als effektiv.“

Der Bürger bekommt eine Rückmeldung, wenn der Müll entfernt wurde

Mit dem neuen System komme der Hinweis vom Bürger schon in digitaler Form. „Die Kollegen gucken den Hinweis an und können ihn mit einem Klick an die BSR weiterleiten. Die hat das automatisch in ihrem System, und der Bürger bekommt automatisch eine Rückmeldung, wenn die Meldung eingegangen ist, und wenn der Müllhaufen abgeholt wurde.“

Außerdem, so Kühne, nutzen auch BSR-Mitarbeiter die App, wenn sie bei ihrer Fahrt durch die Straßen auf illegalen Müll stoßen. „Bevor er entsorgt wird, muss erst eine Meldung ans Amt gehen, weil es sich um eine Ordnungswidrigkeit handelt. Damit wir die Chance haben, den Verursacher zu ermitteln. Auch wenn das meist unmöglich ist.“ Es kommt auch vor, dass dem Pankower Ordnungsamt über die App falsch parkende Autos gemeldet werden. „Das ist unzweckmäßig“, sagt Stadtrat Kühne.

Auch wenn ein Foto mitgeschickt wird, gehe diese Meldung nicht sofort an die Bußgeldstelle weiter, sondern müsse aus rechtlichen Gründen zunächst vom Ordnungsamt bearbeitet werden. „Aber wenn eine Einfahrt zugeparkt wird, ist sofortiges Eingreifen nötig. Dann sollte man anrufen.“

In Lichtenberg rufen die Bürger meist direkt im Amt an

In Tempelhof-Schöneberg habe die App noch nicht zu wesentlich mehr Onlinehinweisen geführt, sagte Stadtrat Oliver Schworck (SPD). Am Wochenende nach der Einführung der App seien 71 Meldungen eingegangen, am Wochenende davor 62. Hauptthemen: Illegaler Müll, Gaststättenlärm und neu aufgestellte Verkehrszeichen.

Von Jahresbeginn bis 8. Juli sind im Ordnungsamt Lichtenberg fast 900 Hinweise über die Internetplattform eingegangen, etwa 150 im Monat. „Wir schätzen, dass in der ersten Juliwoche nur ein minimaler Anteil über die App gekommen ist“, sagte Dirk Fleischer, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes. Meist rufen die Lichtenberger das Amt an, um auf Missstände hinzuweisen. 4300 telefonische Mitteilungen gingen seit Jahresbeginn ein und etwa 600 E-Mails.

Mehr Infos zur App der Ordnungsämter in Berlin findet man unter http://service.berlin.de/app