Wandbild in Tegel

Widerstand gegen Horror-Kunst am Hochhaus formiert sich

Bislang haben sich mehrere Hundert Gegner des Fassadenkunstwerks in Tegel zu Wort gemeldet. Sie beklagen "depressive Stimmung".

Das Kunstwerk des spanischen Streetart-Künstlers Borondo vom Projekt "Urban Nation"

Das Kunstwerk des spanischen Streetart-Künstlers Borondo vom Projekt "Urban Nation"

Foto: dpa

Berlin-Tegel. Gegner des umstrittenen Fassadenkunstwerks des spanischen Künstlers Borondo in Berlin-Tegel haben eigenen Angaben zufolge bereits etwa 350 Unterschriften gesammelt. „Wir wollen, dass die Gewobag sich bewegt und mit den Anwohnern eine gemeinsame Lösung findet“, sagte Felix Schönebeck von der Kiez-Initiative „I love Tegel“ der Deutschen Presse-Agentur. Das Wohnungsunternehmen hatte das Bild in Auftrag gegeben. Der Künstler Borondo verteidigt sein Werk auf Facebook. „Ich mache Kunst und keine Dekoration“, schreibt er.

Die Initiative fordert laut Schönebeck eine Anwohnerumfrage, um ein realistisches Stimmungsbild zu bekommen. „Bislang kamen nur die Gegner zu Wort. Es könnte aber sein, dass 60 Prozent der Menschen vor Ort das Bild gefällt“, so Schönebeck. „Auch diejenigen, die im Hintergrund still sind, sollen Gehör finden“, ergänzt der Jura-Student.

Das 42 Meter hohe Bild zeigt ein kleines Mädchen, das durch ein Loch in einer Mauer schaut. Es sieht einen an einen Baum gebundenen Mann, der von Pfeilen getroffen ist. Borondo bezieht sich eigenen Angaben zufolge auf den Heiligen Sebastian, den dieses Schicksal ereilte, es aber überlebte. „Die Mauer steht für das heutige Europa, das unsere Kinder vor dem fernhält, was in Ländern passiert, die gar nicht weit entfernt sind“, schreibt der Künstler. Sein Aufruf lautet: „Lasst uns offen sein. Hören wir auf, uns das Drama von der sicheren Seite anzuschauen. Willkommen Flüchtlinge.“

Kultur statt Fernsehbildschirme

„Die Mieter vor Ort sprechen von „depressiver Stimmung“ und „negativem Einfluss““, berichtete Schönebeck - unter anderem, weil das Mädchen blutüberströmt sei und in seiner eigenen Blutlache stehe. Diese Art von Kunst habe nach Auffassung der meisten Bewohner dort nichts zu suchen. Nur wenige Meter entfernt befinde sich eine Kita. Nebenan entstehe gerade eine Flüchtlingsunterkunft für Menschen, die zum Teil aus Angst vor dem Krieg geflohen seien.

Borondo sagt unterdessen, er nutze für seine Wandmalereien Farben der Natur und der Umgebung. „Die Farben leuchten nicht, weil ich nicht aufdringlich sein will.“ Wenn er die Leute fragen würde, was sie gern an einem Gebäude sehen wollten, kämen möglicherweise Antworten wie „ein Regenbogen“, „Katzen“, „ein Sonnenuntergang“ oder „Blumen“. „Aber auf diese Art und Weise wären die Fassaden eher wie Fernsehbildschirme, aber keine Kultur“, so der Künstler.

Das Werk ist Teil des Kunstprojektes „Artpark Tegel“. Geplant sind insgesamt sieben Werke von Straßenkünstlern des Projekts „Urban Nation“. Fünf von sieben Werken sind laut Gewobag-Sprecher Volker Hartig bereits umgesetzt. Das Unternehmen rechne mit dem Abschluss aller Arbeiten im Herbst. Dann soll es voraussichtlich eine Veranstaltung mit den Bewohnern geben.