EM 2016

Wie ein Autokorso in Berlin wirklich funktioniert

Das Feiern in Kolonne ist mittlerweile schon fast eine Tradition. So kommen Sie sicher durch die motorlastige Party.

Deutschland-Fans beim Feiern am Kudamm

Deutschland-Fans beim Feiern am Kudamm

Foto: Reto Klar

Autokorso in der City West, das gehört einfach dazu, wenn die Fußball Europa- und Weltmeisterschaften stattfinden. In den vergangenen Jahren hat es sich immer mehr etabliert, die Siege am Kudamm ausgiebig zu feiern, ob deutsch, polnisch oder italienisch. Autos werden mit bunten Fähnchen geschmückt, Flaggen über die Motorhaube gespannt oder durch die Luft geschwenkt und die Hupe kräftig gedrückt.

Was manchmal vergessen wird, auch in Feierlaune und bei Schrittgeschwindigkeit gelten die Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung. Während sich die Berliner Polizei bei Autoschmuck und Huperei als tolerant bezeichnet, endet dies bei Feiernden, die sich aus dem Fenster lehnen oder die Füße aus dem Kofferraum baumeln lassen. Die neun wichtigsten Regeln für einen sicheren Autokorso:

Autokorso Eigentlich müsste ein Autokorso als Verbandsfahrt durch die Straßenverkehrsbehörde genehmigt werden, da unnötiges Hin- und Herfahren innerhalb der geschlossenen Ortschaft nicht gestattet ist. Den Autofahrern könnte theoretisch ein Verwarnungsgeld drohen. Die Berliner Polizei zeigt jedoch Verständnis dafür, dass die Erfolge der Mannschaften in der Kolonne gefeiert werden, solange es nicht in ein wildes Straßenrennen ausartet.

Ampeln und Verkehrszeichen Ob Straßenfest, Umzug oder Autokorso: Ampeln und Verkehrszeichen gelten weiterhin, auch wenn dabei der Anschluss zum Vorfahrer verloren geht. Für das Ignorieren von Stopp-, Vorfahrtsschildern oder roten Ampeln droht dementsprechend Ärger.


Verantwortung Auch wenn alle Insassen des Autos älter als 18 Jahre und damit volljährig sind, ist der Fahrer für seine Mitfahrer verantwortlich. Passiert den Mitfahrern also etwas, weil sie mit ihren Hintern gerne den Boden küssen wollten, während sie die Landesfahne schwenken, haftet der Fahrer.


Hupen Völlig legal darf ordentlich mit Vuvuzelas, Pfeifen und Tröten gelärmt werden, solange sich die Anwohner nicht beschweren. Allerdings könnten Hörschäden bei einer Überschreitung von 130 Dezibel auftreten. Dem Fahrer ordentlich ins Ohr zu tröten, ist also keine gute Idee. Dieser darf dafür ausnahmsweise mal kräftig auf die Hupe drücken, kann er sonst an der Feierei ja nur gemäßigt teilnehmen. Zwar ist das Hupen in Deutschland nur als Warnung beim Überholen und der Gefährdung von Personen erlaubt, doch wertet die Polizei dieses als Freudenbekundung und macht eine Ausnahme.

Anschnallpflicht Wie schön fühlt es sich an, sich aus dem Fenster zu lehnen und die Haare im Winde wehen zu lassen. Noch besser ist es, bei der gemeinsamen Cabriofahrt die Füße auf der Rücksitzbank zu platzieren, den Hintern auf die Kopfstütze und die Arme in die Luft zu strecken. So verlockend dies klingen und sich vielleicht auch anfühlen mag, es ist nicht erlaubt. Gleiches gilt auch für berauschende Gruppenfahrten im Kofferraum, dem Platznehmen im offenen Fenster, auf dem Dach oder der Motorhaube. Denn auch beim Autokorso gilt die Anschnallpflicht – ob Schritt- oder Trabgeschwindigkeit. Lediglich beim Rückwärtsfahren und auf dem Parkplatz sind die Insassen von dieser Pflicht ausgenommen. Die Berliner Beamten zeigen sich solchem Verhalten gegenüber wenig tolerant, da es sowohl andere als auch die eigene Person gefährdet. Dem unangeschnallten Fan droht ein Verwarnungsgeld.


Platzmangel Beim Public-Viewing unter Freunden kommt es oftmals zu einem besonderen Phänomen: Viele Menschen, wenige Autos. Deswegen sitzen nicht selten mehr Insassen in dem Fahrzeug, als Anschnallplätze vorhanden sind. Dem Massentransport drohen Bußgelder von bis zu 80 Euro und drei Punkte in Flensburg.

Hier feiern polnische Fans den Sieg ihrer Mannschaft
Hier feiern polnische Fans den Sieg ihrer Mannschaft
Video: BM Video



Dekoration „Kein Auto ohne Fahne“, scheint das ungeschriebene Gesetz des Autokorsos zu sein. Doch so schön bunt die kleinen Fahnen an der Scheibe oder dem Spiegel auch leuchten mögen, sie sind eigentlich nicht erlaubt. Die Polizei akzeptiert diese Ausdrucksform des Nationalgefühls, solange sie die Sicht des Fahrers nicht einschränkt. Theoretisch müsste jegliches Anbringen von Gegenständen und Dekorationen extra zugelassen werden.

Die einzigartige Dekoration sollte außerdem maximal einen Meter nach vorne und hinten überstehen und an den Seiten nicht weiter als die Seitenspiegel herausragen. Sonst könnte es zu einem unglücklichen Fähnchenkrieg zwischen parallel fahrenden Autos kommen. Für den Autoliebhaber und leidenschaftlichen Dekorateur gibt es auch noch weitere Alternativen: Eine große Fahne über der Motorhaube wird geduldet, sogar Schals dürfen an den Seiten befestigt werden, um lustig im Wind zu flattern. Allerdings können sie bei höherer Geschwindigkeit abreißen und Unfälle verursachen. Wenn etwas passiert, zahlt die Versicherung oft nur zum Teil oder gar nicht – das kann teuer werden.


Alkohol und Drogen Bei Drogen und Alkohol hört der Spaß auf. Zumindest beim Autofahren. Ein Promillewert von 0,5 darf nicht überschritten werden.


Fußgänger Insbesondere bei Autokorsos kommt es oft vor, dass feiernde Fußgänger und Fahrradfahrer sich zwischen den Autos durchdrängen und unachtsam die Straße überqueren. Deswegen sollten Autofahrer besonders aufmerksam sein.