Giftwerte

Schießstände in Berlin - Gift im Blut von Polizisten

In der Affäre um schadstoffbelastete Schießstände der Berliner Polizei sind hohe Giftwerte im Blut von Polizisten gefunden worden.

Bei einigen Untersuchten wurde im Blut bis zum Vierfachen des zulässigen Grenzwertes nachgewiesen.

Bei einigen Untersuchten wurde im Blut bis zum Vierfachen des zulässigen Grenzwertes nachgewiesen.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Bei 43 von 45 untersuchten Schießtrainern und SEK-Polizisten sind erhöhte Werte des krebserregenden Stoffes Antimon nachgewiesen worden. Das berichtet das Magazin „Klartext“ des Senders RBB über eine Blutuntersuchung an der Universitätsklinik Charité. Das giftige Antimon wird in bleihaltiger Munition verwendet. Der Charité-Lungenspezialist Professor Christian Witt sagte: „Zweifelsfrei sehe ich hier einen Zusammenhang zwischen den hohen Antimonwerten und dem Schießpulver.“ Bei einigen Untersuchten wurde im Blut bis zum Vierfachen des zulässigen Grenzwertes nachgewiesen. Die Beamten hatten sich aus privater Initiative heraus untersuchen lassen.

Gleichzeitig sind die im Mai geplanten Untersuchungstermine für Berliner Polizisten geplatzt. Ursprünglich hatte die Behördenleitung zugesagt, dass am 10. und 17. Mai Gesundheitschecks an der Charité für 89 Beamte beginnen, bei denen Indizien für gesundheitliche Schädigungen vorliegen. Hintergrund der Absage ist eine interne E-Mail von Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers vom 3. Mai. Darin schreibt die Vizepräsidentin: „Deshalb bitte ich Sie, insbesondere Ihre Schießtrainer_innen, die schon angekündigt haben, im Mai zur Charité gehen zu wollen, aber auch alle anderen Mitarbeitenden, darauf hinzuweisen, dass sie zunächst zum polizeiärztlichen Dienst gehen müssen, um die (arbeits­medi­­zinische) Notwendigkeit der Art der geplanten Untersuchung prüfen und ggf. attestieren zu können.“ Das Schreiben der Vizepräsidentin liegt der Berliner Morgenpost vor. Der Pressesprecher der Berliner Polizei, Winfrid Wenzel, bestätigte auf Anfrage, dass die Termine abgesagt wurden. Wann sie nachgeholt werden, konnte er nicht sagen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) übt scharfe Kritik am Vorgehen der Polizeiführung. „Es ist eine Frechheit, dass die Betroffenen jetzt erst zum Polizeiärztlichen Dienst gehen müssen, um sich dort eine Berechtigung für eine umfassende Untersuchung bei einem Arzt zu holen“, sagt GdP-Sprecher Benjamin Jendro, „die hätte man bereits bei den Anschreiben mitsenden können.“

Benedikt Lux, innenpolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, sagte zu den Ergebnissen der Untersuchung: "Das ist schlimmer als befürchtet – und es kann noch schlimmer kommen. Innensenator Henkel muss endlich seine Fürsorgepflicht wahrnehmen. Es ist unverständlich, weshalb es immer noch keine gesundheitlichen Angebote für die erkrankten Polizisten und kein klares Verfahren für mögliche Entschädigungen gibt.“ Auch die organisatorische und personelle Verantwortung – über die anhängigen Strafverfahren hinaus – müsse untersucht werden, so Lux. „Es überzeugt nicht, dass Henkel zum wiederholten Mal einen Arbeitskreis dazu gründet, statt das Problem anzupacken.“ Henkel müsse verlorenes Vertrauen in die Behörde wiederherstellen und ein Minimum an Schießtraining, notfalls mit mobilen Schießständen, unverzüglich sicherstellen.