Schießstände

Bereits bei 16 Polizisten giftiges Antimon im Blut gefunden

Berlins Schießstände sind teils mit Schadstoffen belastet - die Polizisten trauen dem Polizeiärztlichen Dienst oft nicht.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Blei, Nickel und Antimon auf den Schießständen der Berliner Polizei – und möglicherweise im Blut von vielen Beamten? Das sollen medizinische Untersuchungen klären, die Polizeipräsident Klaus Kandt nach einem ersten Zwischenbericht der Internen Revision den betroffenen Kollegen zugesichert hat. Indizien für gesundheitliche Schädigungen gibt es laut Interner Revision bei 75 Mitarbeitern. Sie sollen noch im Mai die Möglichkeit einer umfangreichen Untersuchung beim Polizeiärztlichen Dienst bekommen. Insgesamt kommt die Polizeibehörde zu der Einschätzung, dass 1532 Beamte, vor allem Schießausbilder und Mitglieder von Spezialkräften, die intensiv trainieren, betroffen sein könnten.

Doch viele Beamte haben wenig Vertrauen in den Polizeiärztlichen Dienst. „Ich kann nicht erkennen, dass sich der Arbeitsschutz in der Vergangenheit um das Thema gekümmert hat“, sagt ein Betroffener, der nicht genannt werden möchte. Hinweise auf die Probleme an den Schießständen habe es seit Jahren von Kollegen gegeben. Sie seien aber nicht ernst genommen, sondern abgetan worden. Dass der Dienstherr seiner Fürsorgepflicht nachkomme, könne er nicht erkennen, sagt der Beamte.

Auch aus diesem Grund wird der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) ab kommender Woche eine Hotline schalten, an die sich alle Betroffenen wenden können. „Auch wenn sie nicht Mitglied des BDK sind“, sagt Landesvorsitzender Michael Böhl. Erste Untersuchungen haben nach Angaben des BDK ergeben, dass bei allen 16 Beamten, die sich bislang privat untersuchen ließen, zu hohe Antimonwerte im Blut festgestellt worden seien. Antimon, das zum Härten der Bleimunition eingesetzt und beim Schießen frei wird, gilt als möglicherweise krebserregend. Wichtig sei bei Untersuchungen durch private Ärzte, dass spezielle Kanülen und Reagenzgläser eingesetzt werden, sagt Böhl. Ansonsten könne Antimon im Blut nicht nachgewiesen werden.