Berliner S-Bahn

Berliner Senat schreibt Stadtbahn-Linien aus

Berlin und Brandenburg kündigen einen weiteren Großvertrag für den S-Bahn-Verkehr an. Ob ein neuer Betreiber kommt, ist aber fraglich.

Arbeiten an den S-Bahn-Schienen am Bahnhof Tiergarten

Arbeiten an den S-Bahn-Schienen am Bahnhof Tiergarten

Die Suche nach neuen Betreibern der Berliner S-Bahn geht in die nächste Runde. Die Länder Berlin und Brandenburg sowie ihr gemeinsamer Verkehrsverbund haben jetzt im Europäischen Amtsblatt die Ausschreibung von zwei weiteren Teilnetzen des hauptstädtischen Schnellbahnverkehrs angekündigt.

Mehrere Streckenänderungen

Das Teilnetz „Stadtbahn“ umfasst demnach die Ost-West-Linien S3, S5, S7 und S75 in einer zu heute teilweise geänderten Streckenführung. So soll etwa die S5 ab 2026 zwischen Charlottenburg und Strausberg Nord fahren, die S75 von Wartenberg dann nur noch bis Ostbahnhof statt bis Westkreuz fahren. Dafür wird die Linie S3 von Erkner bis nach Spandau verlängert. Mit im Auftragspaket sind auch die beiden Zubringerlinien zum neuen Hauptstadtflughafen BER, die S45 (Südkreuz–BER) und die S9 (Spandau–BER).

Das Teilnetz „Nord-Süd“ umfasst die Linien S1 (Wannsee–Oranienburg), S2 (Bernau–Blankenfelde) und S25 (Teltow Stadt–Hennigsdorf), die allesamt durch den Nordsüd-Tunnel fahren. Hinzu kommen die S85 in geänderter Linienführung (Grünau–Hauptbahnhof) und die neue Linie S15, die zwischen Frohnau und Hauptbahnhof verkehren soll. Sie nutzen die derzeit im Bau befindliche Neubaustrecke, die von der nördlichen Ringbahn abzweigt und in die Tiefebene des Hauptbahnhofs führt.

Gestaffelte Betriebsaufnahme bis 2027

Für die Fahrgäste der S-Bahn ändert sich bis auf Weiteres nichts. Die Betriebsaufnahme der Linien erfolgt laut Ankündigung gestaffelt in der Zeit von Dezember 2023 (Linie S85) bis Juni 2027 (S3). Erst im Dezember hatten die Länder nach einem langwierigen Verfahren das Teilnetz „Ring“ ab 2020 an den aktuellen Betreiber, die S-Bahn Berlin GmbH, vergeben. Die Bahntochter war zuletzt einziger Bieter für den Millionenauftrag. Alle anderen Interessenten, darunter national Express aus England und die RATP aus Frankreich, waren zuvor wegen der komplexen Ausschreibungsbedingungen und den hohen finanziellen Anforderungen ausgestiegen. Die S-Bahn Berlin GmbH dürfte auch bei den angekündigten Vergaben im Vorteil sein. So heißt es in der Ankündigung im EU-Amtsblatt, dass die Länder „nach derzeitigem Standbeabsichtigen, die Fahfzeuganforderungen so zu gestalten, dass auch Gebrauchtfahrzeuge diese erfüllen können“. Das einzige Unternehmen, das mit eigenen Fahrzeugen ins Rennen um den Großauftrag gehen kann, ist die Bahntochter.