Notunterkünfte

Flüchtlinge - Erste Turnhallen werden im Mai geräumt

Noch leben in Berlin 10.400 Asylbewerber in 63 Sporthallen. Die ersten dieser Notunterkünfte werden in Kürze wieder frei.

Zahlreiche Betten stehen in einer großen Sporthalle am Olympiapark in Charlottenburg

Zahlreiche Betten stehen in einer großen Sporthalle am Olympiapark in Charlottenburg

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Der Senat will bis Ende dieses Jahres alle Flüchtlinge aus Turnhallen ausquartiert haben. Das sagte Flüchtlings-Staatssekretär Dieter Glietsch (SPD) am Dienstag nach der Senatssitzung. Er korrigierte damit öffentlich Sozialsenator Mario Czaja. Der Christdemokrat schätzte die Lage optimistischer ein und hatte kurz zuvor von September oder Oktober gesprochen. Noch leben 10.400 Asylbewerber in 63 Sporthallen an 51 Standorten.

Beide Zuständigen einigten sich schließlich auf die Sprachregelung, dass alle Hallen nach notwendigen Sanierungs- und Reparaturarbeiten „im Laufe des Schuljahres 2016/2017“, also bis zum Sommer 2017, wieder für den Sport zur Verfügung stehen sollten.

Über die Kosten der Reparaturen wollte Czaja keine Angaben machen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost sind aber zunächst fünf Millionen Euro vorgesehen. Hinzu kommt ein Bonus von 100.000 Euro für große und 50.000 Euro für kleinere Hallen, den Bezirke oder andere Hallen-Träger bekommen. Das Geld soll baulich für weitere Verbesserungen der Sportanlagen genutzt werden.

Sieben Hallen werden im Mai geräumt

Im Mai werden das vor allem von Leistungssportlern genutzte Horst-Korber-Zentrum und die Rudolf-Harbig-Halle am Glockenturm in Charlottenburg geräumt. Neues Transitzentrum für neu ankommende Flüchtlinge wird die Messehalle 26 am Funkturm. Im selben Monat wollen Glietsch und Czaja auch fünf weitere Sporthallen frei machen: Drei in Pankow, eine in Friedrichshain-Kreuzberg und eine in Steglitz-Zehlendorf. Diese Bezirke haben bisher die meisten Hallen zur Verfügung gestellt.

Glietsch sagte, der Senat werde vom Jahresanfang bis zum August 8000 bis 9000 Wohnplätze in anderen Gebäuden geschaffen haben. So gebe es derzeit bereits eine Reserve von 2400 Betten, die für den zu erwartenden Fall bereitgehalten werden, dass die Zahl der ankommenden Flüchtlinge wieder steigt. Bisher kommen täglich nur zwischen 30 und 60 Asylsuchende an, zu Spitzenzeiten im vergangenen Herbst waren es zum Teil mehr als 1000.

Ab Juni schrittweiser Bezug von Containern

Zu den Schlafplätzen in den Bestandsgebäuden werden ab Juni schrittweise die neuen Containerquartiere und die ersten Modularbauten für Flüchtlinge bezogen werden. Über die genaue Reihenfolge der „Freizüge“ müsse man sich mit den Bezirken einigen. „Das wird ein Aushandlungsprozess“, sagte Glietsch. Die Bezirke dürften eigene Prioritäten setzen, etwa dort, wo Schüler in der Halle Prüfungen zum Sport-Abitur ablegen müssten. Gleichzeitig solle darauf geachtet werden, dass etwa Familien mit Kita- oder Schulkindern nicht in einen anderen Stadtteil ziehen müssen, sondern in der Nähe ihrer bisherigen Unterkunft unterkommen. Es könne also sein, dass irgendwo ein Containerdorf entstehe und dennoch eine Turnhalle in der Nähe vorerst belegt bleibe, warnte Sozialsenator Czaja.