Studie

Berlin hat auf Dächern noch Platz für Wohnungen

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Sabine Gundlach

Eine Studie der TU-Darmstadt hat ergeben: Durch Aufstockung auf Mehrfamilienhäusern können bis zu 88.000 Wohnungen gebaut werden.

Berlins größtes Wohnraumpotenzial im innerstädtischen Bereich liegt auf den Dächern. Durch Aufstockungen von Bestandsbauten könnten in der Hauptstadt mindestens 55.000, bestenfalls sogar bis zu 88.000 neue Wohnungen entstehen. Bundesweit seien so 1,5 Millionen zusätzliche Wohnungen realiserbar. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Technischen Universität Darmstadt und des Pestel-Instituts Hannover nach einer bundesweiten Analyse des Gebäudebestands in Großstädten und Metropol-Regionen.

In der Studie, die von insgesamt elf Organisationen und Verbänden der deutschen Bau- und Immoblienbranche sowie aus den Bereichen Planung und Architektur initiiert wurde, untersuchten die Wissenschaftler, in welchem Umfang und unter welchen Bedingungen Wohnhäuser aufgestockt werden können.

Häuser aus den Jahren 1950 bis 1989 sind geeignet

„Wir haben kostbare Grundstücke auf den Dächern, aber der freie Markt wird diese Flächen natürlich eher für Wohnungen im Premiumbereich anbietren“, räumte Professor Karsten Tichelmann von der TU Darmstadt gegenüber der Berliner Morgenpost am Dienstag am Rande der Präsentation der bundesweiten Studie ein. Gleichwohl: Die Realisierung der möglichen Dach-Aufbauten, so der Ingenieur, „ist auch ein Beitrag zur Entspannung auf dem Wohnungsmarkt“.

Als geeignete Gebäude ermittelten die Wissenschaftler Mehrfamilienhäuser mit drei Wohnungen und mehr aus den Baujahren 1950 bis 1989.

Um die Dachaufstockungen in dem von der Studie ermittelten Maße zu realiseren, gilt es jedoch nach Ansicht der Wissenschaftler und Baufachleute, zunächst einige Hemnisse zu beseitigen. Wesentliche Veränderungen im Bau- und Planungsrecht seien erforderlich. Angefangen vom Verzicht der bislang bei Neubauten geforderten Stellplätze bis hin zur „zeitgemäßen Anpassung bei der Beschränkung durch bestehende Traufhöhen“ reichen die vorgeschlagenen Veränderungen.

Selbst die Aufhebung von Barrierefreiheit wird nicht ausgeschlossen. „Das wird dann eben in Erdgeschosswohnungen umgesetzt“, sagte Tilllman Prinz. Wie der Geschäftsführer der Bundesarchitektenkammer am Dienstag betonte, müsse man die Aufstockung im Rahmen ganzheitlicher Konzepte auch als Aufwertung der Gebäude betrachten. „Wenn man schnell Wohnungen realisieren will, sind die Dach-Aufstockungen eine gute Möglichkeit“, sagte Karsten Tichelmann.