Flüchtlinge

Tempelhof: Schwere Vorwürfe gegen Sicherheitspersonal

Flüchtlinge berichten, sie seien von Sicherheitspersonal drangsaliert und beleidigt worden - der Betreiber will die Vorwürfe prüfen.

2000 Flüchtlinge leben in der Notunterkunft in den Tempelhofer Hangars

2000 Flüchtlinge leben in der Notunterkunft in den Tempelhofer Hangars

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Viele Flüchtlinge müssen schon seit Monaten in Großunterkünften ausharren. Allein in den Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof leben mehr als 2200 Menschen in vier Hangars. Der Stress dort führt zu Konflikten.

So haben sich Flüchtlinge darüber beklagt, von Sicherheitskräften beschimpft, erniedrigt und sogar körperlich bedrängt worden zu sein.

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) berichtet sogar, ein junger Syrer sei nach einem Streit von einem Security-Mann mit Pfefferspray drangsaliert worden. Dem asthmakranken Opfer sei daraufhin eine Behandlung im Krankenhaus verweigert worden.

Mehr als 200 Männer sind in den Hangars tätig

Der Geschäftsführer der Betreiberfirma Tamaja, Michael Elias, kennt die Vorgänge nicht. Er räumt jedoch ein, dass es durchaus zu verbalen Übergriffen von einigen der knapp 200 Sicherheitsleute gegenüber Bewohnern gekommen sein könnte. Er kündigte an, einen neuen Aufruf an die Flüchtlinge zu richten, sich bei solchen Vorfällen sofort an die Heimleitung zu wenden. Nur dann könnten er oder seine Mitarbeiter direkt darauf reagieren.

Die Beschimpfungen sollen in arabischer Sprache stattgefunden haben. Die Sicherheitsleute sollen die Asylsuchenden erniedrigt haben. Sie seien hier „Gefangene“ und müssten tun, was die Aufseher sagten.

Betreiber kann sich Gewalt kaum vorstellen

Dass es zu körperlicher Gewalt gekommen sein soll, kann sich Elias kaum vorstellen. Es gebe in den riesigen Hallen mit den nach oben offenen Schlafkabinen eine ziemlich starke Sozialkontrolle, so der Tamaja-Chef. Die Gänge zwischen den Kabinen sind breit, an vielen Punkten stehen Sicherheitsleute, die Flüchtlinge bewegen sich frei in den Hallen.

Zudem ist es weithin zu hören, wenn ein Streit ausbricht und es zu einem Handgemenge kommt. Elias selbst sagte, er habe schon einmal beobachtet, wie Flüchtlinge Sicherheitsleute angegangen seien. Der Druck sei hoch. Elias mahnt an, die einzelnen Menschen nicht zu lange in den belastenden Hangars zu lassen, sondern sie in anderen Heimen unterzubringen. Zuletzt waren bereits anerkannte Flüchtlinge aus den Hangars nach Marienfelde umgezogen.

Qualifiziertes Sicherheitspersonal schwer zu bekommen

Elias und andere Heimbetreiber wissen auch, wie schwierig es mittlerweile geworden ist, qualifiziertes Sicherheitspersonal zu bekommen, das zudem Arabisch, die Sprache der meisten Flüchtlinge, spricht. Der Markt sei leer gefegt, heißt es, die Sicherheitsunternehmen stellten sehr viele neue Mitarbeiter ein, die vielleicht nicht immer die nötige Charakterstärke und Sensibilität für den Umgang mit den Flüchtlingen mitbrächten.

Noch sind in den Hangars nach Aussagen des Sozialsenators Mario Czaja (CDU) 1000 Plätze frei. Das sei die Notreserve, falls kurzfristig wieder mehr Menschen nach Berlin kommen sollten als derzeit. Zwei weitere Flugzeughallen sollen mittelfristig von Flüchtlingen bezogen werden. Die seien derzeit in der Vorbereitung, es müssten Duschen, Toiletten und andere Infrastruktur gebaut werden, sagte Czaja.