Integration

Wasserbetriebe geben jungen Asylsuchenden Jobs

Die Wasserbetriebe qualifizieren sechs junge Flüchtlinge für eine Ausbildung. Arbeitssenatorin Kolat warnt vor zu großer Euphorie.

Flüchtlingsunterkunft am Flughafen Tempelhof

Flüchtlingsunterkunft am Flughafen Tempelhof

Foto: Reto Klar

Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) bereiten sechs junge Flüchtlinge auf eine Ausbildung vor. Gemeinsam mit sechs Berliner Jugendlichen leisten sie derzeit im Ausbildungszentrum an der Lichtenberger Fischerstraße ein Praktikum, das sie auf eine Ausbildung vorbereiten soll. Einer davon ist Tadele Brook aus Äthiopien. Der 27-Jährige ist vor zwei Jahren nach Deutschland geflohen. In seiner Heimat hatte er als Bauarbeiter und als Koch gearbeitet. „Ich will gucken, welche Berufe es hier gibt“, sagte Brook am Montag in schon gutem Deutsch. Die ersten Sprachkurse haben die Praktikanten bereits hinter sich.

Vor fünf Monaten hatten die Wasserbetriebe einen Vertrag mit „Arrivo Berlin“, einer Ausbildungs- und Berufsinitiative zur Integration geflüchteter Menschen, geschlossen. Seit 20 Januar erhalten die ersten sechs im Rahmen des Integrationsprogramms „Horizont“ eine Einstiegsqualifikation (EQ), in der sie Grundfertigkeiten wie das Löten, Schweißen oder Drehen üben. „Wir möchten nicht nur den Geflüchteten den Horizont für eine berufliche Zukunft eröffnen“, so BWB-Personalvorständin Kerstin Oster. „Wir betrachten es auch als neuen Weg, motivierte Fachkräfte für die Wasserbetriebe auszubilden.“ Der Bildungsträger GFBM hatte die Kandidaten auf ihre Eignung getestet, bietet ihnen nun berufsspezifische Deutschkurse und betreut sie sozialpädagogisch. Von April an sollen die jungen Männer Stationen in mehreren Betriebsstellen durchlaufen. Im September könnten sie bei den BWB eine gewerblich-technische Ausbildung beginnen.

Einbindung in den Arbeitsmarkt wird langwieriger Prozess

Berlins Senatorin für Arbeit und Integration, Dilek Kolat (SPD), die das Qualifizierungsprojekt am Montag besucht hat, sprach von „echter Pionierarbeit“ der BWB. Geflüchtete Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, bedürfe „eines langen Atems, Ausdauer und einer gewissen Entschlossenheit“. Jeder, der etwas anderes erwarte, werde enttäuscht werden, sagte Kolat. Es gebe großes Interesse seitens der Arbeitgeber. Insbesondere das Handwerk sei sehr engagiert. „Die Bauindustrie wird demnächst folgen“, kündigte Dilek Kolat an.

Im Mai will die Bundesagentur für Arbeit mit „EQ Welcome“ ein weiteres Integrationsprogramm starten. Senatorin Kolat ist skeptisch, weil das Angebot keine Betriebspraktika, sondern eine schulische Qualifikation vorsieht. „Wir sollten nicht zusätzliche Warteschleifen produzieren“, mahnte Kolat.

Der Berliner CDU-Generalsekretär Kai Wegner kritisierte am Montag die Senatorin. „Nach wie vor fehlt ein eigener Masterplan, wie die Integration der vielen Menschen, die nach Berlin gekommen sind und die noch kommen werden, aus ihrer Sicht gelingen kann“, so Wegner. Es reiche nicht aus, die wichtige Aufgabe, einen Integrationsplan für Berlin zu entwickeln, einer Unternehmensberatung zu überlassen, beanstandete Wegner. Der Senat will der Beraterfirma McKinsey den Auftrag für ein Integrationskonzept erteilen.