Lehrermangel in Berlin

Wie Berlin mehr Grundschullehrer bekommen möchte

Bildungssenatorin Scheeres will den Hochschulen künftig vorschreiben, wie viele Grundschulpädagogen sie ausbilden sollen.

Rund 1000 Grundschullehrer braucht die Hauptstadt in diesem Jahr. Jedoch brechen rund 40 Prozent der Lehramtsstudenten ihre Ausbildung vorzeitig ab

Rund 1000 Grundschullehrer braucht die Hauptstadt in diesem Jahr. Jedoch brechen rund 40 Prozent der Lehramtsstudenten ihre Ausbildung vorzeitig ab

Foto: Henning Kaiser / dpa

Bildungssenatorin Sandra Scheeres will im Kampf gegen den Lehrermangel an Grundschulen neue Wege gehen. Die Sozialdemokratin möchte den Berliner Hochschulen künftig vorschreiben, wie viele Grundschulpädagogen sie ausbilden sollen. "Wir müssen die Ausbildungskapazitäten für Grundschullehrer in Berlin noch einmal verdoppeln", sagte die Senatorin am Donnerstag im Abgeordnetenhaus.

Zuletzt hatten die Universitäten mit den Hochschulverträgen 2014 die Zahl der potenziellen Absolventen von 150 auf 300 erhöht. Nun peilt Scheeres also 600 Grundschullehrer an, die jährlich Berlins Hochschulen verlassen und in die Grundschulen gehen sollen.

Weil aber in den Hochschulverträgen bis 2017 fest vereinbart ist, was die Universitäten leisten müssen und wie viel Geld sie dafür erhalten, muss die Schul- und Wissenschaftssenatorin nun eine Regelung außerhalb der Hochschulverträge vereinbaren.

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Eingriff in die Autonomie der Hochschulen

"Das Land Berlin muss stärker steuern", sagte Scheeres und in dem Kontingent von 1000 Lehramtsabsolventen pro Jahr stärker festlegen, welche Fächer gelehrt werden sollen und wie viele Pädagogen für die Grundschulen benötigt werden.

Scheeres Staatssekretär Steffen Krach ist mit den Universitätspräsidenten akut im Gespräch, um eine Lösung zu finden. Der Vorgang ist brisant, weil die Politik auf diesem Wege in die Autonomie der Hochschulen eingreifen möchte.

Unter Scheeres Vorgänger Jürgen Zöllner war die Eigenständigkeit der Universitäten stets sehr hoch bewertet worden. Im Hause Scheeres hat man nun den Eindruck, dass die Universitäten eher an Spitzenforschung interessiert sind, als an der relativ profanen Lehrerbildung. Es wird aber damit gerechnet, dass das Land für die zusätzlichen Lehrerstudenten den Hochschulen auch zusätzliches Geld aus dem Haushalt wird zahlen müssen.

Ein Problem will die Verwaltung ebenfalls mit den Hochschulpräsidenten erörtern. Denn nur eine Minderheit der Lehramtsstudenten bringt ihr Studium zu Ende und steht tatsächlich den Schulen zur Verfügung. Die Abbrecherquote liegt bei 40 Prozent.