"Schäm dich, Berlin!"

"Schäm dich Berlin": Touristenkommentare über die Hauptstadt

Brandenburger Tor? Ein Verkehrshindernis. East Side Gallery? Nur eine alte Mauer. Wie schlecht gelaunte Touristen über Berlin urteilen.

Rumgammeln auf der Reichstagskuppel - manche finden Berlin halt eher so mittelmäßig gut

Rumgammeln auf der Reichstagskuppel - manche finden Berlin halt eher so mittelmäßig gut

Foto: picture alliance / dpa

Touristen lieben Berlin - und das jedes Jahr mehr. 2015 zählte das Statistische Landesamt mehr als 30 Millionen Übernachtungen durch Besucher aus der ganzen Welt.

Auch wenn der Boom ungebrochen sind - immer wieder gibt es auch Touristen, die mit der Stadt fremdeln. Und sich bei Online-Bewertungsportalen wie Tripadvisor oder bei Google über die Hotspots der Stadt auslassen. Manche Kommentare sind dabei unfreiwillig komisch. Eine Auswahl.

Brandenburger Tor

Zum Beispiel das Brandenburger Tor. "Das Symbol der preußischen Berlins steht vor allem im Weg und blockiert den Blick von Unter den Linden auf die Siegessäule", mokiert sich ein Paderborner. "Lediglich während der Fußball-WM hatte es eine sinnvolle Funktion. Als Hintergrund der Leinwand." So ähnlich sieht es auch ein anderer Tourist: "Das Tor ist ein Verkehrshindernis auf der Ost-West-Achse."

Enttäuscht war auch David S. aus dem britischen Oxford - vor allem über die großen Säulen im Brandenburger Tor. "Atemberaubende Architektur. Aber das ist doch kein Tor", beschwert er sich. Und schiebt ein gepfeffertes "Schäm dich, Berlin!" hinterher.

Andere finden das Brandenburger Tor schlichtweg nicht so imposant wie im Fernsehen. Ein Herr aus Asien gibt zu, er sei nur mit dem Taxi daran vorbeigefahren, "und das reichte auch". Ein weiterer Tourist schreibt zudem, er habe weit charismatischere Orte in Berlin entdeckt. "Den Alexanderplatz zum Beispiel." Ein Australier ist außerdem traurig, dass man keine Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg mehr sieht.

Checkpoint Charlie

Auch der Checkpoint Charlie kommt nicht besonders gut weg. "Dieser Ort sollte abgeschafft werden", schreibt ein Brite.

Jemand aus Hannover meint: "Wie kann man einen historisch bedeutsamen Ort so verkommen lassen? Als Soldaten verkleidete junge Männer lassen sich für eine Gebühr fotografieren, nur um sich postwendend über die beteiligten Touristen lustig zu machen. Über allem thront McDonald´s, umrahmt von Billig-Souvenir-Läden."

"Einer der schlimmsten Orte Berlins" warnt auch ein Berliner. Eine Auswahl weiterer Kommentare: "Eine Hütte mitten auf der Straße (...) Einfach nur primitiv." Ein weiterer Tourist erfindet den Namen "Fakepoint Charlie". Ein Australier fragt sich, ob es sich bei den verkleideten Soldaten um Stripper handelt.

Philharmonie

Ein Schweizer beklagt sich, die Philharmonie sei im letzten Jahrhundert stehen geblieben. Die Künstler, die dort spielen müssten, könnten einem leid tun. "Denn zu einen guten Konzert gehört die gesamte Atmosphäre dazu - und das Gebäude ist schlichtweg heruntergekommenen."

Ein Brite war vor allem von der klassischen Musik enttäuscht. "Das hier ist mehr Bach und Beethoven - das hat mir niemand vorher gesagt." Er habe eigentlich einen Rave erwartet und sei ein Fan von eher harter Musik. "Stellt euch meine Enttäuschung vor", schreibt der Mann.

Berliner Mauer

Ob an der East Side Gallery oder an der Bernauer Straße - überall finden Besucher etwas zu meckern. "Die Mauer ist genau das: Ein graue, langweilige Mauer, die man endlich vergessen sollte", schreibt jemand aus dem benachbarten Potsdam. Ein Israeli findet, es gebe nichts zu sehen außer ein paar Mauerstücken und nettem grünen Rasen.

Eine junge Frau meint: "Was für ein furchtbarer Ort. Schmutzig, vermüllt, jeder zweite raucht, überall Graffiti, das als Kunst bezeichnet wird." Sie rät: "Steigt in einen Zug und fahrt woanders hin." Auch eine junge Ägypterin sieht es so: "Es ist nur eine Mauer mit Graffiti drauf. Reine Zeitverschwerindung."

Olympiastadion

Die Heimspielstätte von Hertha BSC ruft ebenfalls Kritik hervor. "Habe mehr erwartet", schreibt ein junger Mann namens Conrado. Das netteste am Olympiastadion sei die Fahrradtour dorthin.

Es gibt außerdem mehrere Klagen über die sanitären Anlagen: "Toiletten schmutzig und nicht genug vorhanden." Selbst das Bielefelder Stadion sei in diesen Punkten besser. Für manche ist das Olympiastadion sogar zum Fürchten. "Der VIP Bereich ist in drei unterirdischen Etagen untergebracht. Es ist gruselig dort. Es gibt kein Tageslicht und die Klos erreicht man über großdimensionierte Gängelung, die mir fast Angst gemacht haben", wie ein Kritiker schreibt.

Shows und Musicals

Für viele Besucher gehört ein Abend bei einer Show oder in einem Musical einfach zu einem Berlin-Aufenthalt dazu. Besonders beliebt ist der Friedrichstadt-Palast - aber eben auch nicht bei allen. "Alle von uns haben die Universität abgeschlossen und trotzdem hat niemand verstanden, worum es in dieser Show geht", schreibt eine junge Frau aus China.

Auch für die "Blue Man Group" hagelt es Kritik: "Auf dem Niveau eines Kindergeburtstages", findet ein Herr aus Wuppertal. "So viel Blödsinn für so viel Geld", meckert eine Chemnitzerin.

Und das Lindenberg-Musical "Hinterm Horizont"? "Wir waren so enttäuscht, dass wir nach der ersten Hälfte gegangen sind", so ein Kölner. "Zu viel Kitsch", kritisiert jemand anders.

Hauptbahnhof

Schlechte Noten für den Berliner Hauptbahnhof. Eine Finnin sieht "keine Logik an diesem Bahnhof". Wer spät komme, müsse sich darauf vorbereiten, seinen Zug auf jeden Fall zu verpassen. Und: "Extrem langsame Fahrstühle."

Auch jemand anders schreibt: "Ich war schon an vielen Bahnhöfen, aber dieser hier ist der verwirrendste."

Wolfgang B. aus Quickborn nennt den Hauptbahnhof nur "ein Einkaufszentrum mit Gleisanschluss". Eine Australierin beklagt sich ebenfalls: "schmutzig, ineffizient, schlecht organisiert". Die italienische Bahn sei ein Traum gegen die Deutsche Bahn. "Nehmt lieber das Auto", rät sie.