Mieten in Berlin

Das Brunnenviertel in Mitte wird deutlich teurer

Der Nachbarkiez von Prenzlauer Berg ist interessant wegen seiner zentralen Lage. Die Mieten steigen im Brunnenviertel erheblich.

Noch kann man im Brunnenviertel relativ günstig wohnen

Noch kann man im Brunnenviertel relativ günstig wohnen

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Der Südosten des Ortsteils Gesundbrunnen könnte idealer kaum liegen, zwischen dem S-Bahnhof Gesundbrunnen und der Bernauer Straße und umrahmt von den Ortsteilen Mitte und Prenzlauer Berg mit dem Mauerpark, ist es nur einen Steinwurf entfernt von Berlins teuersten Wohngebieten. Von einer Gentrifizierung ist das Viertel, durch das die wenig attraktive Brunnenstraße führt, jedoch weit entfernt. Und obwohl sich in dem Kiez in den Industriedenkmälern der alten AEG- und Siemenswerke südlich des Humboldthains ein Technologiepark, die Deutsche Welle, die TU und eine internationale Privatschule angesiedelt haben, schweben diese wie Ufos zwischen den vom Sozialen Wohnungsbau der 60er- bis 80er-Jahre geprägten Wohnstraßen.

Dennoch scheint das Gebiet für Wohnungssuchende interessant zu werden, es verzeichnet mit 14,9 Prozent eine der berlinweit höchsten Mietsteigerungen. Mit durchschnittlich 8 Euro kalt pro Quadratmeter ist das aber immer noch deutlich günstiger als in Prenzlauer Berg (12,01 Euro am Kollwitzplatz). Auch wenn man es im Straßenbild kaum sieht, gehört das Brunnenviertel, wie die Anwohner ihren Kiez nennen, zu den ärmsten Berlins. Für zwei Gebiete wurden Quartiersmanagements eingerichtet.

Knapp 40 Prozent der rund 20.000 Bewohner beziehen Transferleistungen, etwa 60 Prozent haben ausländische Wurzeln. Die Degewo, die den Großteil der Wohnungen verwaltet, ist mit dem Versuch, vom Schwung der neuen Mitte zu profitieren und die Brunnenstraße zu einer Modemeile zu machen, gescheitert. Spielhallen, Discounter, Billigläden, Handyshops prägen die Hauptverkehrsader durchs Quartier. Altbauten gibt es kaum. Die Wohnblocks, die mit ihren grünen Höfen als Antwort auf die engen Mietskasernen des alten Arbeiterbezirks gedacht waren, werden auch durch frische Farbe nicht schöner.

Bislang gibt es nur wenig Wechsel bei den Bewohnern

Neubauvorhaben gibt es wenige. An der Ecke Stralsunder Straße entstehen gerade Studentenappartements. An der Graunstraße baut die Degewo 104 Wohnungen, von denen der Großteil zehn Euro pro Quadratmeter kosten wird. Obwohl es kaum Fluktuation im Kiez gibt – in den ersten drei Quartalen 2015 wurden gerade mal 163 Wohnungen angeboten – ist doch eine leichte Veränderung zu spüren, sagt Susid, die Betreiberin des Café Freysinn an der Usedomer Straße.

Die beiden Altbauten gegenüber seien gerade saniert worden, nur wenige Bewohner hätten sich gegen eine "Vertreibung gewehrt". Ulrike Wronski (34) und Dominique Hensel (39) kommen regelmäßig ins Café. PR-Frau Wronski, sonst eher nach Mitte orientiert, ist aus Kostengründen hergezogen. Für ihre 58 Quadratmeter zahlt sie 500 Euro. Journalistin Hensel lebt mit ihrer Familie für 700 Euro auf 90 Quadratmetern. "Als ich 2007 herzog, konnte man sich die Wohnungen bei der Degewo noch aussuchen", sagt Hensel. "Heute werde ich oft auf der Straße angesprochen, ob ich von Wohnungen weiß. Doch Umzugswagen sieht man hier selten. Wer hier wohnt, bleibt."

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