Fürsorge

Bessere Hilfe für misshandelte Kinder in Berlin

1,2 Millionen Euro für fünf neue Schutzambulanzen. Sie werden an fünf Klinikstandorten eingerichtet, um alle Regionen abzudecken

Für mehr Kinderschutz: Die Senatoren Mario Czaja (CDU, l.) Sandra Scheeres (SPD) und Thomas Heilmann

Für mehr Kinderschutz: Die Senatoren Mario Czaja (CDU, l.) Sandra Scheeres (SPD) und Thomas Heilmann

Foto: Amin Akhtar

Wenn Sozialarbeiter, Lehrer oder Kinderärzte Zweifel haben, ob die Verletzungen eines Kindes von einem Unfall herrühren oder von Misshandlungen, können sie sich künftig an eine von fünf Kinderschutzambulanzen wenden. Am Freitag unterzeichneten Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) und Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) eine Rahmenvereinbarung, die das Netzwerk Kinderschutz verstärken soll.

Bei 3660 Kindern lag eine mögliche Gefährdung vor

Die Kinderschutzambulanzen werden an fünf Klinikstandorten eingerichtet, um alle Regionen abzudecken. Ab Mitte Februar wird es die festen Anlaufstellen mit einem Team von besonders geschulten Krankenschwestern, Psychologen und Ärzten an den DRK-Kliniken Westend, am Helios-Klinikum Buch, am St.-Joseph-Krankenhaus Tempelhof, am Vivantes Klinikum Neukölln und am Virchow-Klinikum in Wedding geben. Finanziert werden die Ambulanzen vom Land Berlin mit 1,2 Millionen Euro und durch einen Eigenanteil der Kliniken.

Im Jahr 2014 gab es nach Angaben der Bildungsverwaltung bei 11.772 Kindern und Jugendlichen ein Verfahren zur sogenannten Gefährdungseinschätzung. Bei 3660 Kindern lag eine mögliche Kindeswohlgefährdung vor. Etwa 70 Prozent der Fälle erforderten eine spezielle Diagnostik, um sicherzugehen, ob der Verdacht bestätigt oder die Gefährdung ausgeschlossen werden kann. In diesen Fällen können die Kinderschutzambulanzen konsultiert werden.

Oft bedarf es einer psychologischen Betreuung

Oft seien Kinderärzte oder Sozialarbeiter unsicher, wenn sie eine Entscheidung treffen sollen, ob ein Kind psychisch oder körperlich misshandelt wird, sagte Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). Nun könnten sie sich an die Experten der Kinderschutzambulanzen wenden. „Häufig bedarf es nicht nur der körperlichen Untersuchung, sondern auch einer psychologischen Betreuung der traumatisierten Kinder“, sagte Sibylle-Maria Winter, Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Virchow-Klinikums.

Wenn Eltern die Untersuchung des Kindes in der Kinderschutzambulanz verweigern sollten, können die Kinderärzte auch durch eine vorübergehende Inobhutnahme die nötige Diagnose ermöglichen.