Neujahrslauf

Mit Frido Flink ins Neue Jahr

Mehr als 4000 Teilnehmer gehen beim 45. Neujahrslauf am Brandenburger Tor an den Start.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Sportlich ging es an Neujahr auf der Straße des 17. Juni zu. Während die Stadt andernorts noch in tiefem Schlaf und Böllermüll lag, herrschte an der Silvester-Meile schon wieder Geschäftigkeit. Die meisten Spuren der nächtlichen Feierei wurden bis zum Vormittag bereits beseitigt, stattdessen waren hier zahlreiche Läufer unterwegs. Sie wollten zum Pariser Platz, dem Startpunkt des traditionellen Neujahrslaufs.

Eine bunte Mischung an Läufern haben sich dort am Freitag um kurz vor 12 Uhr in bester Stimmung versammelt. Viele Kinder und sogar Hunde waren unter den 4068 Teilnehmern dabei. „Der Lauf ist just for fun“, erklärte eine Ordnerin, „mitmachen kann jeder, von Null bis 100“. Viele waren auch im Kostüm gekommen: Ein Weihnachtsmann und ein Funke-Mariechen waren dabei, und klar, der Hahn stand im Mittelpunkt. Immer wieder musste er als Fotomotiv herhalten.

Viele Teilnehmer laufen in Kostümen

Darin steckte Ramona Schlegel. Die 41-Jährige läuft sonst eher in Funktionskleidung, aber beim Neujahrslauf geht es ja nicht um Zeiten, die werden gar nicht gemessen. Und die Vier-Kilometerstrecke vom Brandenburger Tor zum Berliner Dom und wieder zurück war für die passionierte Läuferin keine große Herausforderung, da durfte ihr im Plüsch von Kopf bis Fuß auch ein bisschen warm werden. Mit ihr lief Jan Ohletz, der sich einen Haarkamm in Regenbogenfarben auf den Kopf gesetzt hatte. „You look very San Francisco“, rief ein Tourist begeistert aus.

Seit 1972 findet der Neujahrslauf statt, initiiert wurde er von dem DDR-Sportreporter Heinz Florian Oertel. Bis zur Wende führte die Strecke durch den Volkspark Friedrichshain, seitdem über die Straße Unter den Linden. Fast von Anfang an war Liane Liske dabei. „Mehr als 30 Jahre laufe ich hier schon mit“, erklärte sie nach dem Lauf, als sie sich bei einem Becher Tee erholte.

Zum Abba-Hit „Happy New Year“ laufen die ersten ins Ziel ein

Und auch Bernd-Ulrich Eberle, der nach 22 Minuten zum Abba-Hit „Happy New Year“ als erster ins Ziel lief, ist schon seit Jahren dabei. Es macht ihm Spaß, das Jahr auf diese Weise zu beginnen, viel mehr als die Feierei an Silvester. Die meisten Teilnehmer haben aber am Abend vorher trotzdem gefeiert. Die Studentin Jana und ihre Freundin Carolina aus Hermsdorf zum Beispiel. Ins Bett ging es erst nach drei Uhr, aber der Lauf war für die beiden eine Wette, Drücken kam also nicht in Frage.

Für die beiden war der Neujahrslauf eine Premiere, aber schon überlegen sie, ob sie nicht auch im kommenden Jahr wieder dabei sind. Das Gute sei ja, dass man sich nicht vorher anmelden muss, sondern spontan kommen und mitlaufen kann. Eine Startgebühr wird auch nicht erhoben. Dafür steht ein Riesensparschwein auf dem Anmeldetisch. Dort werden Spenden für die Björn-Schulz-Stiftung gesammelt, die Familien chronisch kranker Kinder unterstützt.

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