Pannen-Flughafen

Neue Spekulationen um BER-Eröffnung im Herbst 2017

Die Flughafengesellschaft dementiert, dass der BER erst 2018 eröffnet wird. Die Grünen fordern eine klare Ansage des Regierungschefs.

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hält am Zeitplan für die Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER fest

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hält am Zeitplan für die Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER fest

Foto: dpa Picture-Alliance / Patrick Pleul / picture alliance / dpa

Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) hat einen Bericht der „Bild am Sonntag“ zurückgewiesen, wonach der neue Hauptstadtflughafen BER erst im Jahr 2018 öffnen könne. Die Berliner Senatskanzlei wollte den Zeitungsbericht nicht kommentieren.

„Die FBB hat in der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Freitag den aktuellen Stand beim Bau des BER intensiv diskutiert und auf der anschließenden Pressekonferenz vorgestellt“, sagte Ralf Kunkel, Sprecher der Flughafengesellschaft am Sonntag. „Sämtliche anderen Informationen, Schreiben oder ähnliches sind aus dem Zusammenhang gerissen, veraltet und entsprechen nicht dem Stand der Erkenntnisse.“

Die Zeitung hatte über eine E-Mail des Projektsteuerers WSP/CBP vom 1. September 2015 an Technikchef Jörg Marks berichtet, die einen aktualisierten Terminplan enthalten soll. Angeblich ist darin von einem Bauende des Flughafens am 30. Juni 2016 die Rede, von Tests bis Mitte 2017 und von einer Nutzungsfreigabe am 28. September 2017. Daran würde sich nach Interpretation der Zeitung der viermonatige Probebetrieb anschließen. Daraus ergäbe sich dann ein Starttermin für den Flugbetrieb im Jahr 2018.

Täglich 2000 bis 3000 Emails

Flughafensprecher Kunkel lässt das nicht gelten und bezeichnet diesen Bericht als komplett falsch: „In einem Projekt, in dem täglich 2000 bis 3000 Emails, Schreiben und Protokolle verfasst werden, gibt es zeitweise auch unterschiedliche Einschätzungen“, sagte Kunkel. Die nach der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Freitag von der FBB präsentierte Planung spiegelt nach seinen Worten die gemeinsame Einschätzung der Projektbeteiligten wider.

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Sie sieht vor, dass die Bauarbeiten am 15. Juli 2016 beendet sind. Die größten Projekte hier sind die Sanierung der Entrauchungsanlage, die Fertigstellung der Nord- und Süd-Piers sowie des Fluggastterminals Mitte und zuletzt auch für die Technikzentralen des Flughafens.

Die sich daran anschließende technische Inbetriebnahme ist einschließlich der erforderlichen Tests und Prüfungen bis zum Beginn des zweiten Quartals terminiert. Die operative Inbetriebnahme soll sich den aktuellen Planungen zufolge daran nahtlos anschließen. Nach dem erfolgreichen Abschluss von unterschiedlichen Testszenarien könnten erste kommerzielle Flüge vom neuen Airport Ende August oder Anfang September des Jahres 2017 starten.

Imtech-Pleite bringt 3 Monate Verzug

Wegen langwieriger Planungsarbeiten und der Pleite des Gebäudeausrüsters Imtech liegen die Betreiber drei bis vier Monate hinter dem Zeitplan, der vor einem Jahr festgelegt worden war. Seit einem Monat gilt deshalb teilweise eine Sechs-Tage-Woche auf der Baustelle.

Daniela Augenstein, Sprecherin des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD), äußerte sich am Sonntag nicht zu dem Bericht und verwies auf die Stellungnahme der Flughafengesellschaft. Müller ist zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrates der Flughafengesellschaft. Aus Kreisen des Aufsichtsrates hieß es, in der Sitzung am Freitag sei sehr ernsthaft und ausführlich über das Terminband zur Eröffnung des BER diskutiert worden. Es habe eine Reihe kritischer Fragen gegeben, die aber die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft habe beantworten können. Die Geschäftsführung, insbesondere Technikchef Jörg Marks, habe sehr engagiert dargestellt, mit welchen Maßnahmen eine Eröffnung noch im Jahr 2017 zu schaffen sei. Dieser Darstellung vertraue der Aufsichtsrat, daher habe er auch der weiteren Planung zugestimmt. Zu der von „Bild am Sonntag“ zitierten E-Mail des Projektsteuerers hieß es lediglich, es sei nicht klar, von wann diese stamme, auch der Zusammenhang sei nicht ersichtlich.

Grüne fordern von Müller Klarheit

Andreas Otto, Obmann der Grünen im Flughafen-Untersuchungsausschuss, sieht jetzt den Regierenden Bürgermeister Michael Müller als Vorsitzenden des BER-Aufsichtsrates in der Pflicht: „Es ist wichtig, dass jetzt die Wegmarken präzisiert werden. Der Regierende Bürgermeister kann damit nicht bis nach der Berlin-Wahl im Herbst 2016 warten.“ Müller müsse „bis zum Frühjahr“ eine Terminkette vorlegen, aus der sich der Eröffnungstermin des neuen Berliner Flughafens ergebe. Otto wollte selbst keine persönliche Prognose zum Eröffnungstermin abgeben. Das könne er nicht beurteilen. Der Piraten-Politiker Martin Delius, der den Flughafen-Untersuchungsausschuss leitet, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bis Ende November waren laut FBB 55 Prozent der Restbauarbeiten abgeschlossen, die Sanierung der Kabeltrassen zu 99 Prozent, der Brandschutzmängel zu 64 Prozent, der Mängelberichte zu 65 Prozent und der Landebahn zu 100 Prozent.