Flüchtlinge in Berlin

Grönemeyer hilft am Lageso mit Wärmebussen

Die Wärmezelte am Lageso wurden für die Flüchtlinge geöffnet, die Terminvergabe soll neu organisiert werden.

Die Schlange für Flüchtlinge mit einem „Termin“. Die bürokratischen Abläufe am Lageso sollen sich verbessern

Die Schlange für Flüchtlinge mit einem „Termin“. Die bürokratischen Abläufe am Lageso sollen sich verbessern

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Viele hatten sich gefragt, wer eigentlich die Wärmebusse vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) finanziert. Denn so viel stand fest: Der Senat war es nicht.

Wie die Berliner Morgenpost nun erfuhr, stehen zwei der drei Fahrzeuge dort auf Initiative von Sänger Herbert Grönemeyer. Dessen Management bestätigte: „Angesichts der harten Fakten, dass Kinder, Frauen und Männer obdachlos ohne Dach über dem Kopf in der Kälte für ihre Belange anstehen müssen, haben wir uns entschlossen, am Lageso einen Raum zur Verfügung zu stellen.“ Dieser solle möglichst mobil eingesetzt werden können. Daher die Idee mit den Bussen.

24-Stunden-System und blaue Bänder

In den Bussen wärmen sich die Flüchtlinge auf, wenn sie nachts vor der Behörde ausharren. Denn die beheizten Zelte des Lageso standen aus bürokratischen Gründen bislang nicht zur Verfügung. Ab der Nacht zu Dienstag änderte sich das allerdings, wie eine Sprecherin der Senatssozialverwaltung des Senats mitteilte. Ziel sei ein „24-Stunden-Betrieb“. Zudem wurde ein neues System zur Terminvergabe eingeführt.

Die Flüchtlinge mit den ältesten Terminen bekommen nun ein blaues Bändchen, das ihnen einen Termin für den nächsten Tag garantiert. Das Lageso will so die nächtlichen Anstürme verhindern. Bislang gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Ob das funktioniert, ist offen. Das größte Problem dürfte sein, die neue Regelung gegenüber den Flüchtlingen zu kommunizieren.

Wachmann schlägt einem Flüchtling ins Gesicht

Aber auch so macht das Lageso wieder negativ auf sich aufmerksam. So wurde ein Flüchtling am Montagvormittag mit Gesichtsverletzungen ins Krankenhaus gebracht. Er wollte offenbar in den sogenannten Sicherheitsbereich und unterließ dies auch nach Aufforderung nicht. Daraufhin soll er einen der Sicherheitsmänner geschlagen haben, dieser revanchierte sich mit einem Schlag ins Gesicht.

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An dieser Stelle am Lageso sind die Mitarbeiter der Firma Spysec zuständig. Sie gelten seit mehreren Vorfällen als schnell überfordert und nicht genügend qualifiziert. Drei von ihnen wurden nach der Misshandlung von Flüchtlingen bereits suspendiert. Bis die Ausschreibung nach einem neuen Dienstleister abgeschlossen ist, dauert es aber noch Monate.

Während alle Blicke sich weiterhin auf das Lageso richten, wird übersehen, dass es eine zweite Behörde in Berlin gibt, wo ähnlich katastrophale Zustände herrschen. So spitzt sich die Situation am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Spandau offenbar von Tag zu Tag zu. Freiwillige Helfer schlagen Alarm. „Täglich kommen bis zu 800 Menschen“, sagt Martina Rüdiger von der Initiative „Spandau hilft“.

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Die Behörde kann diese Zahl aber nicht stemmen – ein Großteil der Flüchtlinge wird deshalb zur Mittagszeit wieder weggeschickt. Das BAMF offenbare keine guten Zustand, so Rüdiger. Es gebe keine Lautsprecherdurchsagen, die Mitarbeiter müssten jeden Flüchtling persönlich an der Eingangstür aufrufen. Auch Computerabstürze seien ein Problem.

„Das Lageso, das Hauptschiff des Senatsversagens, findet mit dem BAMF das Beiboot des Grauens“, heißt es in einem Kommentar bei Facebook. Das Problem: In der Spandauer Behörde stellen diejenigen Flüchtlinge einen Asylantrag, die zuvor in der Moabiter Kruppstraße registriert wurden. Denn anders als in der Wilmersdorfer Bundesallee ist das BAMF in der Kruppstraße nicht aktiv. Zuletzt stieg die Zahl registrierter Flüchtlinge in der Krupp­straße aber stark an – und das BAMF kam nicht mehr hinterher. „In den letzten zwei Wochen ist der Andrang wieder größer geworden“, sagt Rüdiger.

Bis zu 500 Brote schmieren die Helfer am Tag

Die selbstständige Webentwicklerin und ihre Mitstreiter fühlen sich von offizieller Seite im Stich gelassen. Anders als am Lageso, wo ein Caterer im Auftrag des Senats immerhin Essen austeilt, wurde der Initiative am BAMF „gerade so“ ein Container zur Verfügung gestellt. Dort übt man sich im Brote­schmieren – bis zu 500 am Tag.

Das Kochen warmer Gerichte wurde vom Veterinäramt untersagt, zudem gibt es nicht mal einen Wasseranschluss. Und auch der Witterungsschutz lässt zu wünschen übrig, die Wartebereiche im Inneren und in einem Nachbargebäude bieten laut „Spandau hilft“ nur Platz für rund 100 Menschen.

„Die Luft ist raus, wir sind einfach nur fertig“, beklagen die Helfer – und versuchen dennoch weiterhin während der Öffnungszeiten ( 7 bis 14 Uhr) präsent zu sein. „Das ist nicht immer leicht, viele von uns sind berufstätig“, sagt Rüdiger. Die Lageso-Initiative „Moabit hilft“ hat nach eigenen Angaben bereits Helfer als Unterstützung vorbeigeschickt. Gern gesehen sind auch ungeöffnete Lebensmittel wie Toastbrot und Obst, Schokocreme und Käse.

Eine Morgenpost-Anfrage an das BAMF blieb am Montag bis Redaktionsschluss unbeantwortet.