Musikvideo

Video aus Berlin - Der BVG ist auf einmal fast alles egal

Mit einem Rap-Video versuchen die Berliner Verkehrsbetriebe ihr Image aufzubessern. Der Clip kommt bei Facebook und Youtube gut an.

Rapper Karim Akboga als Kontrolleur im BVG-Video "Is mir egal"

Rapper Karim Akboga als Kontrolleur im BVG-Video "Is mir egal"

Foto: BVG

Berlin. „Egal gibt’s nicht.“ Das halten Eltern ihren Kindern häufig entgegen, wenn diese auf eine Frage mit „Is’ mir egal“ antworten. Egal. Was ist das eigentlich für ein Wort? Es bedeutet Gleichgültigkeit. Und auch ein bisschen Trotz schwingt da in den zwei Silben mit. Wenn man das Adjektiv einer deutschen Stadt zuordnen müsste, würde es wahrscheinlich am besten zu Berlin passen. E-G-A-L. Vier Buchstaben für eine Viermillionenstadt.

Alles egal: BER, Staatsoper, Schultoiletten, Lageso. Wird schon. Irgendwie. Irgendwann. Wer vor allem mit Negativmeldungen in der Presse auf sich Aufmerksam macht, hat wohl nichts anderes verdient, als mit einer rigorosen Egal-Haltung identifiziert zu werden. In Berlin da läuft halt nicht immer alles so reibungslos. Davon geht man sowieso aus. Aber was soll’s – is’ ja auch egal.

„Is’ mir egal“ – das sagen jetzt auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Nachdem Anfang des Jahres der erste Teil ihrer „Weil wir dich lieben“-Werbekampagne, in der sie ihre Fahrgäste über das soziale Netzwerk Twitter aufforderten, ihre schönsten BVG-Momente zu teilen, im Netz zunächst nur belächelt wurde, ging am Freitag der zweite Teil online.

Dieses Mal fahren die landeseigenen Verkehrsbetriebe mit einem Musikvideo auf. In gut zwei Minuten rappt sich der Neuköllner Netz-Star Kazim Akboga als Kontrolleur mit ziemlich flachen Reimen, welche aber schnell ins Ohr gehen, durch die BVG-Welt. Zwischen Pferden und Sofas, Trompetern und Zwiebel schneidenden Frauen, „Gruftis“, Transvestiten und Turnern. Das sind die Bilder, die einem in dem Video so begegnen. Am Ende aber alles doch gar nicht so weit von der Realität entfernt. Das Pony in der Bahn, das gab es ja tatsächlich einmal. War allerdings in der S-Bahn.

Gesunde Selbstironie der BVG

Für die Darstellung des Großstadtdschungels hat der ehemalige Werbetexter Akboga sein wahllos komponiertes Lied „Is’ mir egal“, mit dem der 33-Jährige im vergangenen Jahr einen kleinen Youtube-Hit landete, einfach umgetextet. In seinem bewusst gebrochenen Deutsch benennt Akboga darin alles, was ihm in U-Bahn, Bus und Tram so alles begegnet. Aus Langeweile während seiner Arbeitslosigkeit sei der ursprüngliche Song damals entstanden. Nun hilft er der BVG damit, sich selbst auf den Arm zu nehmen. Selbstironie soll ja gesund sein.

Besonders deutlich zeigt sich das, wenn das eigene Werbefoto zitiert wird. Wenn Akboga eine Frau in Klamotten in den Farben des typischen Fleckenbezugs der U-Bahn-Sitzbänke als Plagiat bezeichnet – ebenfalls Teil der Kampagne. Und dann singt Akboga noch „Wir euch lieben, is’ euch egal.“ Das sitzt. Spätestens an dieser Stelle wird das Signal klar: Wir nehmen uns nicht so ernst, wie man denkt. Alles egal halt.

Schwarzfahrer sind der BVG "nich' egal"

Genauso egal: Laute Musik. Roboter mit Senf. Bart an Ladys. Montagmorgen. Keinesfalls egal aber ist der BVG übrigens ein gültiges Ticket. In all der Monotonie der Melodie, reißt es den Hörer fast schon raus, wenn aus „is’ mir egal“ plötzlich „is’ nich’ egal“ wird.

Diese Aneinanderreihung der Szenen geht aber auch an die Allgemeinheit raus. Denn so gleichgültig der typische Berliner tut, ist er ja am Ende doch nicht. Schließlich regt er sich wahnsinnig gerne über Essensgeruch im Waggon auf, was im Video mit der Zwiebel schneidenden Frau karikiert wird.

Die BVG inszeniert sich damit selbst als ziemlich tolerant. Immerhin zeigt Akboga mit seinem Spaziergang durch die BVG-Landschaft, dass die Betriebe für alle Skurrilitäten Platz haben. Um das noch zu unterstreichen, wird zum Schluss der Satz „Nur wir lieben dich so, wie du bist“ eingeblendet. Gleichzeitig fordert sie aber auch zu mehr Toleranz auf. Und auch diese Eigenschaft schreibt man der offenherzigen Hauptstadt ja eigentlich zu. Zusammengefasst könnte die Botschaft der BVG in etwa so klingen: „Weil wir dich lieben, ist uns alles egal, auch wenn euch das egal ist, uns ist das ja auch egal.“ Oder so.

Aber is’ ja auch egal.

Die Originalversion von "Is mir egal" von Kazim Akboga