Berliner Verkehr

BVG testet erstmals Hybrid-Bus - auf der TXL-Linie

Ab Donnerstag soll erstmals ein Hybrid-Bus auf den Berliner Straßen rollen - auf der TXL-Linie zwischen Flughafen und Innenstadt.

Ab Donnerstag auf der TXL-Linie.  Hybrid-Bus vom Typ Volvo 7900

Ab Donnerstag auf der TXL-Linie. Hybrid-Bus vom Typ Volvo 7900

Foto: Thomas Fülling

Kein Ruckeln, kein Grummeln – sanft, geschmeidig und beinahe geräuschlos rollt der tonnenschwere Bus an. Erst ab Tempo 20 schaltet sich der Dieselmotor zu, um das Fahrzeug auf höhere Geschwindigkeiten zu beschleunigen. Noch dürfen nur ein paar Busfahrer zur Ausbildung in den „Schlenki“ einsteigen, voraussichtlich ab Donnerstag können auch Nutzer der Flughafen-Linie TXL den neuen und zudem umweltschonenden Fahrspaß haben.

Auf der Suche nach der nächsten Busgeneration testen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bereits seit Jahresbeginn verschiedene Fahrzeugkonzepte. Erstmals wird nun auch ein Gelenkbus mit Hybridantrieb erprobt. Das Fahrzeug vom schwedischen Hersteller Volvo verfügt sowohl über einen Dieselmotor, der die Euro-6-Schadstoffnorm erfüllt, als auch über einen Elektromotor. Durch diese Antriebskombination, aber auch durch Leichtbauweise soll der Kraftstoffverbrauch – und damit auch die Kohlendioxidbelastung der Umwelt – des Volvo 7900 Hybrid um mindestens 39 Prozent gegenüber Bussen mit herkömmlichem Dieselantrieb sinken, verspricht der Hersteller. Eingesetzt werden Gelenkbusse dieses Typs bereits in Hamburg und Flensburg, in der Solovariante seit zwei Jahren auch in Potsdam.

„Wir haben von sehr guten Erfahrungen dort gehört“, sagte BVG-Busdirektor Martin Koller. Es müsse sich nun aber zeigen, ob die guten Werte auch im harten Berliner Betriebsalltag erreicht werden können. Für den auf vier Wochen konzipierten Praxistest hat die BVG daher die Linie TXL aus gewählt, die den Flughafen Tegel mit der Berliner Innenstadt verbindet. Besondere Merkmale der Linie: Der Bus steckt entweder gleich am Flughafen, spätestens aber in Moabit oder in Mitte im Stau. Das bedeutet Höchstbelastung für Fahrer, Motor und Getriebe.

Da die Fahrgäste meist auch mit großem Gepäck unterwegs sind, gelten die Anforderungen an den Bus als besonders hoch. Mehr Platz für Rollkoffer und Surfbretter, das bietet der Testbus indes nicht.

Fahrzeuge mit größeren Ablagen haben sich nicht bewährt

Denn er ist ein Vorführwagen, den der Hersteller überall in Europa zu Demo-Zwecken einsetzt. „Kommt es zu einer Bestellung, ist natürlich bei der Innenraumgestaltung alles denkbar. Der Kunde ist da König“, sagt Andreas Heuke, Repräsentant der Volvo Trucks AG. Und weil es sich um einen Vorführwagen handelt, wird der Gelenkbus auch nicht im BVG-typischen Gelb, sondern im neutralen Weiß in der Stadt unterwegs sein.

Doch warum setzt die BVG keine Busse ein, die speziell auf die Bedürfnisse von Fluggästen zugeschnitten sind? „Wir hatten ja früher mal Busse mit größeren Gepäckablagen. Die haben sich im Alltag aber nicht bewährt“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Kaum ein Fahrgast würde seinen Koffer länger ohne Aufsicht lassen wollen. Zudem müssten die Busse auch auf anderen Linien einsetzbar sein. Der Wegfall von Sitzplätzen zugunsten von mehr Abstellfläche würde auf wenig Verständnis stoßen. Angesichts immer größerer Koffer gibt es aber ein Umdenken bei der BVG. „Wenn der BER mal eröffnet ist, wird es eine reine Zubringerlinie zum U-Bahnhof Rudow geben“, so Reetz. Dort könnte es sinnvoll sein, spezielle Busse fahren zu lassen.

Der gut 18 Meter lange Hybrid-Gelenk-Bus von Volvo, der im polnischen Wrocław (Breslau) montiert wird, kann wie seine in Berlin bereits im Einsatz befindlichen „Kollegen“ von Solaris und Scania maximal 99 Fahrgäste transportieren. Bis zu 54 bietet er einen Sitzplatz. Der Bus ist barrierefrei, an der mittleren Tür befindet sich ein Mehrzweckabteil, das Platz für einen Rollstuhl und Kinderwagen bietet. Die Sitze sind weicher gepolstert als die Hartschalensitze, die die BVG vorbeugend gegen Vandalismus einbauen lässt. Zuletzt sind die Schäden aber zurückgegangen. „Wir geben für die Beseitigung rund 30 Prozent weniger aus“, so Koller. Die Gründe für die Trendwende sind nicht ganz klar, es könnte sich aber um eine positive Folge einer immer stärkeren Smartphonenutzung während der Fahrt handeln.

In diesem Jahr waren oder sind bei der BVG sechs verschiedene Busse im Test. Die beiden neuen Doppeldecker von Scania und VDL fahren vor allem zwischen Spandau und der City West. Dort hatte es im November eine große Kundenbefragung gegeben. „Insgesamt gibt es aber viel Lob, sowohl von den Fahrgästen als auch von den Fahrern“, sagte BVG-Buschef Koller. Wohl in der zweiten Hälfte 2016 soll es eine europaweite Ausschreibung der nächsten BVG-Doppeldeckergeneration geben.

Schon wieder Ausfall beim Test von Elektrobussen

Im nächsten Jahr will die BVG auch eine Entscheidung darüber treffen, ob die Hybridtechnik bei der Anschaffung neuer Busse eine Chance bekommt. „Am Ende muss der Einsatz wirtschaftlich und zuverlässig sein“, sagte Busdirektor Koller, wohl auch mit Blick auf den aktuellen Test rein elektrisch betriebener Busse auf der Linie 204. Die vier Solaris 12 electric standen wochenlang still, weil es Probleme mit den Batterien gab. Erst vorige Woche wurde der Betrieb auf der Linie zwischen Zoo und Südkreuz wieder aufgenommen. Am Montagabend, so Koller, musste aber erneut ein E-Bus nach einer Fehlermeldung abgeschleppt werden. Die Ursache ist noch unklar.

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