Nahverkehr in Berlin

Berliner S-Bahnkunden müssen bis 2021 auf neue Züge warten

Die Deutsche Bahn soll weiterhin den S-Bahn-Ring in Berlin betreiben. Der Betrieb kostet das Land nun 25 Millionen Euro mehr.

Der S-Bahn-Verkehr in Berlin bleibt auch in den kommenden zwei Jahrzehnten in der Hand der Deutschen Bahn. Die dringend benötigten neue Züge werden aber erst ab 2021 zum Einsatz kommen. Das ist das Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung durch die Länder Berlin und Brandenburg. Der milliardenschwere Auftrag für den Betrieb der Ringbahn und von drei Zubringerlinien geht demnach an die S-Bahn Berlin GmbH, einer Tochter der Deutschen Bahn AG, wie Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) am Dienstag mitteilte. Der förmliche Zuschlag für den Auftrag bis 2035 soll aber erst am 21. Dezember erfolgen. Bis dahin können unterlegene Wettbewerber noch Einspruch gegen die Vergabe erheben. Senator Geisel ist aber zuversichtlich: "Unser Ergebnis ist rechtssicher", betonte er.

Berlin und Brandenburg hatten 2012 den Betrieb des "Teilnetzes Ring" für die Zeit nach Ende des aktuellen Verkehrsvertrags mit der S-Bahn im Dezember 2017 ausgeschrieben. Hintergrund waren Vorgaben der EU und eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs. Der Senat wollte aber auch Lehren aus der S-Bahn-Krise von 2009/10 ziehen, als aufgrund von Wartungsmängeln an den Zügen, aber auch durch Missmanagement ein Großteil des S-Bahn-Verkehrs der Stadt über Wochen zum Erliegen kam.

Geisel: 25 Millionen Euro mehr pro Jahr

An dem prestigeträchtigen Auftrag hatten Eisenbahnen aus der ganzen Welt Interesse gezeigt, darunter National Express aus Großbritannien oder die Betreiberin der Pariser Metro RATP. Wegen der komplexen Ausschreibungsbedingungen und des hohen Investitionsbedarfs waren sie aber alle ausgestiegen. Als einziger Bewerber blieb die S-Bahn Berlin übrig.

Laut Geisel liegen die Kosten für den 15-Jahres-Auftrag rund 370 Millionen Euro über den heutigen Zahlungen an die S-Bahn. "Das sind im Durchschnitt 25 Millionen Euro mehr pro Jahr. Dafür bekommen wir 20 Prozent mehr Leistung auf der Ringbahn und neue, moderne Züge." Die Grünen hatten Mehrkosten von 100 Millionen Euro pro Jahr errechnet.

S-Bahn-Chef Peter Buchner gab sich erfreut: "Wir sind dankbar dafür, dass wir uns das Vertrauen der Aufgabenträger und unserer Fahrgäste wieder erarbeiten durften." Noch im Dezember will die S-Bahn bei einem Konsortium aus Siemens und Stadler die in der Ausschreibung geforderten 191 Doppelwagen bestellen. "Der Auftrag bleibt damit in der Region", sagte Geisel. Die ersten neuen Züge werden wegen der langen Entwicklungszeit erst 2021 in Dienst gehen, die Lieferung aller Wagen dauert bis Herbst 2023.

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