Berlin-Trend

Vor allem die Jungwähler sehen Berlins Senat kritisch

Die Berliner sehen den Senat überwiegend kritisch. Aber der Regierende Bürgermeister ist beliebter als im März. Dafür verliert Henkel.

Das Berliner Abgeordnetenhaus: Die Arbeit der Landesregierung sorgt für Skepsis bei den Wahlberechtigten

Das Berliner Abgeordnetenhaus: Die Arbeit der Landesregierung sorgt für Skepsis bei den Wahlberechtigten

Foto: DAVIDS/Darmer / DAVIDS

Es gibt Landesväter und -mütter, die sind deutlich beliebter als Michael Müller. Von persönlichen Werten eines Olaf Scholz in Hamburg oder einer Annegret Kramp-Karrenbauer im Saarland kann Berlins Regierender Bürgermeister nur träumen. Dennoch hat sich Müller in den Augen der Hauptstädter in seiner nun knapp einjährigen Amtszeit ein persönliches Ansehen erworben, das nicht wirklich zusammenpasst mit den Umfragewerten seiner SPD und der wachsenden Skepsis einer Mehrheit gegenüber dem von ihm geführten Senat.

Womöglich war es seine Regierungserklärung zum Thema Flüchtlinge verbunden mit einer Standpauke an seinen Koalitionspartner CDU, die Müllers Beliebtheitswerte im Berlin Trend von Morgenpost und RBB-Abendschau etwas steigen ließ. Laut Infratest dimap sind unter den 1001 repräsentativ für alle Wähler befragten Berlinern 54 Prozent mit Müller zufrieden, zwei Punkte mehr als im März.

Mehr Berliner sind mit der Arbeit der Landesregierung unzufrieden

Sein Koalitionspartner, der CDU-Innensenator Frank Henkel, musste hingegen Verluste hinnehmen und rutschte um drei Prozentpunkte auf 31 Prozent ab. Außerdem äußern sich mehr Berliner unzufrieden über Henkel als ihn positiv bewerten. Bei Müller ist der Anteil der Unzufriedenen zwar von elf auf 20 Prozent gewachsen, insgesamt überwiegt aber die positive Einschätzung.

Wie einst sein Vorgänger Klaus Wowereit kann auch Müller auf das Vertrauen der SPD-Klientel bauen. Drei von vier SPD-Wählern finden Müller gut. Bei Henkel und seinen CDU-Anhängern liegt der entsprechende Wert mit 58 Prozent deutlich niedriger. Zudem findet Müller auch Akzeptanz in anderen politischen Lagern. 57 Prozent der CDU-Wähler sind zufrieden mit dem Mann, über den sich die Unionsfunktionäre zuletzt sehr geärgert hatten – nach harten Ansagen unter anderem zur Homo-Ehe und zum Umgang wichtiger CDU-Senatoren mit der Flüchtlingskrise.

Womöglich sind es solche öffentlich ausgetragenen Zerwürfnisse im Regierungslager, die das Bild des Senats insgesamt überschatten. Der Anteil derjenigen, die mit der Arbeit der Regierung insgesamt unzufrieden sind, stieg gegenüber dem Berlin Trend vom März um vier Punkte auf 55 Prozent an. Nur 40 Prozent schätzen die Arbeit der Koalition positiv ein.

40 Prozent der jüngeren Wahlberechtigten wissen nicht, wer Michael Müller ist

Dabei verdankt es die Berliner SPD vor allem den jüngeren Wahlberechtigten, dass sie nicht viel stärker abgerutscht ist. Denn während jeder zweite Befragte zwischen 18 und 29 Jahren mit dem Senat zufrieden ist und die Koalition in dieser Gruppe sogar zulegen konnte, liegen die Anteile in den anderen Altersgruppen deutlich darunter. Unter den älteren Berlinern ist die Zustimmung zur Arbeit des Senats erheblich stärker gesunken als im Durchschnitt aller Wähler.

Erstaunlich ist wiederum, dass die Zufriedenheit der Jungen in vielen Fällen offenbar auf einer Unkenntnis der handelnden Personen basiert. So sagen 40 Prozent der 18- bis 29-Jährigen, sie würden Müller nicht kennen oder könnten sich kein Urteil erlauben. Unter allen Befragten kann jeder vierte Berliner keine Meinung zu dem Mann äußern, der seit vergangenem Dezember die Stadt regiert. Alle anderen Senatoren und Oppositionspolitiker sind noch viel unbekannter. Fast jeder Dritte kennt zum Beispiel Innensenator Frank Henkel nicht oder kann ihn nicht bewerten. Viele der Spitzenpolitiker sind mehr als zwei Dritteln der Wähler unbekannt.

Entsprechend groß ist die Unsicherheit über eine Wahlentscheidung im kommenden Herbst. Jeder Dritte ist noch unentschlossen.

AfD wächst in Berlin offenbar auf Kosten der CDU

Deutlich wird aber, dass die rechtspopulistische AfD von der Flüchtlingskrise auch in Berlin profitiert. Neun Prozent, im Osten zwölf Prozent, würden heute AfD wählen. Unter Männern ist der Anteil mit zwölf Prozent doppelt so hoch wie unter den Frauen. Überproportional stark ist die Partei bei Menschen mit mittlerem Bildungsgrad.

Offenbar wächst die AfD auch auf Kosten der CDU. Die Partei büßte drei Punkte ein und kommt auf 23 Prozent, während SPD (27 Prozent), Grüne (15 Prozent) und Linke (14 Prozent) nur minimal nachgeben oder stabil abschneiden. Auch der Hauptverantwortliche für den Umgang mit Flüchtlingen verliert. Mit Sozialsenator Mario Czaja (CDU) sind nur noch 20 Prozent zufrieden (minus drei Prozentpunkte), 31 Prozent unzufrieden. Selbst CDU-Anhänger sehen Czajas Arbeit eher negativ.