Pannenflughafen

Abgeordnete zweifeln an BER-Eröffnung im Jahr 2017

Der Flughafenchef will den Airlines vier Wochen Zeit für ihren Umzug von Tegel geben. Doch wann der BER in Betrieb geht, bleibt offen

Flughafen-Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld (l) und sein Technikchef Jörg Marks stellen sich am Mittwoch den Fragen der Berliner Abgeordneten

Flughafen-Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld (l) und sein Technikchef Jörg Marks stellen sich am Mittwoch den Fragen der Berliner Abgeordneten

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Wann wird der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnet? Auf diese Frage wird es in diesem Jahr wohl keine Antwort mehr geben. Das machte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld am Mittwoch bei einer Anhörung im Verkehrsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses deutlich. Zwar wird sich der BER-Aufsichtsrat noch im Dezember mit dem aus den Fugen geratenen Terminplan beschäftigen. Doch verlässliche Aussagen, was zur Fertigstellung des Pannen-Flughafens noch zu tun sei, könnten erst im Frühjahr 2016 getroffen werden. Bis dahin hofft der Flughafenchef auf eine Entscheidung des Landkreises Dahme-Spreewald über die Nachträge zum BER-Bauantrag. „Erst dann können wir auch sagen, ob der Eröffnungstermin in der zweiten Hälfte 2017 zu halten sein wird“, sagte Mühlenfeld den Verkehrsexperten der Fraktionen.

Bauordnungsamt entscheidet erst im Frühjahr

Mühlenfeld rechnet damit, dass die Prüfung des Nachtrags für den umfangreichen Umbau der Brandschutzanlage bis Januar, die des Nachtrags für alle übrigen Restarbeiten bis Februar dauern werde. „Danach muss das Bauordnungsamt noch zustimmen“, so Mühlenfeld. Der Ende 2014 von Mühlenfelds Vorgänger Hartmut Mehdorn dem Aufsichtsrat vorgelegte Zeitplan ging noch davon aus, dass das Okay der Behörden noch im Herbst dieses Jahres vorliegen wird. Die bauliche Fertigstellung sollte demnach im Frühjahr 2016 abgeschlossen sein. Nun ist von einem Abschluss der Arbeiten im Sommer 2016 die Rede.

18 Monate für Abnahmen und Tests benötigt

Angesichts des von Mühlenfeld bereits mehrfach eingeräumten Rückstands von „drei bis vier Monaten gegenüber dem Zeitplan“, bezweifelten vor allem die Verkehrsexperten der Grünen und der Linken, dass eine Eröffnung 2017 realistisch ist. „Das Mehdorn-Konzept geht von zwölf Monaten aus, die nach der baulichen Fertigstellung für Tests und Abnahmen benötigt werden. Sechs Monate sind für Erprobung des Betriebs vorgesehen. Das sind zusammen 18 Monate“, rechnete die Linke-Abgeordnete Jutta Matuschek vor. Eine Eröffnung des BER sei daher erst 2018 realistisch.

„Es sei denn, Sie wollen die verschiedenen Prozesse wieder übereinander legen“, sagte Matuschek in Anspielung auf das Chaos im Februar 2012, als Komparsen den Flughafenbetrieb inmitten von Bauleuten erproben mussten. Das Ergebnis ist bekannt: Vor allem wegen gravierender Probleme beim Brandschutz musste die für 3. Juni 2012 angekündigte Eröffnung des BER kurzfristig abgesagt werden.

Vier Wochen zeit für Umzug von Tegel nach Schönefeld

Laut Mühlenfeld wird der BER, anders als 2012 vorgesehen, nicht von einem Tag auf den anderen den gesamten Berliner Luftverkehr übernehmen. Vielmehr sollen die Fluggesellschaften innerhalb von vier Wochen vom Flughafen Tegel nach Schönefeld umziehen. Den Betreibern wäre noch mehr Zeit lieber, Bundespolizei und Flugsicherung könnten jedoch ihre Aufgaben nicht über einen noch längeren Zeitraum an drei Flughäfen gleichzeitig bewältigen. Eine der beiden großen Airline-Verbünde um Lufthansa und Air Berlin soll nach dem Konzept zuerst umziehen, der zweite vier Wochen später.

Bearbeitung Lärmschutzanträge dauert länger

Verfehlen wird der Betreiber des BER in jeden Fall das selbst gesteckte Ziel beim Lärmschutz. „Wir gehen davon aus, dass wir alle Schallschutzanträge, die gestellt wurden, im ersten Quartal 2016 bearbeitet haben werden“, kündigte Mühlenfeld an. Sein Vorgänger Hartmut Mehdorn hatte vor einem Jahr noch versprochen, dass sämtliche Antragsteller bis zum Jahresende 2015 einen Bescheid erhalten, mit dem sie Handwerker bestellen können. Die Verzögerung sei „kein Riesenproblem“, sagte Mühlenfeld. „Dann ist immer noch genügend Zeit zur Umsetzung.“

Schallschutz für weniger als ein Fünftel der Anspruchsberechtigten

Bislang sind laut Mühlenfeld 73 Prozent der 19.700 Anträge für Schallschutzmaßnahmen bewilligt. Lärmschutzfenster eingebaut oder Entschädigungen ausgezahlt wurden jedoch erst bei 3100 Haushalten. Damit ist der Schallschutz bei weniger als einem Fünftel der Anspruchsberechtigten auch real umgesetzt. Gleich zwei Probleme verhindern laut Mühlenfeld bisher schnellere Fortschritte. Viele Flughafen-Anwohner wollen demnach keine Doppelfenster einbauen lassen, weil sie in die Räume hineinragen. Zweites Hemmnis: Die angewandte Innendämmung reduziert den Wohnraum. „Für eine Außendämmung gibt es bisher aber keine zertifizierten Verfahren“, sagte Mühlenfeld. Diese seien aber die Voraussetzung dafür, dass die hohen Lärmschutzwerte auch eingehalten werden, welche die Gerichte für den BER vorschreiben.