Bad im Fluss

Berlin ist dem Baden in der Spree einen Schritt näher

Nach einer neuen Studie ist die Idee eine Flussbades im Berliner Kupfergraben machbar. Hauptproblem bleibt die Wasserqualität.

Eine Simulation zeigt, wie das Flussbad in Mitte aussehen könnte

Eine Simulation zeigt, wie das Flussbad in Mitte aussehen könnte

Foto: united/Flussbad Berlin e.V.) / BM

Eine Badeanstalt in der Spree, direkt in der historischen Mitte – diese Idee des Vereins Flussbad Berlin klingt für viele wie reine Utopie. Doch das Konzept ist grundsätzlich realisierbar. Zu dem Ergebnis kommt eine Machbarkeitsstudie im Auftrag des Vereins, die von der Berliner Lottostiftung mit 110.000 Euro gefördert worden ist. Als Ergebnis „konnte die Plausibilität des ursprünglichen Konzeptansatzes grundsätzlich bestätigt werden“, lautet das Fazit der Studie, die von mehreren Ingenieurbüros und Juristen erstellt worden ist.

Wie berichtet, wirbt der Verein Flussbad Berlin seit 2012 für seinen Plan, im Kupfergraben vor der Museumsinsel (Mitte) ein Freibad mit einem 750 Meter langen Schwimmbecken zu errichten. Geplant war, den eineinhalb Kilometer langen stillgelegten Spreekanal in drei Abschnitte zu teilen. An eine renaturierte Sumpf- und Parklandschaft entlang des Märkischen Ufers und eine Filteranlage zwischen Schleusen- und Gertraudenbrücke sollte sich auf Höhe von Schlossplatz und Bode-Museum das Schwimmbad anschließen. Den Zugang zum Wasser sollte eine Freitreppe am Lustgarten ermöglichen. Architekt Tim Edler vom Verein Flussbad Berlin, der schon seit 1998 an der Idee des Freibades gearbeitet hatte, ist zufrieden. „Die Studie ist erfreulich, weil sie ergibt, dass das Projekt technisch durchführbar ist.“

Allerdings schlagen die Fachleute auch Änderungen des Vereinskonzeptes vor. So soll der Spreekanal weiterhin zur Ableitung von Hochwasserspitzen der Spree dienen. Dafür müsste ein Wehr und unterhalb der Filteranlagen ein Bypass zwischen Spree und Spreekanal errichtet werden. Auf eine Umgestaltung der Uferkanten im weiteren Umfeld soll verzichtet werden. Der im Ursprungskonzept vorgesehene Umkleidebereich im Sockel des ebenfalls an der Schlossfreiheit geplanten Denkmals für Freiheit und Einheit könnte verkleinert und teilweise als schwimmende Konstruktion ausgeführt werden.

Die Autoren der Studie weisen auch darauf hin, dass das Flussbad in unmittelbarer Nähe der Museumsinsel liegt, die als Unesco-Weltkulturerbe besonders geschützt ist. „Die Leitlinien zum Schutz des Weltkulturerbes „sind in der weiteren Planung des Projekts Flussbad Berlin zu berücksichtigen“, heißt es. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, hatte das Flussbad-Projekt kritisiert und vor Schäden an der Museumsinsel gewarnt.

Land und Bund unterstützen das Vorhaben grundsätzlich. Aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ wird Flussbad Berlin mit 2,6 Millionen Euro unterstützt, die der Berliner Senat beantragt hatte. „Grundsätzlich stehen wir dem Projekt positiv gegenüber“, sagte Martin Pallgen, Sprecher von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD), der Berliner Morgenpost. Seine Verwaltung sehe allerdings noch Klärungsbedarf, etwa bei der Abstimmung mit Planungen wie dem Freiraum für das Humboldt-Forum oder der U-Bahnlinie 5. Fragen zum Filtersystem müssten ebenso vertieft werden wie die der Eisabfuhr im Winter oder die Einleitung von Abwasser aus der Mischwasserkanalisation.

Die Wasserqualität gilt bisher als größtes Hindernis für das Flussbad. Durch die Mischwasserkanalisation fließt Schmutzwasser bei starkem Regen in die Spree. Und das Problem der Sulfatanreicherung des Flusses durch den Tagebau in der Lausitz muss nach der Studie gelöst werden, bevor der Kanal zum Bad umgebaut werden könne.

Dass die nun vorgelegte Expertise für das Flussbad noch nicht der Durchbruch ist, weiß auch der Verein. Die Kosten für ihr Vorhaben können die Initiatoren auch noch nicht beziffern. Als nächsten Schritt will der Verein im Bereich der alten Schleuse Testfilter einbauen und mit einer Messreihe beweisen, dass das System zur Schaffung von Badewasserqualität im Kupfergraben grundsätzlich funktioniert.