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HU-Präsident Olbertz bleibt nach Absage vorerst im Amt

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Florentine Anders
Die Humboldt-Universität in Mitte soll einen neuen Präsidenten bekommen, doch wann ist nun unklar

Die Humboldt-Universität in Mitte soll einen neuen Präsidenten bekommen, doch wann ist nun unklar

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Berlin ist der designierte Nachfolger des jetzigen Präsidenten der Humboldt-Uni abhanden gekommen. Wie es jetzt weitergehen soll.

Nach der kurzfristigen Absage von Martin Lohse, dem designierten Präsidenten der Berliner Humboldt-Universität (HU), will das Kuratorium jetzt möglichst schnell einen neuen Kandidaten nominieren. Der amtierende Präsident der Humboldt-Universität versicherte, dass er sein Amt fortführen werde, bis ein Nachfolger gefunden sei, sagte ein Sprecher der Universität am Dienstag. Zur Suche nach einem Nachfolger wollte sich der scheidende Präsident Jan-Hendrik Olbertz nicht äußern.

Die Senatswissenschaftsverwaltung und Gremien der Universität reagierten mit Unverständnis auf die kurzfristige Absage des Mediziners Lohse. Dieser rechtfertigte sich in einer Stellungnahme: Eine feste Zusage habe es nicht gegeben. Er habe lediglich der Nominierung und dem Sondierungsprozess zugestimmt.

Lohses Äußerungen irritieren in Berlin

Der Staatssekretär für Wissenschaft, Steffen Krach (SPD), bezeichnete diese Äußerung als „sehr irritierend“. Als international renommierter Wissenschaftler müsse Lohse klar sein, dass eine Nominierung in Absprache mit dem Kuratorium eine klare Verbindlichkeit habe, so Krach. Auch der Veröffentlichung der Nominierung habe der Kandidat zugestimmt. Ebenso unverständlich sei die Begründung, er wäre nicht der Richtige, um die nötige Reform der Verwaltungs- und Finanzierungsaufgaben in die Wege zu leiten. „Auch über die Verwaltungsaufgaben wurde in den Gremien vor der Nominierung ausführlich gesprochen“, sagte Krach. „Wer Präsident der Humboldt-Universität werden möchte, weiß, dass er in dieser Funktion mehr Manager als Wissenschaftler ist.“

Um die Neuorganisation der Verwaltung gibt es an der Humboldt-Universität einen lang andauernden Streit. Präsident Jan-Hendrik Olbertz wollte die Bereiche zentralisieren und einem Kanzler übertragen. Jedoch konnte er sich mit seinen Plänen im Konzil nicht durchsetzen, Mitglieder des Gremiums befürchteten, dadurch an Einfluss zu verlieren. Lohse führte vor allem diesen Grund für die Rücknahme seiner Kandidatur an: Er sei in den Verwaltungs- und Finanzierungsfragen zu denselben Schlüssen gekommen, mit denen der amtierende Präsident im Konzil gescheitert sei, schrieb Lohse.

Möglicherweise habe Lohse aber auch noch mit anderen Wissenschaftseinrichtungen verhandelt, war am Montag aus Senatskreisen verlautet.

Dass er die Position von Amtsinhaber Olbertz einnimmt, habe Lohse in den Befragungen nicht erkennen lassen, sagte João Fidalgo, der als Studentenvertreter im Konzil sitzt. Lohse sei aber nur eine von vielen möglichen Optionen gewesen. Deshalb gehe er davon aus, dass jetzt schnell ein neuer Kandidat gefunden werde, sagte Fidalgo.