Tiere

Pflegestation für verletzte und verwaiste Eichhörnchen

Tanya Lenn setzt sich seit 16 Jahren für verletzte und verwaiste Eichhörnchen ein. Und sie leistet Aufklärungsarbeit.

Tanya Lenn gründete 2007 den Verein „Eichhörnchen-Hilfe Berlin/Brandenburg“. Jetzt seien die Tiere besonders gefährdet, sagt sie – im Herbst sind sie im „Sammel-Modus“ und achten weniger als sonst auf den Autoverkehr

Tanya Lenn gründete 2007 den Verein „Eichhörnchen-Hilfe Berlin/Brandenburg“. Jetzt seien die Tiere besonders gefährdet, sagt sie – im Herbst sind sie im „Sammel-Modus“ und achten weniger als sonst auf den Autoverkehr

Foto: David Heerde

Tanya Lenns Schützlinge heißen Liesl, Wuschel, Bigfoot oder Spacey. Die Vier leben derzeit mit rund 20 Artgenossen in einer 120 Quadratmeter großen Außenvoliere hinter ihrem Haus in Teltow. In dem Zuhause auf Zeit hängen Stoffsäcke von der Decke, die als Nest oder Höhle dienen, Baumstämme, Kratzbäume, frische Kiefernzweige und Schaukeln animieren zum Klettern, Springen und Spielen. Der Boden ist mit Rindenmulch bedeckt, um Nüsse vergraben zu können. Als Futter werden vor allem Hasel- und Walnüsse, Mais, Kiefernsamen, Sonnenblumenkerne, Obst und Gemüse gereicht.

Tanya Lenn setzt sich seit 16 Jahren für verletzte und verwaiste Eichhörnchen ein, gründete 2007 den Verein „Eichhörnchen-Hilfe Berlin/Brandenburg“ und rief 2014 die „Aktion Tier Eichhörnchenhilfe“ mit ins Leben. Insgesamt rund 1200 Sorgenkinder haben die 51-Jährige und ihre Mitstreiter seitdem in der offiziell registrierten Auffangstation aufgepäppelt, gesund gepflegt und wieder in die Natur entlassen.

Verletzte Eichhörnchen vorsichtig bergen und Experten zurate ziehen

Die Kosten dafür trägt ihr Verein zum größten Teil selbst und ist deshalb auf Spenden angewiesen. Für ihr Engagement wurde Lenn Anfang Oktober vom Senat mit dem Berliner Tierschutzpreis 2015 geehrt. Über jedes „Hörnchen“ oder „Horn“, wie sie ihre Tiere liebevoll nennt, führt sie für die Artenschutzbehörde Buch.

Jetzt, im Herbst, häufen sich wieder die Anfragen besorgter Tierfreunde bei der Expertin. „Eichhörnchen legen derzeit ihre Wintervorräte an und sind derart im ‚Sammel-Modus‘, dass sie zum Beispiel beim Überqueren von Straßen nicht nach rechts und links schauen“, sagt Lenn. Folge: Die Tiere werden von Autos erfasst, verletzt oder getötet. Sie bittet deshalb Autofahrer, besonders achtsam zu sein. Sollte etwas passieren, nachsehen, ob das Eichhörnchen noch lebt und verletzt ist. Vorsichtig mit einem Tuch oder mit Handschuhen hochheben, in einen Behälter legen, warm und dunkel halten. Sich dann bei Experten Hilfe holen.

Amerikanische Grauhörnchen sind noch nicht nach Deutschland eingewandert

„Viele meinen, ein Anruf bei uns genügt, und schon rückt die Tierfeuerwehr an. Doch das können wir leider nicht leisten, denn wir arbeiten alle ehrenamtlich“, sagt Tanya Lenn und appelliert: „Bitte übernehmen auch Sie ein kleines Stück Verantwortung!“ Jeder könne etwas zum Schutz von Eichhörnchen tun: Wasserschalen aufstellen, Regenwassertonnen abdecken und beim Baumschnitt auf Hörnchennester achten.

Und noch etwas treibt die Tierschützerin, die nicht nur Retterin in höchster Not ist, sondern auch viel Aufklärungsarbeit leistet, um: Meldungen, dass angeblich eingewanderte amerikanische Grauhörnchen unsere einheimischen Eichhörnchen vertreiben würden. Doch diese Tiere seien bislang gar nicht in deutschen Regionen nachgewiesen worden.

Drei viertel der ausgewilderten Hörnchen überleben in der Natur

Und sie unterscheiden sich deutlich im Aussehen. „So etwas macht mich wütend“, sagt Lenn, denn „wohlmeinende Menschen“ würden einheimische Tiere verjagen oder vergiften. „Es ist Unwissenheit, denn unsere Eichhörnchen können je nach Jahreszeit ganz verschiedene Fellfärbungen aufweisen – von Kastanienbraunrot bis zu Dunkelbraun, Grau und fast Schwarz. Was immer bleibt, ist der weiße Bauch.“

Im Frühjahr wird sich Tanya Lenn von den meisten ihrer derzeitigen Schützlinge verabschieden müssen, denn die Tiere werden wieder ausgewildert. „Mindestens drei viertel der Tiere, die wir auswildern, schaffen es über längere Zeit, in der Natur zu überleben“, sagt Tanya Lenn.

Informationen über Hilfe für in Not geratene Eichhörnchen und den Verein im Internet: aktiontier.org und eichhoernchenhilfe-berlin.de