Flüchtlingskrise

In Tempelhof wird in der Not die falsche Halle belegt

Die neue Unterkunft im Flughafen Tempelhof füllt sich langsamer als erwartet. Aber sie soll auch nur ein Provisorium sein.

Bundeswehr-Soldaten bauen im Flughafen-Hangar Zelte und Stockbetten auf

Bundeswehr-Soldaten bauen im Flughafen-Hangar Zelte und Stockbetten auf

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Die neue Berliner Notunterkunft für Flüchtlinge füllt sich deutlich langsamer als zunächst erwartet. Am Montag waren erst 60 Menschen im Hangar 1 des stillgelegten Flughafens Tempelhof angekommen. 660 Personen finden nach Angaben der Sozialverwaltung in den dort aufgestellten Zelten Platz.

In der Nacht zum Montag waren zwar zwei Busse mit Flüchtlingen aus Bayern in Tempelhof angekommen. Von diesen Menschen blieben aber nur 14 in der Unterkunft, die anderen reisten auf eigenen Wunsch weiter. Andere Flüchtlinge erschienen im Laufe des Tages und der Nacht auf eigene Faust.

Die Sozialverwaltung hatte am Wochenende in aller Eile die Betreiberfirma Tamaja beauftragt, den Hangar herzurichten. Man befürchtete einen akuten Engpass bei den Schlafplätzen für Neuankömmlinge. Um Obdachlosigkeit zu vermeiden, nahm das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) auch in Kauf, zunächst ein Provisorium zu errichten. Denn eigentlich ist der Hangar 3 des Terminals für Flüchtlinge geplant, auch weil im Hangar 1 das Dach undicht ist.

Bis zu 700 Flüchtlinge erreichen täglich Berlin

In wenigen Tagen, wenn die andere Halle bezugsfertig ist, könnten Zelte und Stockbetten für 660 Menschen wieder abgebaut und an den tatsächlichen Bestimmungsort umgezogen werden. Eine Nachricht, die bei den am Aufbau beteiligten Helfern von Bundeswehr, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk am Wochenende für Frust sorgte, wie ein Teilnehmer am Montag berichtete.

In der Senatssozialverwaltung ist man indes nicht so sicher, ob man nicht doch beide Hangars benötigen wird. Denn der Zustrom von Flüchtlingen nach Berlin hält ungebrochen an. Täglich kommen 600 bis 700 Menschen entweder mit Zügen oder Bussen aus Bayern oder auf eigene Faust in der Stadt an. Die Sozialverwaltung kann inzwischen fast 500 Menschen pro Tag registrieren. Vergangene Woche waren es 2416 Personen.