Schlachtensee

Spaziergänger ärgern sich über mehr als nur Hunde

Vierbeiner sind nicht das einzige Problem an Schlachtensee und Krumme Lanke. Das ergab eine aktuelle Umfrage unter den Seebesuchern.

Hundebesitzer dürfen auch weiterhin gemeinsam mit ihren Tieren am Schlachtensee  gegen das Hundeverbot demonstrieren. Das hat das Verwaltungsgericht entschieden

Hundebesitzer dürfen auch weiterhin gemeinsam mit ihren Tieren am Schlachtensee gegen das Hundeverbot demonstrieren. Das hat das Verwaltungsgericht entschieden

Foto: Paul Zinken / dpa

Das Hundeverbot am Schlachtensee und an der Krummen Lanke hat eine Debatte ausgelöst, in der es längst nicht mehr nur um die Tiere geht. Letztlich hat die seit Mitte Mai gültige Anordnung nur gezeigt, wie viele Probleme es tatsächlich an den Seen gibt. Müllberge, laute Partys mit viel Alkohol bis weit nach Mitternacht, zu wenige Toiletten, Vandalismus in den angrenzenden Wohngebieten und rasende Radfahrer zwischen den Spaziergängern – für all diese Probleme muss eine Lösung gefunden werden. Der SPD-Kreisverband Steglitz-Zehlendorf hat mit dem Ortsverein "Seenplatte" jetzt gleich zwei Aktionen gestartet, um das Miteinander an den Seen zu verbessern.

Meinungsbild soll erstellt werden

So wird derzeit eine Umfrage an den Seen durchgeführt, um zunächst ein Meinungsbild zu erstellen. "Wir wollen das Naherholungsgebiet, das seit Jahren von immer mehr Erholungssuchenden aufgesucht wird, für alle Menschen erhalten und schützen – ohne jemanden auszugrenzen", sagt Joachim Elsholz, Vorsitzender des Vereins. Auslöser für die Aktionen sei das Hundeverbot gewesen, das ohne vorherige Bürgerbeteiligung angeordnet wurde und zu vielen Konflikten geführt habe. "Es geht nicht nur um die Hunde, es geht um die Sauberkeit und darum, wie die Natur geschützt werden kann", sagt Elsholz. Ziel der Aktionen ist es, eindeutige Regeln für unterschiedlichste Nutzer aufzustellen.

Erste Zwischenauswertung liegt jetzt vor

So wollen Spaziergänger ruhige Wanderwege, Radfahrer schneller unterwegs sein, Jogger möchten ungestört in der Natur laufen und Hundehalter mit ihren Vierbeinern auf den Uferwegen spazieren. Andere wiederum kommen nur an die Seen, um in Ruhe zu schwimmen. "Verbote und Zäune sind keine Lösung", heißt es in einem Flyer zur Fragebogenaktion. Das führe nur zu Missstimmungen und neuen Ausgrenzungen. Während einige Gruppen durch Verbote bestärkt würden, würden andere dadurch verdrängt. Bereits 240 Interessierte haben ihre Meinung geäußert. Die erste Zwischenauswertung liegt vor.

Mehrheit gegen Grillplätze

Mehr als 180 sprechen sich demnach dafür aus, dass die Seen grundsätzlich von allen genutzt werden können. Fast 200 plädieren dafür, dass die Hundeauslaufgebiete besser ausgewiesen werden und Radfahrer auf den Uferwegen Schritttempo fahren sollen. Für mehr Toiletten und Abfalleimer sprechen sich fast alle aus. Die Hälfte (120) ist dafür, das Hundeverbot durch eine allgemeine Leinenpflicht zu ersetzen, 100 wollen hin-gegen, dass die Anordnung so bleibt, wie sie ist. Die Restlichen haben sich der Stimme enthalten. Abgefragt wurde auch, ob es an jedem See einen ausgewiesenen Grillplatz geben sollte. Die Mehrheit ist dagegen, 133 antworteten mit Nein, 77 konnten sich das jedoch vorstellen.

Im Oktober werden Ergebnisse präsentiert

Die Umfrageaktion läuft noch bis Ende September beziehungsweise Anfang Oktober. Dann soll sie endgültig ausgewertet werden. Die Ergebnisse und die daraus resultierenden Vorschläge werden den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung präsentiert.

Bereits vor dem Sommer haben die Bezirksverordneten der CDU-Fraktion mit dem Ortsverband Nikolassee eine Umfrage unter den Anwohnern der Seen zum Hundeverbot durchgeführt. Zwei Drittel sprachen sich für das Verbot aus, ein Drittel war dagegen. "Wir streben einen saisonalen Kompromiss an", sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Torsten Hippe.

Jeden Dienstag ist Protesttag

So sollte es erlaubt sein, im Winter mit den Hunden an der Leine am See spazieren zu gehen, im Sommer jedoch nicht. Auch Hippe sieht die Hunde als ein Problem unter vielen an den Seen. Beschallung, Vermüllung, Grillen – das sind weitere Konflikte, die er spontan aufzählt und an deren Regelung die CDU-Fraktion genauso interessiert ist, wie der SPD-Kreisverband.

Unterdessen treffen sich die Hundefreunde immer noch jeden Dienstag am Schlachtensee zu einem Protest-Spaziergang gegen das Hundeverbot. Nachdem die Polizei die Demonstration anfangs trotz des Hundeverbots an den Seeufern mit Vierbeinern erlaubt hatte, ruderte sie kurz darauf zurück. Mit der Begründung, dass die Tiere die öffentliche Sicherheit unmittelbar gefährden würden, waren die Hunde nicht mehr zugelassen.

Das wiederum konnte das Verwaltungsgericht nicht nachvollziehen und entschied: "Hunde dürfen am Schlachtensee mitdemonstrieren." Die 1. Kammer des Verwaltungsgerichts räumte in diesem konkreten Fall dem Versammlungsrecht den Vorrang ein. "Denn etwaigen Gefahren durch die mitgeführten Hunde könne dadurch begegnet werden, dass diese ständig anzuleinen seien und deren Kot mit Hundekotbeuteln ordnungsgemäß entsorgt werden", heißt es in dem Eilbeschluss.

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