Personal

Sozialämter warnen vor Ansturm der Flüchtlinge

20.000 Flüchtlinge müssen Berlins Sozialämter bis Jahresende betreuen. Dafür fordern sie in einem Brandbrief an den Senat dringend mehr Personal.

Ingeborg Junge-Reyer, SPD, ehemals Senatorin für Stadtentwicklung, will jetzt die minderjährigen Flüchtlinge unterbringen

Ingeborg Junge-Reyer, SPD, ehemals Senatorin für Stadtentwicklung, will jetzt die minderjährigen Flüchtlinge unterbringen

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Die Sozialämter der Bezirke schlagen Alarm. Auf die Bezirke komme in den nächsten Wochen „eine große Zahl von Flüchtlingen zu, für die eine auch nur annähernd adäquate Betreuung mit den vorhandenen Ressourcen ausgeschlossen ist“. Das haben die zwölf Amtsleiter in einem Brandbrief an den Senat geschrieben.

Sozialsenator Mario Czaja (CDU) habe den Bezirksbürgermeistern mitgeteilt, dass bis Jahresende voraussichtlich 20.000 Flüchtlinge in die Zuständigkeit der Sozialämter übergehen. Für anerkannte Asylbewerber, denen ihr Status ein Bleiberecht zusichert, müssen die Bezirke Unterbringung, Leistungsgewährung und soziale Betreuung organisieren. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) ist dann nicht mehr zuständig.

Suche nach Dolmetschern und Wachschutz

„Wir wollen uns vorbereiten, dazu brauchen wir mehr Personal – und zwar sofort und nicht erst in einem Dreivierteljahr“, sagte Sibyll Klotz (Grüne), Gesundheits- und Sozialstadträtin in Tempelhof-Schöneberg. Die 145 vom Senat für zusätzliche Aufgaben in der wachsenden Stadt und wegen der hohen Flüchtlingszahlen bewilligten Stellen reichten nicht. Die Stellen sollen auf Sozial-, Jugend-, Gesundheits-, Schul und Bürgerämter aufgeteilt werden.

Doch es seien nicht nur die Arbeitsabläufe im Sozial- und Gesundheitsamt auf einen Massenandrang einzurichten, notwendig seien auch Dolmetscher und Wachschutz sowie die Vergrößerung der Wartebereiche, mahnte Klotz an. Die Bezirke hätten bereits im vergangenen Jahr einen Bedarf von 200 Stellen allein für die Sozialämter errechnet, sagte Carsten Engelmann, Sozialstadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf.

Wohnungen kaum noch zu finden

Auch die Unterbringung der Flüchtlinge stelle die Sozialämter vor große Herausforderungen, sagte die Stadträtin. Schon Unterkünfte für Obdachlose zu finden, sei kaum noch möglich. Nun kämen alle Asylsuchenden hinzu, die nicht abgeschoben werden. Da es kaum noch möglich sei, Wohnungen zu finden, bleibe in der Regel nur, den Menschen einen Gutschein für Übernachtungen im Hostel zu geben. Von dieser Praxis hat sich das Lageso gerade verabschiedet.

Über eine personelle Verstärkung kann sich indessen die Senatsjugendverwaltung freuen. Dort tritt am 1. November Ingeborg Junge-Reyer (SPD), bis 2011 Senatorin für Stadtentwicklung, ihren Dienst an. Sie soll die Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge koordinieren und damit Jugendstaatssekretärin Sigrid Klebba (SPD) entlasten. Anders als Ex-Polizeipräsident Dieter Glietsch, der im Rang eines Staatssekretärs an der Spitze des Koordinierungsstabes für die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge steht, arbeitet Junge-Reyer auf Honorarbasis.

Gute Kontakt zur Immobilienwirtschaft

Ihr Dienst, den sie an ihrem 69. Geburtstag antritt, ist zunächst auf sechs Monate befristet. Die Verwaltung habe aktiv nach einem Koordinator für diese Aufgabe gesucht, sagte Ilja Koschembar, Sprecher der Jugendverwaltung. Junge-Reyer könne ihre guten Kontakte zu Immobilienunternehmen und Wohnungsbaugesellschaften einbringen.