Welthundetag

Heute ist Welthundetag - Alle Zahlen und Fakten für Berlin

Er gilt als bester Freund des Menschen und doch gibt es immer wieder Streit um ihn. Eine tierische Bilanz zum Welthundetag.

Für ihren Hund geben die Berliner ihr letztes Hemd. Manchmal sogar im wörtlichen Sinne. Wenn’s sein muss, zieht dann eben Frauchen ihr Regencape aus und legt es sanft dem vor Nieselregen zitternden Vierbeiner über das Fell. Gerade erst am Donnerstag auf dem Kudamm passiert. Und manchmal sieht man auch Fifis im Pelzmantel oder im Kinderwagen. Ja, in Berlin geht es den Hunde eben gut. Und an diesem Sonnabend wahrscheinlich besonders gut, schließlich ist dann Welthundetag.

Nicht ohne Grund wurde die Stadt von der Zeitschrift „Dogs“ zur hundefreundlichsten Stadt Deutschlands gekürt. Immerhin dürfen Hunde hier auch ohne Leine auf den Straßen herumlaufen - nach dem neuen Hundegesetz dann allerdings nur noch, wenn Frauchen oder Herrchen nachweisen können, dass sie den Hund beherrschen und nicht umgekehrt. Das verspricht einen neuen Boom für Hundetrainer, die nun wohl vermehrt Ausbildungen zum Hundeführerschein verkaufen können. Immerhin leben 100.000 registrierte Hunde in der Stadt. Dazu kommen nach Schätzungen des Projektbüros Stadt & Hund noch mal so viele unangemeldete dazu.

Menüboxen light und Leberwurstkekse in Knochenform

Für den Vierbeiner - vom Pinscher bis zum Rottweiler - gibt es abgesehen von Hundeschulen auch sonst so ziemlich alles, was er begehrt. Genauer: was Frauchen oder Herrchen begehren. Im Pet’s Deli im Grunewald gibt es zum Beispiel Menüboxen, je nach Gewichtsproblemen der Hunde, in light oder normal. Bei Ally & Dotty in Schöneberg werden selbstgebackene Leberwurstkekse in Knochenform oder auch Lachspralinen angeboten. Dazu Porzellanschälchen mit Goldrand und Halsbänder passend zum Outfit der Besitzer.

153,74 Millionen Euro geben die Berliner Hundebesitzer im Jahr für ihren Hund für Versicherungen, Tiernahrung, Zubehör und Freizeitbeschäftigungen aus. So die Berechnungen von Lasse Walter in seinem Buch „Hundeshauptstadt“. Der Kult um den Hund beschäftigt nach seinen Schätzungen etwa 3000 Arbeitskräfte in der Stadt und bringen Steuereinnahmen von etwa 40 Millionen Euro: zehn Millionen durch die Einnahmen der Hundesteuer und weitere 30 Millionen durch Mehrwert-, Lohn- oder Gewerbesteuer, die rund um die Hundewirtschaft anfallen.

Bei den Polizeistellen in Berlin sind 180 Diensthunde im Einsatz

Hunde in Berlin sind aber nicht nur Begleiter oder Beschäftigungstherapie für ihre Besitzer, sie erfüllen häufig auch wichtige Funktionen. Immer mehr werden sie für Therapien und als Begleiter für Blinde oder anderweitig eingeschränkte Menschen eingesetzt, und sie sorgen vor allem auch für Ordnung. Zumindest bei der Polizei. Die beschäftigt in Berlin 130 Diensthunde. Dazu gehören deutsche und belgische Schäferhunde, Rottweiler, Riesenschnauzer, Bayerische Gebirgsschweißhunde, Schwarzwälder Schweißhunde und ein Dobermann. Sie werden bei Razzien, bei der Fahndung, zum Aufspüren von Leichen, bei Streifen, bei Demonstrationen und Fußballspielen sowie bei der Bewachung von Gebäuden eingesetzt. Zusätzlich werden Terrier für die Suche von Sprengstoff und Drogen ausgebildet.

Außerdem gibt es bei der Bundespolizei in Berlin 50 Diensthunde, vor allem deutsche und belgische Schäferhunde. Davon sind 24 Schutzhunde und zehn Sprengstoffspürhunde. Die übrigen 16 Tiere sind sogenannte Dualhunde, die beide Ausbildungen haben.

Mischlinge beißen in Berlin am häufigsten zu

Aber neben so viel Nutzen gibt es natürlich auch eine Kehrseite. Wer ist nicht schon einmal mit Profilsohle in einen Hundehaufen getreten. Das ist ja auch nicht schwer, denn auch wenn die Beschwerden über Hundekot bei der BSR dank Tütenpflicht inzwischen nicht mal mehr unter den Top Ten der Beschwerdegründe auftauchen, landen doch immerhin täglich etwa 200.000 Haufen - allein von den registrierten Hunden - auf Berlins Straßen. Und so manch einer wird eben doch nicht sachgerecht von Herrchen oder Frauchen entfernt.

Und dann gibt es ja noch die jährliche Beiß-Statistik: 2014 haben Hunde 1016 Mal zugebissen, 443 Mal in einen Artgenossen und 573 Mal in einen Menschen. Und das sind nur die angezeigten Fälle. Überraschend dabei ist, dass die meisten Bisse nicht von den als gefährlich eingestuften Hunden ausgehen (86 Bisse), sondern von Schäferhunden (122 Bisse) und vor allem Mischlingen (176 Bisse). Eine einfache Erklärung dafür hat der Berliner Landesverband für das Deutsche Hundewesen: Abweichend von der allgemeinen deutschen Vorliebe für den Schäferhund, steht in Berlin nämlich mit großem Abstand der Mischling an erster Stelle. Insofern ist er nicht unbedingt bissiger, sondern es gibt einfach mehr von ihm.