Wall AG

Wie Daniel Wall sich von seinem Team verabschiedet

Der Berliner Werbeunternehmer Daniel Wall sucht eine neue Herausforderung. Jetzt hat er sich von seiner Belegschaft verabschiedet.

Daniel Wall, Geschäftsführer der Wall AG, auf dem Dach der Firmenzentrale. Er sucht eine neue Herausforderung.

Daniel Wall, Geschäftsführer der Wall AG, auf dem Dach der Firmenzentrale. Er sucht eine neue Herausforderung.

Foto: Amin Akhtar

Mit einer emotionalen Rede hat sich der Unternehmer Daniel Wall am Mittwoch von den Beschäftigten des Werkes im brandenburgischen Velten verabschiedet. Wall hatte am Vortag wie berichtet den Rückzug aus dem Werbe- und Stadtmöbelunternehmen für das Ende des Jahres 2015 angekündigt.

„Nach dem Verkauf der Aktienmehrheit durch meinen Vater im Jahr 2009 war absehbar, dass irgendwann dieser Zeitpunkt kommen würde“, schreibt Wall in einem Brief an die Belegschaft. Er sei traurig, doch jetzt sei ein guter Zeitpunkt gekommen, um sich noch einmal zu verändern. Das Unternehmen stehe so gut da wie nie.

Daniel Wall ist seit 31 Jahren für das Familienunternehmen tätig und ist seit 1999 im Vorstand der Wall AG. Er war zunächst zuständig für die ausländischen Tochtergesellschaften, Marketing und Vertrieb. Seit 2007 ist er Vorstandsvorsitzender (CEO) der Wall AG und seit 2010 innerhalb der JCDecaux-Gruppe verantwortlich für das Management der Länder Deutschland und Türkei.

Unternehmen neu ausgerichtet

Wall verlässt das Unternehmen fünf Jahre nachdem sein Vater 90 Prozent seiner Anteile an den französischen Werbekonzern JCDecaux verkauft hat. Der neue Eigentümer will das Unternehmen nun unter der Führung von Daniel Hofer umstrukturieren und die Aktivitäten in Deutschland in einer einzigen Unternehmenseinheit bündeln. Im Rahmen dieser Neuorganisation ist kein Platz für Wall als CEO vorgesehen.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller dankte dem Ehepaar Stefanie und Daniel Wall in einer Erklärung für sein gesellschaftliches Engagement. Ferner drückte Müller seine Hoffnung aus, dass sich die Wall AG auch in Zukunft als Berliner Unternehmen „in besonderer Weise der Stadt verbunden fühlt“.

Neue Verträge für Stadtwerbung ab 2019

Dieser Wunsch könnte gewisse Brisanz erhalten, wenn die öffentlichen Werbeflächen in Berlin neu ausgeschrieben werden. Wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Mittwoch auf Anfrage mitteilte, könnte es im Jahr 2019 neue Verträge geben. Die bestehenden würden dann zum Ende des Jahres 2018 gekündigt. Die Ausschreibung solle im ersten Halbjahr 2016 veröffentlicht werden, wobei noch unklar ist, ob sie in mehrere Lose aufgeteilt wird, sagte ein Sprecher. Das Abgeordnetenhaus hatte den Senat aufgefordert, die Stadtwerbung neu auszuschreiben. Es werden Einnahmen im dreistelligen Millionenbereich erwartet. Es ist weiter unklar, ob Daniel Walls Demission in einem Zusammenhang zur erwarteten Neuausschreibung steht. Von Seiten des Unternehmens wurde das dementiert.

Wall betreibt mehr als 91.600 Werbeflächen, darunter 6.336 Flächen an Bahnen und Bussen. In Berlin vermarktet Wall Werbeflächen auf allen U-Bahn-Stationen – darunter 74 digitale Displays auf 25 Stationen. Das Unternehmen bezeichnet sich als größten Anbieter für „City Light Poster“ in Deutschland und hat 1000 Mitarbeiter, darunter 550 in Berlin und Brandenburg. Wall ist in 60 deutschen Städten vertreten.