Berlin

Kampf um die Stadtwerbung in Berlin

Die Außenreklame wird neu ausgeschrieben. Erwartet werden Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe.

Berlin.  Es geht um 100 Millionen Euro. Vielleicht sogar um mehr. Berlin schreibt die komplette Außenwerbung der Stadt neu aus. Dazu laufen im Abgeordnetenhaus und im Senat derzeit die Vorbereitungen. Anders als in den vergangenen Jahren, bei denen der Senat und die Bezirke Dutzende Einzelverträge – meist mit dem Berliner Stadtmöblierer Wall – abschlossen, sollen jetzt die gesamten Flächen der Außenwerbung europaweit ausgeschrieben werden. Der Vertrag könnte dem Land Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe einbringen, denn das Geschäft mit der Außenwerbung boomt. Um diesen Auftrag ist nun ein Kampf der großen Werbefirmen entbrannt.

„Unser Ziel muss sein, die Standards anderer Städte zu erreichen“, sagt der Stadtentwicklungsexperte der SPD, Daniel Buchholz. „Derzeit steht Berlin nicht gut da, es gibt komplizierte und undurchsichtige Einzelverträge.“ Die Einnahmen je Einwohner lägen deutlich unter denen anderer Städte. „Und das in der Hauptstadt“, sagt Buchholz. Vor allem müsse Berlin künftig prozentual an den Werbeeinnahmen beteiligt sein, statt wie bislang pauschal bezahlt zu werden.

Auch der Koalitionspartner CDU setzt sich für mehr Wettbewerb bei der Außenwerbung ein. „Hier besteht die Möglichkeit intelligenter Stadtentwicklung“, sagt CDU-Stadtentwicklungsexperte Stefan Evers. Er fordert daher, dass die Ausschreibung kleinteilig genug erfolge, damit auch innovative mittelständische Unternehmen zum Zug kommen. Die digitalen Werbetafeln könnten außer für Werbung eine wichtige Rolle bei der Entwicklung zur sogenannten Smart City, der digital vernetzten Stadt, spielen.

Mit der anstehenden Ausschreibung beschäftigt sich auch der kommende Rat der Bezirksbürgermeister. Viele der Bezirke haben eigene Verträge mit den beiden führenden Außenwerberunternehmen Wall und Ströer abgeschlossen. Sie stellen den Firmen Werbeflächen zur Verfügung, im Gegenzug bezahlen und warten die Firmen Brunnen, öffentliche Toiletten oder Tütenspender für Hundekot. „Diese Verträge haben sich bewährt“, zeigt sich Reinickendorfs Bürgermeister Frank Balzer (CDU) reserviert über die Senatspläne. Dass das Land das Geld künftig zentral einnimmt und dann an die Bezirke weitergibt, glaubt Balzer nicht. „Das kann man glauben, oder skeptisch sein. Ich bin skeptisch.“

Große Bemühungen der Konkurrenten Wall und Ströer

Der Berliner Werbemarkt ist heiß begehrt. Entsprechend groß sind die Bemühungen vor allem der beiden deutschen Außenwerbungsunternehmen Wall und Ströer, sich bei der Ausschreibung durchzusetzen. „Berlin ist Hauptstadt und mit über 3,5 Millionen Einwohnern die mit Abstand größte Stadt Deutschlands“, sagt die Sprecherin der Wall AG, Frauke Bank. „Entsprechend ist der Werberechtsvertrag mit dem Land Berlin für uns von hoher strategischer, aber gleichermaßen auch von hoher emotionaler Bedeutung.“ Wall sieht sich als Platzhirsch gegenüber der Konkurrenz im Vorteil. „Wir haben wie kaum ein anderes Unternehmen den öffentlichen Raum durch Innovationsgeist geprägt, beginnend mit verglasten Buswartehallen für die BVG, über unsere barrierefreien, automatisch reinigenden City-Toiletten bis hin zu unseren neuen digitalen Werbeflächen, die einen Beitrag zur Entwicklung Berlins zur Smart City leisten“, sagte Bank. Wall hat seinen Firmensitz seit 1984 in Berlin und beschäftigt in der Region 550 Mitarbeiter.

Der große deutsche Gegenspieler von Wall, die Ströer Media Deutschland GmbH aus Köln, rechnet sich ebenfalls Chancen aus, in Berlin landen zu können. Schon vor Jahren beschwerte sich die Geschäftsführung des Unternehmens bei führenden Berliner Politikern, sich gegenüber Wall benachteiligt zu fühlen. Offiziell wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

Die Ausschreibung soll spätestens im kommenden Jahr erfolgen. Doch ob das klappt, ist fraglich. Die zuständige Verwaltung für Stadtentwicklung war trotz mehrfacher Nachfrage nicht in der Lage, darüber Auskunft zu geben, ob, wann und wie die Ausschreibung aus ihrer Sicht aussehen soll.Seite 11