Außenwerbung

Berlins Bezirke wollen an Werbetafeln mitverdienen

Die Außenwerbung in der Stadt soll europaweit neu ausgeschrieben werden. Dabei geht es auch um Flächen an öffentlichen Toiletten.

Koppelgeschäft: Die Wall AG betreibt in Berlin City-Toiletten und darf im Gegenzug die Werbeflächen darauf vermarkten

Koppelgeschäft: Die Wall AG betreibt in Berlin City-Toiletten und darf im Gegenzug die Werbeflächen darauf vermarkten

Foto: Markus C. Hurek / picture alliance / Markus C. Hur

Der Termin war mit Bedacht gewählt. Vergangene Woche stellte Daniel Wall zusammen mit Innensenator Frank Henkel (CDU) in Tiergarten das neue Katwarn-System vor. Katastrophenmeldungen werden künftig zeitnah auf allen digitalen Werbetafeln in der Stadt aufleuchten, um die Berliner vor Gefahren zu warnen. „Smart City ist jetzt möglich“, sagte Firmenchef Wall. In der digitalen Vernetzung der Stadt liege die Zukunft.

Firmenchefs wie Wall sind derzeit in erhöhter Alarmbereitschaft. Denn anders als bislang, als Berlin die Rechte an der Außenwerbung in vielen, kaum zu durchschauenden Einzelverträgen abschloss, soll jetzt die komplette Außenwerbung der Stadt zentral ausgeschrieben werden. Insgesamt geht es für die Stadt um Einnahmen in bis zu dreistelliger Millionenhöhe – und für die Werbeunternehmen um Umsätze in gleicher Höhe.

Hinter den Kulissen ist der Kampf um die Vorherrschaft auf den Berliner Werbetafeln längst entbrannt. Die Firma Wall, die bislang die meisten Werbeflächen in der Stadt vermarktet, muss um seine Vorherrschaft in Berlin fürchten. „Ich könnte mich jeden Tag zum Essen einladen lassen“, sagt ein Stadtentwicklungspolitiker hinter vorgehaltener Hand. Die Lobbyisten und Spindoktoren verschiedener Firmen versuchen längst, die Entscheider auf ihre Seite zu ziehen.

Koppelverträge für den Betrieb von Brunnen und Werbung

Doch soweit ist es noch nicht. Im Senat ist noch unklar, in welcher Form die Flächen der Außenwerbung ausgeschrieben werden sollen. Die Angelegenheit ist kompliziert. Neben den Werbetafeln bestehen zahlreiche Koppelverträge, bei denen Firmen wie Wall oder Ströer aus Nordrhein-Westfalen Dienstleistungen anbieten und im Gegenzug Flächen zur Werbevermarktung zur Verfügung gestellt bekommen.

So blieben die meisten Brunnen in der Stadt trocken, wenn Private sie nicht betrieben und instand hielten – dafür aber Werbemöglichkeiten an zentralen Orten der Stadt erhielten. Allein Wall betreibt derzeit 77 Brunnen in verschiedenen Bezirken und ist auch für die 64 Hundehaufentütchenspender in der Stadt zuständig.

Einen Sonderfall stellen die Toilettenverträge dar. Die Firma Wall betreibt 250 öffentliche Toiletten in der Stadt und darf im Gegenzug Flächen auf den Toilettenhäuschen vermarkten. Wie viel Geld das Unternehmen dabei einnimmt ist unklar – zum Ärger der Berliner Landespolitik. „Es wird Zeit, die Kraut-und-Rüben-Verträge abzuschaffen“, sagt der Stadtentwicklungsexperte der SPD, Daniel Buchholz. Auch die CDU spricht sich für mehr Wettbewerb aus, ist aber skeptisch, ob der Zustand der öffentlichen Toiletten erhalten bliebe, wenn die Wartung künftig ohne entsprechende Werbemöglichkeiten ausgeschrieben und an ein Unternehmen vergeben würde. „Das System hat sich bewährt“, sagt der stadtentwicklungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Stefan Evers.

Unternehmen sollen zusätzliche Angebote machen

Die Bezirke würden am liebsten die Vermarktung selbst übernehmen. Für sie sind die Koppelverträge attraktiv. So ist Wall seit Jahren für die Weihnachtsbeleuchtung in der City-West verantwortlich und verkauft dafür Werbeflächen an strategisch wichtigen Stellen der Innenstadt. Denkbar ist deshalb, dass der Senat verschiedene Lose ausschreibt, auf die sich die Firmen dann bewerben können. „Die Ausschreibung sollte kleinteilig genug erfolgen, damit ein echter Wettbewerb entsteht“, fordert Stadtentwicklungsexperte Evers. Denkbar sei ein Punktesystem, das Unternehmen, die zusätzliche Angebote machen, bevorzugt. Dazu können Sensoren für Verkehrszählungen oder Wlan-Antennen gehören.

Bislang ist in Berlin vor allem die Wall AG zum Zug gekommen. Firmengründer Hans Wall gewann vor 31 Jahren die Ausschreibung für 1000 Wartehallen der BVG mit beleuchteter Plakatwerbung und verlegte daraufhin den Unternehmenssitz in die Stadt. Später kamen die Verträge mit den öffentlichen Toiletten hinzu, zuletzt wurde das Werbeangebot durch 300 große digitale Werbetafeln erweitert. Insgesamt bestehen zahlreiche Verträge zwischen dem Land, den Bezirken und Wall, die nun neu europaweit ausgeschrieben werden sollen.