Flüchtlingsstaatssekretär

Die Rückkehr eines Berliner Polizeipräsidenten

Flüchtlingspolitik statt Krimis lesen. Dieter Glietsch kommt aus dem Ruhestand. Er gilt als Pedant - und reizt Spielräume aus.

Dieter Glietsch als Polizeipräsident im Jahr 2009

Dieter Glietsch als Polizeipräsident im Jahr 2009

Foto: DAVIDS/Darmer / DAVIDS

Die Krimis müssen nun erstmal im Bücherregal stehen bleiben. Vor etwas mehr als vier Jahren ging Berlins früherer Polizeipräsident Dieter Glietsch in den Ruhestand - nun kehrt er als künftiger SPD-Staatssekretär für Flüchtlinge in die Hauptstadt zurück. Damals kündigte er an, sein Rentenalter in einem kleinen Kurort im Oberbergischen Land zu verbringen und Krimis zu lesen. Daraus wird nun zumindest bis Ende 2016 nichts.

Schon als Glietsch im Mai 2011 im Alter von 64 Jahren in den Ruhestand ging, hieß es, er wäre gerne noch geblieben. Er selber sagte damals, sein neues Leben werde für ihn „eine Art sinnvolle therapeutische Maßnahme“ sein, um eine angemessene Distanz zur letzten Wirkungsstätte zu haben.

Nun warten wieder Konferenzen, Besprechungen, Telefonate und Akten auf ihn. Und die komplizierte Aufgabe, Zehntausende Flüchtlinge zu versorgen und zu integrieren. Für seine neuen Mitarbeiter und Kollegen dürfte das nicht immer einfach werden. Glietsch gilt als jemand, der sich detailliert in Sachlagen einarbeitet. Etwas kritischer formuliert: als Pedant. Der damalige Innensenator Ehrhart Körting (SPD) meinte zur Verabschiedung: „Ich neige dazu, jeden Brief zu lesen, den ich raus gebe. Sie neigen dazu, jeden Brief auch noch ausführlich zu korrigieren, bevor sie ihn unterschreiben.“

1964 begann Glietsch seine Arbeit als Streifenpolizist in Nordrhein-Westfalen. Nach vielen Karrierestationen kam er als Außenseiter und neuer Polizeipräsident 2002 nach Berlin. In seiner neunjährigen Amtszeit konnte er einige Erfolge verzeichnen, die auch von den Oppositionsparteien gelobt wurden.

Moderne Aufstellung der Berliner Polizei

Er strukturierte die Polizeibehörde um und sorgte für eine modernere Aufstellung. Gegen den Widerstand des eingefahrenen Apparates und der Polizeigewerkschaften setzte er mehr Transparenz bei Vergehen von Polizisten durch. Inzwischen müssen diese Namensschilder tragen, was die Gewerkschaften vehement ablehnten. Auch die einst so schweren Krawalle am 1. Mai in Kreuzberg drängte die Polizei mit neuen Strategien weitgehend zurück.

Seine Vizepräsidentin Margarete Koppers, eine hohe Richterin, lobte Glietsch damals wegen seiner Reformen als „Glücksfall“ für die Polizei: „Sie sind mit Abstand der beeindruckendste Vorgesetzte, den ich je hatte.“

Eine Bemerkung von Glietsch selber könnte allerdings Warnung für seine künftigen Vorgesetzten, den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und den Sozialsenator Mario Czaja (CDU), sein: Den großen Handlungsspielraum, den ihm die Politik damals ließ, habe er „oft bis an die Grenzen ausgereizt“.