Cooking Club

Berliner Schüler erfinden kreative Pausenbrote

Gefüllt, gerollt und gespickt: Pausenbrote müssen nicht langweilig sein, wie Schüler zum Auftakt der „Wertewochen Lebensmittel“ beweisen.

Die Schüler der vierten Klasse der Hohenschönhauser Brodowin-Grundschule  schnippeln im Cooking Club des Olympiastadions  die Zutaten für ein leckeres Pausenbrot

Die Schüler der vierten Klasse der Hohenschönhauser Brodowin-Grundschule schnippeln im Cooking Club des Olympiastadions die Zutaten für ein leckeres Pausenbrot

Foto: Joerg Krauthoefer

Gefühlt ist es mindestens zehn Zentimeter hoch: Zwischen den beiden Brötchenhälften stapeln sich Gurken, Salatblätter, Käse, Schinken, Sprossen, Soßen – kurz alles, was das Buffet so hergegeben hat in mehrfachen Schichten. Auf den Tisch der Jury schafft es das Super-Sandwich trotzdem nicht. Dafür wird Pepes Wrap ausgewählt. Der Viertklässler kann schon einmal den Gruppensieg für sich verbuchen. Sein Wrap wird mit Dattelspießen zusammengehalten. „Ein sehr modernes Pausenbrot“, urteilt Niklas Siebecke. Koch und Fachleiter am Oberstufenzentrum (OSZ) Gastgewerbe Berlin. Er schneidet es auf und Sonnenblumenkerne, Käse Mais und Möhren, umhüllt mit Dattelfrischkäse, kullern hinaus. Gut kombiniert, sehr vielfältig, lobt der Koch. Einziges Problem: Es ist schwierig zu essen, denn es fällt auseinander.

Ein Pausenbrot muss nicht nur aus einer einsamen Scheibe Käse oder Wurst zwischen zwei langweiligen Brotscheiben bestehen. Das konnten die Schüler der Hohenschönhausener Brodowin-Grundschule am Montagmorgen im Cooking Club des Olympiastadions erfahren. Unter Anleitung von TV-Köchin Felicitas Then, die die Kochshow „The Taste“ gewonnen hat, bereiteten die Schüler der vierten Klasse Pausensnacks im Streetfood-Style zu.

Das Küchenevent war zugleich die Auftaktveranstaltung der „Wertewochen Lebensmittel 2015“, die die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz noch bis zum 4. Oktober veranstaltet. In diesem Jahr geht es vor allem um junge Leute und das Motto „Ich kenne mein Essen“. Zwei Wochen lang bieten Unternehmen, Projekte, Verbände und Schulen Einblicke in die Welt guter Lebensmittel (Programm unter www.wertewochen-lebensmittel.de). Während vor drei Jahren das Engagement gegen Lebensmittelverschwendung im Mittelpunkt stand, geht es diesmal vor allem um nachhaltigen Genuss und die Wertschätzung qualitativ hochwertiger, regionaler und gesunder Zutaten. Mehr darüber sollen Kinder und Jugendliche in zahlreichen Führungen und Workshops sowie bei Probieraktionen in Backstuben, Mensaküchen, Markthallen oder bei Händlern und Imkern erfahren. Wie viel Arbeit steckt in einem Töpfchen Honig? Wie verschieden kann Apfelsaft schmecken? Das sind Fragen, auf die es in den verschiedenen Events Antworten gibt.

„Essen soll Spaß machen“, sagt Thomas Heilmann (CDU), Senator für Verbraucherschutz zur Eröffnung der Auftaktveranstaltung im Olympiastadion. Dabei solle den Kindern nicht mit erhobenem Zeigefinger vorgeschrieben werden, was sie zu essen oder nicht zu essen haben. Dennoch: Um zu erkennen, was gut ist, müsse man wissen, wie Lebensmittel produziert werden und wo sie herkommen. Das solle ihnen vermittelt werden.

Nut wenige Stunden zuvor hatte Thomas Heilmann die Pausenbrote für seine vier Kinder zubereitet. Das sei seine Aufgabe, erzählt er am Rande der Veranstaltung. An diesem Morgen hatte er für sie eine Sesam-Laugenstange aufgebacken und mit Tomate und Mozzarella belegt. Dazu gebe er meistens Karotten, Gurken und manchmal noch ein paar Nüsse mit, erzählt er. Süßes komme beim ihm nicht in den Schulranzen, da sei er konsequent. Anregungen für mehr Vielfalt auf dem Pausenbrot konnte sicher auch der Verbrauchersenator aus dem Kochstudio mitnehmen. Die Kinder verteilten sich an den verschiedenen Stationen, wo sie Brötchen und Fladen backen, Zutaten schnippeln und die Sandwichs oder Wraps belegen konnten.

Den größten Spaß hatten sie ohne Zweifel an der Belegstation. In kleinen Schüsseln stand alles bereit, was zu einem guten Frühstück gehören kann: klein geschnittene Tomaten, Gurken und Paprika, Mais, Champignons. Dazu aber auch Frischkäse, Mozzarella, Kochschinken, Datteln, Zwiebeln, Oliven, Schnittlauch, selbst gemachter Ketchup, Sprossen, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne und schließlich verschiedene Aufstriche und Gewürze.

Sandwichs mit Salat und selbst gemachten Ketchup

Mit viel Kreativität machten sich die Kinder ans Belegen und Stapeln. Francesca griff ganz klassisch zu Kochschinken und Mozzarella, Maja nahm noch Salatblätter und Ketchup dazu. Chang drapierte Pilze und Paprika auf seinem Wrap. Die Kinder seien gerade im richtigen Alter für die Aktion – neugierig, begeisterungsfähig und mutig, sagte Staatssekretärin Sabine Toepfer-Kataw, die neben den Köchen zur Jury gehörte.

Pepe war dafür ein gutes Beispiel. Er hatte nicht nur das beste Wrap seiner Gruppe kreiert sondern auch noch einen neuen Apfelsaft, den er aus verschiedenen Sorten zusammengemischt hatte. Koch wolle er nicht werden, sagt der aufgeweckte Junge. Sondern Fußballer. Um so größer war seine Freude, als Herthino, das Maskottchen von Hertha BSC im Kochklub auftauchte. Seinen Wrap hatte Pepe nicht nur mit Zutaten belegt, die er besonders gern isst. Im Gegenteil: Käse zum Beispiel mag er gar nicht, aber er wollte „ihm mal eine Chance geben“. Und die Dattelspieße erfüllten in seinen Augen nur die einzige Funktion, die gerollte Teigtasche zusammenzuhalten. Außerdem sehe es schön aus, sagte er. Es kam ein vegetarisches Pausenbrot heraus. „Definitiv frisch, ich würde es essen“, urteilte Thomas Heilmann. Am Ende konnte Pepe nicht nur den Gruppensieg in seinem Team „Krumme Banane“ holen – er gewann auch einen der Hauptpreise im Gesamtwettbewerb. „Er konnte vor allem in den Kategorien Kreativität und Geschmack punkten“, sagt Köchin Felicitas Then. Doch kein Viertklässler ging leer aus: Neben vielen Ideen gewannen alle einen Ausflug in den Klettergarten.